Nidwalden will Schwäne zum Abschuss freigeben

NIDWALDEN ⋅ Massnahmen wie Eierstechen oder Vergrämungsschüsse haben bisher nichts genützt: Die Schwäne lassen sich nicht vom Flugplatz Buochs vertreiben. Nun will die Regierung zum Äussersten greifen.
15. April 2018, 05:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Grosse und kleine Vögel sind beim Flugplatz Buochs Nachbarn. Während auf der Piste bei schönem Wetter fleissig Flugzeuge starten und landen, halten sich in unmittelbarer Nähe zu Piste und Rollwegen bis zu 40 Schwäne auf der Wiese auf. Ein friedliches Nebeneinander von Natur und Technik – so scheint es auf den ersten Blick.

Doch der Schein trügt. «Die Schwäne sind im vergangenen halben Jahr zu einem richtigen Sicherheitsrisiko für den Flug­betrieb geworden, da sie sich immer näher beim Flugplatz aufhalten», sagt die Nidwaldner Sicherheits- und Justizdirektorin Karin Kayser. «Piloten mussten durchstarten oder den Start abbrechen, weil Schwäne über die Piste liefen.» Das Problem sei auch, dass die Piloten von Sportflugzeugen von ihrem Cockpit aus die Tiere gar nicht sähen, wenn sich das Flugzeug am Boden befinde. Zum Glück habe es noch zu keiner Kollision geführt. Von anderen Flugplätzen wisse man aber, dass solche Zusammenstösse sowohl für den Schwan wie auch für das Flugzeug und deren Besatzung verheerende Folgen haben könnten.

«Leider lassen sich die Schwäne nicht einfach so vertreiben. Bisher half nichts. Auch Vergrämungsschüsse, also Schüsse zur Abschreckung, beeindruckten sie gar nicht», erzählt Karin Kayser. Und ein Hag, wie bei anderen Flugplätzen üblich, sei hier nicht möglich, wegen der mannigfaltigen Nutzung der Allmend.

Nun will die Regierung handeln. Zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt, der Schweizer Vogelschutzorganisation Birdlife, dem WWF und dem Airport Buochs ist sie nun im Gespräch, um eine Lösung zu finden. Zur Diskussion steht ein Regulationsabschuss.

«Wenn die Sicherheit leidet, müssen wir handeln»

«Wir wollen die Schwäne nicht ausrotten, sie sollen ihren Platz in unserer Region haben», betont Regierungsrätin Karin Kayser. «Aber wenn die Sicherheit des Flugbetriebes leidet und der Druck auf die Landwirtschaft und das Naherholungsgebiet zu hoch wird, müssen wir handeln.» Sie hofft, dass noch dieses Jahr ein Entscheid fällt.

Die Schwäne sind in Buochs/Ennetbürgen kein neues Phänomen. Landwirte beklagen sich schon seit Jahren, dass die Schwä­ne ihr Land verkoten. 2015 hat der Kanton darum Einzelabschüsse verordnet, um den Bestand zu regulieren. Nachdem diese Massnahme erfolglos geblieben war, begann man ein Jahr später, Eier zu stechen, um so den Bestand längerfristig zu regulieren. «Diese Massnahme wirkt sich natürlich nur sehr verzögert auf den Bestand aus und genügt als Sofortmassnahme nicht», hält Karin Kayser fest. «Diesmal soll es aber nicht bei ver­einzelten Abschüssen bleiben; nur so können wir den Bestand spürbar dezimieren.» Dafür braucht es eine Bewilligung des Bundesamtes für Umwelt, welches verlangt, dass zuvor alle übrigen Mittel ausprobiert werden.

«Schwäne halten sich auf, wo ihr Tisch gedeckt ist»

«Wir sind nicht überzeugt, dass das Abschiessen von Schwänen das Problem löst», sagt Martin Schuck, Projektleiter Artenförderung bei Birdlife Schweiz. «Die Schwäne halten sich dort auf, wo ihr Tisch reich gedeckt ist, in diesem Falle beim Flugplatz.» Ein Verscheuchen der Tiere sei zwar arbeitsintensiv, aber auch jetzt schon möglich.

Ob Birdlife Schweiz Einsprache gegen eine allfällige Verfügung des Kantons erheben wird, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.


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