Kritische SVP-Stimmen sind verstummt

KANTONALE WAHLEN NW ⋅ Mit Res Schmid (bisher) und einer oder zwei neuen Kandidaten in die Regierungsratswahlen steigen? Diese Frage beantwortete die Versammlung der kantonalen SVP am Freitagabend klar zu Gunsten eines Zweiertickets.
Aktualisiert: 
05.01.2018, 22:00
05. Januar 2018, 21:52

Markus von Rotz

markus.vonrotz@nidwaldnerzeitung.ch

«Diese Wahl ist die Krönung deiner politischen Laufbahn.» Damit ist nicht die kommende Regierungsratswahl gemeint, mit diesen Worten gratulierte der Hergiswiler Gemeindepräsident Remo Zberg diesen Juni Michèle Blöchliger zur Wahl als Landratspräsidentin. Doch nun soll eine weitere Krönung dazukommen: Die rund 190 Anwesenden nominierten am Freitagabend neben dem Bisherigen Res Schmid neu die aktuelle Landratspräsidentin Michèle Blöchliger aus Hergiswil, ohne formelle Abstimmung, als Kandidatin für die Regierung.

Schmid wird im Februar 60 Jahre alt und sitzt seit 2010 in der Regierung. Blöchliger, dreifache Mutter (50), sitzt seit 2002 im Landrat. «Ich freue mich, wenn du in die Regierung kommst, freue mich auf den gemeinsam Wahlkampf, und dann geben wir Vollgas», sagte Schmid zu ihr, noch bevor sie nominiert war.

Für ein Nidwalden, «das langsam wächst»

Sie selber antwortete mit der gleichen Freude auf die Aussicht, Regierungsratskollegin werden zu können. Sie bringe «juristisches Wissen und Führungserfahrung» mit und wolle sich für ein Nidwalden einsetzen, «das langsam wächst und gedeiht». Obwohl ursprünglich ein «Basler Beppi», sei Nidwalden inzwischen «meine Heimat: dort, wo ich mein Leben lang sein möchte».

Der erweiterte Vorstand habe der Wahlkommission das Okay gegeben, «mit maximal drei Kandidaten anzutreten», hatte Wahlkampfleiter Peter Wyss eingangs betont. «Es gilt, die beste Variante zu suchen, um beide Sitze zu behalten.» Man wolle überdies «keine guten Kandidaten verheizen und keine Verlierer produzieren», sondern Kräfte und Mittel bündeln. Darum habe sich auch der ursprüngliche Kandidat Bruno Käslin zurückgezogen. An der Versammlung sagte dieser, die SVP müsse geeint in den Wahlkampf steigen. «Das war immer unsere Stärke. Es geht nicht um meine persönlichen Interessen, sondern um jene der Partei.»

Man hatte schon fast das Gefühl, damit wäre alles gesagt, bis sich Landrat Walter Odermatt meldete. Er wiederholte seine in unserer Zeitung geäusserte Kritik am Zweierticket. Darüber hätte die Nominationsversammlung entscheiden müssen. «Wir sind offenbar schon vor den Wahlen zufrieden», meinte er und folgerte: «Es darf nicht ein Ziel der bürgerlichen Parteien sein, auf stille Wahlen zu setzen.» Er verzichtete jedoch ausdrücklich auf einen Antrag gegen das Zweierticket. Seine Stimme blieb auch die einzige kritische dieser Art.

Ratskollege Christian Landolt störte sich daran, dass Michèle Blöchliger in einem Artikel in unserer Zeitung von Parteimitgliedern «das Messer in den Rücken gesteckt worden» sei. Das habe der Partei geschadet. Wahlkampfleiter Wyss betonte, es wäre wünschbar gewesen, dass die Kritik bei der Parteileitung deponiert worden wäre. Nach 20 Minuten war diese Diskussion schon erschöpft. Vizepräsident Markus Walker hatte zu Beginn bekannt gegeben, dass «für den Landrat alle Listen in allen Gemeinden bis auf den letzten Platz voll» seien. Die 31 Kandidaten – darunter 3 Frauen – werden in Kurzfilmen vorgestellt, weil man auf den sozialen Medien «professionell präsent sein» wolle. Bis auf einen bauten alle den Slogan «Miär hend Sorg zu Nidwaldä» in die Präsentation ein. Den ersten am Donnerstag aufgeschalteten Film hätten in 24 Stunden über 400 Personen angeschaut.

Grüne treten nicht für Regierung an

Die Grünen wollen nicht für den Regierungsrat kandidieren, da sie keinen geeigneten Kandidaten haben. «Die Parteileitung stellt keinen Antrag für die Regierungsratswahl», sagte Präsident Leo Amstutz am Freitagabend eingangs der Parteiversammlung. Zwar war im Vorfeld immer wieder von Conrad Wagner die Rede und auch der Name des Ennetmooser Landrates Thomas Wallimann kursierte. «Wir sind der Meinung, dass es eine neue Persönlichkeit braucht, die auch reelle Chancen hat, gewählt zu werden», so Amstutz. Die Grünen seien nicht bereit, nur zu kandidieren, um stille Wahlen zu verhindern.»

Im Zentrum der Parteiversammlung, von rund 70 Personen besucht, standen die Landratswahlen. Insgesamt 39 Kandidaten aus 9 der 11 Gemeinden kandidieren für die Partei, 19 Männer und 20 Frauen. «Wir sind mit sehr guten und sympathischen Kandidaten unterwegs», sagte Leo Amstutz. Diese stellten sich gemeindeweise und auf humorvolle Art der Parteiversammlung vor. Adrian Borgula, Stadtrat der Grünen Luzern, gab ein Grundsatzreferat. «Grüne Politik ist nicht bequem und soll es auch nicht sein», sagte er. Denn grüne Politik stehe im Interesse des Allgemeinwohls und der Nachhaltigkeit. (KL)

 


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