Neue Ära für die ARA Rotzwinkel beginnt

STANS ⋅ Die Abwasserreinigungsanlage Rotzwinkel ist nach sechsjähriger Bauphase wieder auf der Höhe der Zeit – und auch fürs Bevölkerungswachstum gerüstet. Doch bereits wird die nächste Verbesserung angepeilt.
15. September 2017, 09:04

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Eine braune, riechende Brühe sprudelt in das grosse Klärbecken hinein, das sich langsam füllt. Es ist das Abwasser von Haushaltungen und Industriebetrieben von Stans, Stansstad, Dallenwil, Ennetmoos, Oberdorf und Wolfenschiessen, der sechs Gemeinden, die dem Abwasserverband Rotzwinkel angeschlossen sind. Rund 5000 Kubikmeter schmutziges Abwasser dieser Gemeinden (etwa 27 000 Einwohner) finden ihren Weg täglich in die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Rotzwinkel im Industriegebiet an der Gemeindegrenze zwischen Stans und Stansstad bei der Autobahn A2. Ausgelegt ist die Anlage für bis zu 35 000 Einwohner, um dem Bevölkerungswachstum gerecht zu werden. Bei Regenwetter kann die Menge um bis das Dreifache ansteigen, da noch in vielen Siedlungen das Regenwasser, das in die Kanalisation fliesst, ebenfalls der ARA zugeführt wird.

«Die drei grossen Becken reinigen im Schichtbetrieb das Abwasser biologisch. Sie sind das Herzstück der neuen ARA», erzählt Betriebsleiter Marcel Fresa bei einem Betriebsrundgang mit unserer Zeitung. 7,5 Stunden lang reinigen die Bakterien das Wasser, die neue Belüftung unterstützt diesen Prozess. Zuvor haben Rechen WC-Papier und sonstige über 6 Millimeter grosse Grobstoffe wie Holz, Papier oder Textilien herausgefischt. Der Schlamm sinkt an den Grund des Beckens. Das sogenannte Klarwasser in der oberen Hälfte des Beckens wird abgepumpt, fliesst in ein Überlaufbecken und von dort über einen Bach entlang der A2 in den Alpnachersee. Von der Betätigung der WC-Spülung bis zum Abfluss in den Alpnachersee vergehen bis zu 20 Stunden.

Mehrere Reinigungsschritte zusammengelegt

Marcel Fresa ist Betriebsleiter einer der modernsten Kläranlagen der Schweiz. In den vergangenen sechs Jahren wurde die in die Jahre gekommene Anlage mit Baujahr 1971 auf den allerneusten Stand der Technik gebracht. «Mit den neuen Becken haben wir mehrere Reinigungsschritte zusammengelegt. In einem Becken findet nun der ganze biologische Reinigungsprozess statt», erläutert Marcel Fresa. Früher wurde im sogenannten Durchlaufverfahren gereinigt, das heisst, jedes Becken übernahm einen Teil des Reinigungsprozesses.

Mit dem neuen System entspricht die ARA auch wieder den aktuellen gesetzlichen Vorgaben. Diese schreiben vor, dass Ammonium, eine Stickstoffverbindung, die sich im Gewässer zu Ammoniak umbilden kann und dann als Fischgift gilt, abgebaut werden muss. Doch die ARA kann mehr als nur Wasser reinigen. Aus dem Schlamm in den Faultürmen wird Methangas gewonnen. Dieses wird dazu verwendet, im Blockheizkraftwerk Strom und Wärme zu erzeugen. Gemäss Marcel ­Fresa werden damit 70 Prozent des eigenen Strombedarfs und 100 Prozent des Wärmebedarfs produziert. Doch auch die neue Anlage kann nicht alle Probleme lösen. «Feuchttüchlein und andere Gegenstände sollten nicht ins WC gespült werden. Nicht alles können unsere Rechen herausfischen. Von Hand einzugreifen, ist nicht gerade sehr angenehm», so Fresa.

Deutlich weniger teuer als erwartet

Walter Odermatt, Vizepräsident der ARA Rotzwinkel und Baukommissionspräsident, blickt auf eine erfolgreiche sechsjährige Bauzeit zurück. «Es war eine sehr interessante Zeit, die Baukommission zu leiten.» Bei der wöchentlichen Sitzung seien Planer, Unternehmer und die Baukommission an einem Tisch gesessen, um den Bauablauf zu koordinieren. «Wir konnten den Zeitplan einhalten und werden den Kostenrahmen von 19 Millionen Franken beachtlich unterschreiten. Um wie viel, wird die detaillierte Abrechnung im nächsten Jahr zeigen.»

Auch Marcel Fresa hat die Bauarbeiten in positiver Erinnerung, auch wenn er und sein Team gefordert waren. «Die ARA musste während der ganzen Zeit in Betrieb bleiben. Entgegen kam uns, dass die Arbeiten auf vier Etappen aufgeteilt wurden.» Der Erneuerungsprozess der ARA ist aber nicht abgeschlossen. Zu schaffen machen den Kläranlagen immer mehr Mikrovereinigungen, ausgelöst durch synthetische Stoffe, die in Medikamenten, Kosmetikprodukten oder Reinigungsmitteln enthalten sind. Diese kann die ARA noch nicht herausfiltern. Dafür bräuchte es eine vierte Reinigungsstufe, sagt Walter Odermatt.

Hinweis

Tag der offenen Tür: morgen Samstag zwischen 10 und 16 Uhr, ARA, Rotzlochstrasse, Stans.


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