Regierungsrätin Karin Kayser-Frutschi: «Eine starke Armee wird immer wichtig sein»

DALLENWIL ⋅ Rund 250 ehemalige Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten sind zur 28. Tagung der Nidwaldner Militärvereinigung angetreten. Kameradschaft, Erinnerungen, aber auch ernste Worte hatten ihren Platz.
17. April 2018, 07:42

Robert Hess

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Weisch nu damals?» waren wohl die geläufigsten Worte unter den Teilnehmern des alle drei Jahre stattfindenden Treffens der Nidwaldner Militärvereinigung unter den Fahnen des Füs Bat 47 und Geb S Bat 12. Zwei Soldaten, die es genau wissen, waren am Mittagstisch der 76-jährige Sepp Odermatt und der 95-jährige Jost Christen, der älteste unter den rund 250 Teilnehmern am vergangenen Sonntag in Dallenwil.

«An meiner Aushebung 1961 wurden gute Schützen für das zu gründende Nidwaldner Gebirgsschützenbataillon 12 gesucht», berichtete der heute in Ennetbürgen wohnhafte Sepp Odermatt. «Ein guter Schütze war ich», fuhr der gelernte Käser fort, «und so bin ich bis zur ersten Fahnenübernahme 1962 ein Schützenzwölfer geworden.»

In der ersten Train-Rekrutenschule

Auch der gebürtige Wolfenschiesser Jost Christen erinnerte sich an 1962 und noch viel weiter zurück. 1943 – mitten im Aktivdienst – rückte er in Thun zur ersten Train-Rekrutenschule ein, welche die bisherigen Säumer ablöste. «Stolz sei man damals gewesen, weil die Train-Truppe einen Karabiner fassen konnte, während die Säumer nur mit einem langen Säbel ausgerüstet waren.

Zu Beginn der 16 Wochen dauernden RS hatte der heute im Alterszentrum Ennetbürgen lebende Jost Christen von den Eltern 30 Franken erhalten. «Es war mein Ziel, das Geld den Eltern am Ende der RS wieder zurückzugeben, und das erreichte ich auch.» Geld sei in der Grossfamilie Mangelware gewesen. Etwas auszusetzen am Militär hatte der sehr rüstige 95-Jährige eigentlich nur am Essen. «Bis wir nach dem Einrücken unsere Pferde versorgt hatten, war zu oft nichts mehr in den Fassgeschirren.»

Das Schöne und Unvergessliche

Die 28. Tagung der Nidwaldner Militärvereinigung hatte mit dem gemeinsamen Einzug und dem Festgottesdienst in der Kirche Dallenwil begonnen. «Das Schöne und Unvergessliche des Dienstes miteinander erleben», lautete der «Tagesbefehl» des ehemaligen Walliser Feldpredigers und heutigen Diakons in Ennetbürgen, Elmar Rotzer.

Überdimensionale Jasskarten waren der rote Faden seiner Ehrenpredigt. «Mit Rosen fünffach», begann er schmunzelnd, «denn heute hat es fünfmal mehr Leute in der Kirche als sonst.» In vielem sei das Kartenspiel mit dem Leben zu vergleichen. So müsse man auch mit schlechten Karten das Spiel zu Ende führen und das Beste daraus machen und dabei auch den Partner nicht im Stich lassen. «Alle wollen das Spiel, den Match gewinnen, und das ist auch richtig so», meinte der Festprediger, «doch im Spiel wie im Leben muss man auch verlieren können».

«Weit über 10000 Diensttage»

«Mit unserer Justiz- und Sicherheitsdirektorin hält erstmals eine Frau die patriotische Ansprache», kündigte Vereinspräsident Franz Niederberger Regierungsrätin Karin Kayser-Frutschi an. Sie schätzte die gesamten Diensttage der Anwesenden «auf weit über 10 000», meinte sie, «und Sie als Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten haben zahlreiche Entbehrungen und Mühen in Kauf genommen, um zusammen mit ihren Kollegen einen Teil zum Ganzen, dem Schutz und der Verteidigung der Schweiz beizutragen.» Unsere Sicherheitspolitik habe «den Zweck, die Handlungsfähigkeit, Selbstbestimmung und Integrität des Landes und seiner Bevölkerung sowie ihre Lebensgrundlagen gegen Bedrohungen und Gefahren zu schützen und auch einen Beitrag an die Stabilität und den Frieden jenseits unserer Grenzen zu leisten».

Die Regierungsrätin erwähnte auch neue Bedrohungen wie Terror oder Cyber-Angriffe, die bewältigt werden müssten. Zum Schluss ihrer Ansprache wünschte sie sich eine «starke Armee mit treuen, mutigen und selbstlosen Soldaten, die ihren Beitrag für das Ganze sehen. Die Armee war immer wichtig und wird immer wichtig bleiben.»

Namen der Verstorbenen verlesen

Auf den Gottesdienst, der vom Jodlerklub Wiesenberg umrahmt wurde, folgte die Totenehrung. Der letzte Bataillonskommandant Franz Gander sprach die Worte zum Lied «Kamerade wemmer sii» und verlas die Namen der 27 Soldaten, die seit der Tagung vor drei Jahren verstarben.

 

  • Musikalische Umrahmung des Anlasses durch den Musikverein Dallenwil und dem Trio Wisi, Werni und Toni. (© Robert Hess)
  • Ein Überblick: Rund 250 ehemalige Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten sind zur 28. Tagung der 
Nidwaldner Militärvereinigung angetreten. (© Robert Hess)
  • Zwei Frauen unter 250 Männern: Landratspräsidentin Michèle Blöchliger (links) und Justiz- und Sicherheitsdirektorin Karin Kayser. (© Robert Hess)

Zur 28. Tagung der Nidwaldner Militärvereinigung sind rund 250 ehemalige Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten angetreten.


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