Selbst die Feuerwehr übt mit seinem Relief

BECKENRIED ⋅ Otti Käslin baut sich seinen eigenen Kanton Nidwalden. Obwohl das dreidimensionale Modell im Massstab 1:4000 erst zu rund einem Drittel fertig ist, dient es schon als Anschauungsobjekt für Hochwasserdiskussionen.
17. September 2017, 05:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Die Autobahn, die in den Seelisbergtunnel mündet, der Träschli- und Lielibach, die in den Vierwaldstättersee fliessen, die Klewenalp, Skilifte und Bergbahnen, die mit einem Faden angedeutet sind: So plastisch wurde der Kanton Nidwalden beziehungsweise ein Teil davon wohl noch nie dargestellt. Es ist dies das Werk von Otti Käslin. Der 61-jährige pensionierte Baupolier baut bei sich zu Hause auf einer Fläche von rund sieben auf sieben Metern den Kanton Nidwalden nach – mit allen topografischen Eigenschaften, sprich Bergen, Bächen und Seen mit richtigem Wasser. Möglich machen dies ein Tank und Wasserschläuche. «Wie ich auf die Idee kam, weiss ich gar nicht mehr», blickt er auf die erste Etappe zurück, als er zwischen 2003 und 2007 das Gemeindegebiet von Beckenried im Massstab 1:4000 nachbildete. Damit wollte er sich später nicht zufriedengeben und weitete sein Projekt auf den ganzen Kanton aus.

Seit vergangenem Jahr baut er nun fast täglich an seinem Kanton. Zweieinhalb Meter lange und 90 Zentimeter breite Kartenausdrucke benutzt er als Vorlage. Danach baut er mit Mörtel Schicht für Schicht Berge und See – mit massstabgetreuen Höhenprofilen. Die Gemeinden- und Kantonsgrenzen, die Bäche, die Autobahn und die Waldgrenze werden danach eingezeichnet, der Wald wird grün eingefärbt. 24 Kubikmeter Beton habe er schon verbaut, 53 Säcke Mörtel und 1800 Arbeitsstunden investiert. «Ich will meine Pension sinnvoll gestalten. Das Hobby bringt mir eine persönliche Befriedigung, und ich verärgere dabei niemanden», begründet er seine Motivation für dieses Mammutprojekt.

Dabei profitiert er von seinem Wissen als Maurer. Zeitdruck hingegen kennt er nicht mehr seit der Pensionierung. «Im Job mussten wir uns ranhalten, um Vorgaben zu erfüllen. Hier kann ich eine Stunde lang in Ruhe an einer Ecke arbeiten, das schätze ich.»

Das Relief, das vom Parkplatz der Bergbahnen Beckenried-Emmetten gut sichtbar ist, blieb nicht unerkannt, auch wenn es erst zu einem Drittel fertig ist. «Meine Nachbarin erzählte ihrem Besuch stolz, dass sie von ihrem Schlafzimmer aus den ganzen Kanton Nidwalden sehe», sagt Käslin schmunzelnd. Der Zweck geht aber übers reine Vergnügen hinaus. «Die Fahrer der Beckenrieder Feuerwehr besprachen anhand des Reliefs optimale Routen zu Weilern.»

Hochwasser kann simuliert werden

Auch die Notwendigkeit einer grossen Bachverbauung wurde dank des Reliefs bestätigt. «Mit dem Finger stauten Gemeindevertreter das Wasser, um ein Hochwasser zu simulieren. Das Wasser ergoss sich grossflächig über Siedlungen in Ufernähe und bestätigte so die Berechnungen der Experten», erzählt Otti Käslin stolz. Bis auch die Kollegen des Engelbergertals solche Szenarien durchspielen können, dürfte es noch mindestens fünf Jahre dauern, schätzt er. An dieser Stelle steht erst der nackte Betonboden.


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