Powerwoche macht Lust auf Tibet

OB-/NIDWALDEN ⋅ Bereits zum neunten Mal können Jugendliche in fremde Kulturen eintauchen oder eine neue Sportart kennen lernen. Die Powerwoche kann es gar mit dem Tenero-Sportlager aufnehmen.
12. April 2018, 07:27

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Aus dem Klumpen Teig formt Tamara Fernandes eine kleine Teigtasche, gefüllt mit Fleisch. Die 14-jährige Engelbergerin ist an diesem Vormittag zusammen mit acht weiteren Oberstufenschülern aus Nid- und Obwalden in die tibetische Küche eingetaucht. «Gastgeber» Tingle Scheletsang aus Tibet bringt den Jugendlichen im Stanser Spritzenhaus die Zubereitung von Momo bei, wie die tibetanischen Teigtaschen genannt werden. «Ich bin sehr glücklich, mit den Jugendlichen zu arbeiten», sagt er.

«Es ist noch etwas schwierig und ungewohnt», beschreibt Tamara Fernandes ihre ersten Gehversuche in der tibetischen Küche. Ihre Teilnahme an diesem Workshop begründet sie mit ihrem Interesse an anderen Kulturen. Und dieses wurde gestillt. Denn vor dem kulinarischen Teil vermittelte Tingle Scheletsang in einer Diashow Wissenswertes über sein Heimatland. Auch Cara Mulcahy (13) aus Engelberg ist vom kulinarischen Ausflug unter dem Motto «culture and kitchen» angetan – doch nicht nur davon. Sie hat bereits zwei weitere Angebote der Powerwoche besucht – nämlich Bogenschiessen und Streetdance.

Für einmal sind Fake News gewollt

Rund 15 Kilometer entfernt, bei der Kantonsschule in Sarnen, etwa zur selben Zeit: In einem Schulzimmer brüten rund ein Dutzend Schüler über den Begriff Fake News. Am Ende des Tages soll ein kurzer Videobeitrag dazu entstehen, der eine falsche Information vermittelt – und zwar bewusst. Es werden Ideen ausgetauscht über zu laute Kuhglocken oder einen leeren Lungerersee. «Wir produzieren Fake News auf humorvolle Weise», begründet Workshop-Leiter und Filmproduzent Alec Wohlgroth das spezielle Thema.

Laurin Imfeld jedenfalls ist begeistert: «Fake News auf die Schippe zu nehmen, finde ich ein lustiges Motto», erklärt der 13-jährige Lungerer, der in seiner Freizeit mit Drohnen fliege und so auf den Geschmack des Filmens gekommen sei. «Dieser Kurs ist eine gute Gelegenheit, Erfahrungen beim Filmen zu sammeln.» Er lobt das Equipment und die kreativen Ideen seiner Kurskollegen.

Tags darauf lernt er, wie er mit Bewegungen, Sprüngen und Techniken auf eine unkonventionellere Art von A nach B kommt – im Workshop-Parkour. «Die Powerwoche ist eine gute Freizeitbeschäftigung während der Osterferien, wo man ja in der Regel zu Hause bleibt», erzählt er.

Sie müssen dem anderen Geschlecht nichts beweisen

Rund 150 Ob- und Nidwaldner Jugendliche der siebten bis neunten Klasse nehmen dieses Jahr an der Powerwoche teil, die bereits zum neunten Mal stattfindet und von den Fachstellen Gesellschaftsfragen Obwalden sowie der Gesundheitsförderung und Integration Nidwalden in Zusammenarbeit mit den Jugendarbeitsstellen der Gemeinden organisiert wird.

Am Grundprinzip hat sich wenig geändert: Jugendliche verbringen ihre zweite Osterferienwoche mit Selbstverteidigung, schreiben eigene Rapsongs, lernen Bogenschiessen oder besuchen ein anderes der fast 20 Angebote aus der Powerwoche. Und zwar aus gutem Grund geschlechtergetrennt – wie die Nidwaldner Projektleiterin Corinne Eisler betont: «Die Jugendlichen können sich so besser entfalten und müssen dem anderen Geschlecht nichts beweisen.» Auch ihr Obwaldner Kollege Luciano Gagliardi spricht von einer Erfolgsgeschichte, nicht zuletzt, weil man das Angebot stetig erweitere und anpasse. «Ein Jugendlicher verglich die Powerwoche gar mit dem beliebten Schulsportlager in Tenero, einfach mit dem Unterschied, dass man zu Hause übernachten könne.»


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