Sie schwören auf alte Sorten

STANS ⋅ 70 Jahre gibt es den Familiengärtnerverein Stans bereits. Gärtnern ist im Trend, wenn auch aus anderen Motiven als früher.
20. Juni 2017, 07:31

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ obwaldnerzeitung.ch

Josef von Matt und Sohn Lars holen die Gartengeräte aus ihrem Abteil. Heute sind Jäten und Auflockern dran. Muss der 15-Jährige mit ran? «Ich mach’s auch gern», sagt dieser und fügt augenzwinkernd hinzu: «und ab und zu muss ich auch.» Die Devise im Garten heisst: immer ein wenig dran­bleiben. «Nach dem Feierabend kann man bei der Gartenarbeit gut abschalten», sagt von Matt, der bei der Armee in der Logistik und Infrastruktur arbeitet.

Rundherum 47 gepflegte Parzellen auf 5000 Quadratmetern Erde, die meisten in Vorzeige­status. Hier wächst und gedeiht, was des Gärtners Lust ist: Kartoffeln, Erdbeeren, Bohnen, Kräuter, Zwiebeln, Peperoni, Zucchetti und gar Spargeln sowie pralle rote Johannisbeeren am Strauch. Im Hintergrund grüssen die Berge – Gärtnern mit Aussicht. Schon seit 70 Jahren besteht der Familiengärtnerverein Stans. Ist Gärtnern wieder im Trend? «Eher ja», sagt Vereinspräsident Charly Kuhn. «Es gibt gewisse Gemüsesorten, die man nicht mehr kaufen kann. Und eine Tomate ist nicht nur eine Tomate. Wir haben Gärtner unter uns, die auf die alten Sorten schwören.»

Früher ging es darum, die Familie zu versorgen

Die Motivation, Obst und Gemüse anzubauen, hat sich allerdings geändert. Habe früher vor allem der Versorgungsgedanke im Vordergrund gestanden, gehe es heute mehr darum, zu wissen, was man auf dem Teller habe, betont Kuhn. Noch lange vor Vereinsgründung fanden sich in den 1930er-Jahren kinderreiche Familien zusammen und pachteten im Milchbrunnen in Stans von der Genossenkorporation ein Stück Land. Anfang der 70er-Jahre musste das Areal im Zuge des Autobahnbaus verlegt werden. Im Schwybogen konnte der Familiengärtnerverein beim Schiessstand ein noch grösseres Stück Land von der Genossenkorporation pachten und dort auch Wasserleitungen verlegen. Unterdessen gab es auch bereits eine Vergrösserung des Areals um 12 Parzellen. Aus 10 bis 15 Mitgliedern am Anfang sind es an die 50 Mitglieder aus sieben Nationen geworden, der jüngste Pächter 30, der älteste 75 Jahre alt. Die Miete der Parzellen im Schwy­bogen kostet 75 Rappen pro Quadratmeter pro Jahr, die meisten sind 100 Quadratmeter gross. «Integration wird bei uns seit vielen Jahren gelebt», betont der Vereinspräsident. «Wir lernen viel von den anderen Nationen und sie von uns, nicht nur im gärtnerischen Bereich. Gastarbeiter brachten Samen und Setzlinge aus ihrer Heimat mit und probierten, ob es in der kälteren Schweiz auch wächst», erinnert Kuhn an die Anfänge. Der allererste Mais in Nidwalden sei beim Familiengärtnerverein gediehen, hält er fest.

Möhrenfliegen und Kartoffelkäfer als natürliche Feinde

Neben dem Schaffen kommt in der Anlage auch die Geselligkeit nicht zu kurz: Am Tisch beim Vereinshäuschen sitzen Charly Kuhn, Fredi Aschwanden und Hans Tresch, der Ende der 70er-Jahre Präsident war. Zu reden geben natürlich das Wetter und die immer resistenter werdenden Schädlinge. Werren, Möhrenfliege und Kartoffelkäfer gehören neben Wetterunbill wie Hagel oder Kälteeinbrüche zum natürlichen Feind des Gärtners. Die Kollegen tauschen sich über ihre Erfahrungen mit Auberginen aus. Charly hat im vergangenen Jahr zwei Stöcke gesetzt, die besonders üppig gediehen: «Wir sind fast in Auberginen geschwommen», erzählt er. Leider isst er die Gemüsesorte nicht allzu gern. Hans erzählt von einem besonderen Rezept seiner Frau, das ihm selbst sehr mundet. Sofort erkundet sich Charly Kuhn danach. «Das ist eben das Praktische, man tauscht sich aus und gibt sich gegenseitig Tipps», freut er sich.

Hinweis

Der Familiengärtnerverein lädt am Samstag, 24. Juni, von 10 bis 16 Uhr zum Tag der offenen Tür im Schützenhaus Schwybogen.


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