Sie lassen das Resort erblühen

BÜRGENSTOCK ⋅ Ausgedehnte Park- und Pflanzflächen sowie stets frischer Blumenschmuck in den Hotels tragen wesentlich zum Wohlbefinden der Gäste bei. Im Bürgenstock-Resort sorgen Andrea Bumüller und Doris Huser für die Pflanzenpracht.
19. August 2017, 05:00

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@nidwaldnerzeitung.ch

«Feng Shui braucht’s hier nicht, das ist sowieso schon ein Kraftort.» Andrea Bumüller strahlt. Seit April ist die 51-jährige gelernte Gärtnerin und studierte Diplomingenieurin für Landschaftsplanung aus Tuttlingen in Süddeutschland schon als Leiterin der Gartenabteilung auf dem Bürgenstock tätig. Zur chinesischen Harmonielehre Feng Shui, deren Ziel es ist, die Menschen mit ihrem Lebensraum in Einklang zu bringen, hat sie ihre Diplomarbeit verfasst. Andrea Bumüller scheint in ihrem Aufgabengebiet tatsächlich voll aufzugehen. «Ich bin vor allem der Landschaft wegen hier.» Vor rund drei Jahren besuchte sie nämlich ihren Bruder, der seit langem in der Schweiz wohnt, und war damals auch auf dem Bürgenstock. Im vergangenen Herbst habe ihr Bruder dann angerufen und ihr vom Resort und der Personalrekrutierung erzählt. «‹Das ist dein Job›, hat er gesagt, ‹bewirb dich!›», erzählt Andrea Bumüller. Gesagt, getan – und es klappte.

Ein Störfaktor in der harmonischen Pflanzenwelt im Bürgenstock-Resort ist – wie im heimischen Garten auch – das Unkraut. «Die Unkrautbekämpfung ist mit gegen 50 Prozent der grösste Anteil unserer Arbeit. Da muss man permanent dranbleiben, um es unter Kontrolle halten zu können.» Soweit möglich wird von Hand gejätet. Spritzmittel will Andrea Bumüller nicht einsetzen. Zu den Aufgaben ihres Teams gehören unter anderem die Pflege der Pflanzflächen, das Wässern, Sträucherschneiden, der Winterschutz, die Pflege des Rebbergs mit 200 Traubenstöcken, die Wegpflege, Reinigung von Plätzen und Terrassen oder der Kräutergarten. Im Winter kümmert sich ihr Team auch um den Schneeräumungsdienst. Wenig zu tun hat die Gartenabteilung aber mit dem Golfplatz, dafür sind spezielle Greenkeepers zuständig. Nur die Bepflanzungen des Golfplatzes wie beispielsweise Geranien gehören zu Andrea Bumüllers Bereich.

Hoffentlich werden Pflanzflächen gewürdigt

Momentan erledigt sie die Arbeiten mit mehreren Mitarbeitern, die sich rund 250 Stellenprozente teilen. «Wenn alles eröffnet ist und Vollbetrieb herrscht, werden wir aber schon vier bis fünf Personen brauchen», sagt Andrea Bumüller.

Nach ihren ersten Monaten zieht sie eine rundum zufriedene Bilanz. «Das Interessante ist, dass auch wir in der Gartenabteilung durch die gestaffelte Fertigstellung und Eröffnung des Resorts in unsere Aufgabe hineinwachsen können. Es kommen immer wieder neue Aufgaben.» Auch persönlich sei es ihr sehr wohl auf dem Bürgenstock. «Ich wohne im Personalhaus und geniesse es, man ist hier nie einsam, es ist wirklich schön.» Ihre einzige Sorge: «Dass die Pflanzflächen nicht gewürdigt werden, dass Abfall reingeworfen wird – halt einfach, dass man die Pflanzen zu wenig wahrnimmt.» Bis zur Eröffnung Ende Monat werde man mit Sicherheit alles fertig haben, notfalls erhalte sie auch Unterstützung von regionalen Gärtnern.

«Unsichtbare» Floristinnen sorgen für Blumenpracht

Auch Doris Huser setzt ihre grünen Daumen für das Bürgenstock-Resort ein. «Ich bin eine vergiftete Floristin», sagt die 52-Jährige, die in Beckenried wohnt, mit einem Schmunzeln. Mit einer Kollegin ist sie für den Blumen- und Pflanzenschmuck in den Restaurants, Lobbys, im Spa-Bereich und den Zimmern und natürlich für die vielen Anlässe zuständig. Sie gehören zur Abteilung Housekeeping. «Eigentlich sind wir für die Gäste unsichtbar», erzählt Doris Huser. «Wir machen unsere täglichen Rundgänge am frühen Morgen, wenn viele noch schlafen.» Angestrebt seien möglichst alpine Blumen. Künstliche Pflanzen gebe es nur ganz wenige an Standorten, wo es halt einfach zu wenig Licht habe. «Wir haben ein eigenes Budget und sind ziemlich selbstständig.»

Die vielen Blumengestecke, die das ausgedehnte Resort schmücken, stellen Doris Huser und ihre Kollegin in einem eigenen Arbeitsraum her, ausgerüstet mit Chromstahl-Kombination und Kühlraum für die Pflanzen. Das werde jeweils am Abend vorher erledigt, damit der Blumenschmuck am Morgen bei den Rundgängen nur noch verteilt werden müsse. Man habe deshalb alle Gefässe mindestens in doppelter Ausführung. Im unterirdischen Arbeitsraum unter dem Bürgenstock-Hotel entstehen auch die Blumensträusse und Gestecke, welche die Gäste an der Rezeption bestellen können.

Auf den Bürgenstock kam Doris Huser Mitte Juni, nachdem sie von bekannten, örtlichen Bauern einen Hinweis erhalten hatte und dann ein Inserat im Internet sah. «Ich habe grosse Freude, dabei zu sein. Zuerst dachte ich zwar schon, ich hätte mir trotz aller Erfahrung etwas zu viel zugetraut.» Doch das habe sich längst gelegt, was wohl auch am Umgang miteinander liege. «Es ist sehr familiär hier, alle sind per du, und jeder wird ernst genommen.» Zudem könne sie sich einbringen, ihre Ideen würden auch umgesetzt, erzählt Doris Huser. Und auch sie setzt wo immer möglich auf Produkte aus der Region, erst kürzlich habe sie Holzwürfel für Dekorationen aus Ennetbürger Produktion bezogen.


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