Missbrauchsdelikt: Obergericht reduziert Strafe um halbes Jahr

NIDWALDEN ⋅ Nun ist es definitiv: Ein Tamile, der vor zwei Jahren beim Senkel in Stans ein 16-jähriges Mädchen missbrauchte, muss viereinhalb Jahre absitzen.
28. November 2017, 11:02

Der Fall warf vor rund zwei Jahren in Nidwalden hohe Wellen. Nicht nur wegen der Tat selber, sondern weil es direkt beim Jugendkulturhaus Senkel in Stans geschah und Opfer wie Täter in Nidwalden wohnen. Ein damals 18-jähriger Tamile hatte eine damals 16-jährige Schülerin aufs Übelste missbraucht. Es geschah unter Todesdrohungen während fast zwei Stunden und mit brutaler körperlicher Gewalt. Das Opfer erlitt zahlreiche Hämatome (Blutergüsse) sowie Schürf- und Quetschwunden im Gesicht und am Kopf. Nur einen Tag zuvor war der Mann schon straffällig geworden: Er hatte an zwei Orten im Dorf Stans mehrere Frauen mit seinem Exhibitionismus in Angst und Schrecken versetzt, indem er sich vor ihnen selber befriedigte. Nach dem Fall beim Senkel wurde er verhaftet und in Untersuchungshaft gesetzt.

Staatsanwalt: «Schweres Verschulden»

Im April 2016 verurteilte ihn das Kantonsgericht Nidwalden wegen «sexueller Nötigung und mehrfachem Exhibitionismus» zu fünf Jahren Freiheitsstrafe und 20 000 Franken Genugtuung an das Opfer. Das Urteil entsprach genau dem Antrag des Staatsanwaltes Alexandre Vonwil, der am Prozess an die Adresse der Richter gesagt hatte: «Lassen Sie sich nicht täuschen vom heutigen ­Erscheinungsbild des schlanken, kindlich-knabenhaften und schüchtern wirkenden Beschuldigten.» Die Verteidigerin appellierte danach ans Obergericht, welches im 4. Oktober die Freiheitsstrafe um sechs Monate verringerte. Dies vor allem deshalb, weil sich der junge Mann in der Strafuntersuchung kooperativ verhielt, geständig war und sich entschuldigte – so steht es in der 27-seitigen Begründung.

Inzwischen ist das Urteil rechtsgültig. Somit muss der Tamile viereinhalb Jahre hinter Gitter beziehungsweise in eine Erziehungsanstalt für junge Erwachsene. Solche gibt es in der Deutschschweiz drei, in Uitikon ZH, im Thurgau (Kalchrain) und in Baselland (Arxhof). Die Zivilforderung von 20 000 Franken akzeptierte er, auch wenn eine Zahlung im Moment wohl illusorisch ist. Alle übrigen Forderungen von mehreren zehntausend Franken für Ermittlungs- und Untersuchungskosten sowie für Honorare für die Verteidigung gehen zu Lasten des Staates.

Kurt Liembd

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch


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