Sport am weissen Tisch

EMMETTEN ⋅ Nidwalden bietet heute eine Fülle von Sportmöglichkeiten. Wer aber soll die Initiative für die Weiterentwicklung der Anlagen ergreifen? Darüber war man sich am Sportforum nicht einig.
04. November 2017, 05:00

Robert Hess

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Bewegungsförderung ist Gesundheitsförderung und ein Anliegen aller», stellte der Berner Martin Strupler, Sportanlagenplaner und Turn- und Sportlehrer II, in seinem Einführungsreferat zum 12. Nidwaldner Sportforum fest. 52 Prozent der Schweizer erklärten, dass sie mehr als einmal in der Woche Sport in der Landschaft betrieben, 17 Prozent einmal pro Woche und 31 Prozent selten oder nie. «Bewegung aber benötigt Raum und Sportanlagen», fuhr Strupler vor rund 130 Anwesenden im Hotel Seeblick in Emmetten fort.

Flächen sind optimal zu nutzen

Je nach Sportart sei der Flächenbedarf für Anlagen sehr unterschiedlich. «Der Boden aber ist nicht vermehrbar», deshalb müssten die heute für den Sport zur Verfügung stehenden Flächen optimal genutzt werden. Erst wenn diese Forderung erfüllt sei, sollte man neue Flächen für Sportanlagen zur Verfügung stellen. Auch der wachsende Verkehr verdränge den Bewegungsraum. Vermehrt solle man Strassen und Plätze und auch Grünflächen als Bewegungs- und Begegnungsraum zurückgewinnen.

«Haben wir die richtigen und genügend Sportanlagen, damit für unsere Bevölkerung auch in Zukunft Raum für Sport und Bewegung zur Verfügung steht?», hatte Philipp Hartmann, Leiter Abteilung Sport Nidwalden, in der Einladung zum Anlass geschrieben. Genaueres dazu wollte Moderator Christian Graf von einer Gesprächsrunde im Anschluss an das Referat wissen. «Innert fünf Minuten können wir in jeder Gemeinde in einem Wald oder an einem Gewässer sein», erklärte Bildungsdirektor Res Schmid. Im Kanton bestehe «ein sehr grosses Angebot an naturnahen Sportarten», fuhr er fort. Insgesamt weise der Kanton ein vielfältiges Angebot an Freizeit- und Sportmöglichkeiten auf.

Wer hat die Führungsrolle: Staat oder Vereine?

Nicht einig war sich die Gesprächsrunde in der Frage, wer die Initiative zur Weiterentwicklung der Sportmöglichkeiten und -anlagen ergreifen müsse. «Bei uns bilden der Breiten-, der Schulsport sowie die Tätigkeit der Vereine die wesentlichen Bestandteile des Sportangebotes», erklärte der Hergiswiler Gemeindepräsident Remo Zberg. Die Gemeinde stelle die Anlagen den Sportvereinen kostenlos zur Verfügung, und pro betreuten Jugendlichen erhalte ein Verein den Betrag von 300 Franken. Auch für Bildungsdirektor Res Schmid steht die Eigeninitiative der Sportvereine im Vordergrund. Diese werde vom Kanton bei der Realisierung nach Kräften unterstützt. Als Beispiel für die Eigeninitiative nannte er das Wassersportzentrum.

Die Aussagen von Zberg und Schmid provozierten eine heftige Reaktion von Martin Strupler. «Als Steuerzahler kann ich fordern, dass der Staat bei der Planung und dem Bau von Sportanlagen die Führungsrolle übernimmt.» Diese Aufgabe müssten Fachleute übernehmen, sie sei nicht den Ehrenamtlichen zu überbürden. Vereine hätten sowieso wachsende Probleme, Freiwillige zu finden.

Tourismusorganisationen als Auftraggeber

Nicht Ehrenamtliche, sondern Tourismusdestinationen sind in der Regel Auftraggeber für Severin Gisler, Projektleiter bei Allegra Tourismus in Graubünden. Er ist insbesondere für den Bereich Mountainbike zuständig, hat aber auch als Profi Wünsche: «Forststrassen und Wanderwege stehen zur Verfügung, doch fehlen uns Angebote für Wege, die einfach zu befahren sind.» Einen ähnlichen Wunsch äusserte für Nidwalden die Stanserin Alessandra Keller, die zum Nationalkader Mountainbike gehört und kürzlich an der WM in Australien Bronze erkämpft hatte, wie Moderator Christian Graf einwarf.


Leserkommentare

Anzeige: