«Spieler sind rüüdig aufgeweckt»

STANS ⋅ Nach einer überraschenden Spielpause im vergangenen Jahr gibt es heuer wieder eine Produktion auf der Kollegi-Bühne. Regisseurin Noemi Wyrsch hat mit «Alice im Wunderland» bewusst ein Stück ums Erwachsenwerden ausgewählt.
04. November 2017, 08:51

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ nidwaldnerzeitung.ch

Mit einer neuen Regisseurin startet das Kollegitheater dieses Jahr neu. «Vergangenes Jahr haben wir entschieden, lieber eine ­Pause einzulegen. Wir hatten Zuschauerschwund und zu wenig Interessenten unter den Schülern. Nun machen wir einen Neustart mit jemand Neuem», sagt Rektor Patrik Eigenmann. Das Theater soll wieder zum Regelbetrieb werden, so seine Hoffnung. Immerhin reicht das Archiv der Aufführungen bis 1985 zurück.

Mit Regisseurin Noemi Wyrsch habe man jemanden, der gleichzeitig jung und erfahren ist. «Auch hat sie als Lehrerin eine pädagogische Ausbildung und Verständnis für die Situation der Schüler, die Theater machen», freut sich Eigenmann. Die 27-jährige Lehrerin lebt sowohl vom Unterrichten als auch von ihren Theaterprojekten und hat sich einen Namen in der Sparte Poetry-Slam gemacht. Im Juni gewann sie mit Petra Schwarzenbach den Nachwuchspreis «Tank­stelle Luzern» mit Auftritt im Südpol. Ein Theaterstück als Diplomarbeit hatte ihr bereits an der Fachmittelschule die Türen zur Theaterwelt aufgetan: Sie konnte ein halbjähriges Praktikum am Theater in Freiburg im Breisgau machen, erfolgreiche Eigenproduktionen schlossen sich an.

Von den Schülern sei sie «hellauf begeistert», sagt Noemi Wyrsch euphorisch. Das Ensemble besteht aus Theaterneulingen sowie Spielern, die bereits mehrfach dabei waren. «Ob Mittwochnachmittag oder samstags, sie bringen viele Ideen und sind ‹rüüdig› aufgeweckt, die Truppe ist für mich der Traum», freut sich die Luzernerin. Die Spielfreude sei enorm: «Sie probieren aus und sind bereit, auch andere Varianten zu spielen.» Es sei kein Problem gewesen, die Spieler zusammenzubekommen.

Druck als zu hoch empfunden

Corina von Holzen, die seit 2013 mitmacht, freut sich jedenfalls, dass es wieder weitergeht. «Die Pause hat es gebraucht», findet sie. Den Druck unter der vorherigen Regisseurin Michela Gösken empfanden die Schüler offensichtlich zunehmend als zu hoch, sagt sie. «Von Jahr zu Jahr kamen weniger, es wurde angespannter», sagt die Sechstklässlerin. «Noemi Wyrsch ist integriert, unterstützt uns und macht uns Mut.» Auch das Stück sei sehr cool, «eine Geschichte, aus der man viel machen kann», findet Corina, selbst eine der fünf Alice-Darstellerinnen im Wunderland. Wyrsch hat die Bühnenfassung des berühmten Kinderbuchs in Mundart geschrieben. «Wir richten den Fokus auf eine Alice, die in eine Erwachsenenwelt kommt. Sie muss sich mit Fragen, die von aussen aus der Traumwelt an sie gerichtet werden, auseinandersetzen. «Wer bin ich, wen muss ich darstellen, dass ich ernst genommen werde?»

Von der Schulleitung erfährt Noemi Wyrsch wertvolle Unterstützung: Neu gibt es eine Produktionsleitung durch zwei Lehrer, Fachschaftspräsident Pascal Kappeler und Maria Stalder, die bildnerisches Gestalten unterrichten. Auch der Hausdienst wird bei der diesjährigen Pro­duktion gefordert. Im Gegensatz dazu war Gösken in allen drei Produktionen von 2013 bis 2016 neben Text und Regie auch für das Bühnenbild verantwortlich, also weit mehr auf sich gestellt.

Die Produktion geht in den Endspurt. Jetzt stehen Durchläufe mit Kostümen, Musik, Licht und Technik an. Alle sind gespannt auf die Premiere. Für die Zukunft des Kollegitheaters hat Patrik Eigenmann vor allem folgenden Wunsch: «Dass diejenigen, die Theater machen, etwas lernen und Spass dabei haben, und super wäre es, wenn das Publikum auch Freude dabei hat. Und dass der eine oder andere Bub wieder den Weg auf die Bühne findet.»

 

Hinweis

Premiere Kollegitheater Stans, «Alice im Wunderland», Freitag, 17. November, um 20 Uhr.


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