SVP sorgt mit Zweierticket für Unmut

NIDWALDEN ⋅ Der Vorschlag der SVP-Wahlkommission auf ein Zweierticket für die Regierungsratswahlen kommt parteiintern gar nicht gut an. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen.
29. Dezember 2017, 05:00

Kurt Liembd

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Ich war total überrascht, als ich hörte, dass der Wahlausschuss nur mit einem Zweierticket für die Regierungsratswahlen vom 4. März 2018 antreten will», sagt der Stanser SVP-Landrat und frühere kantonale Wahlkampfleiter Walter Odermatt. Konkret will die Kommission neben dem Bisherigen Res Schmid nur Michèle Blöchliger für den abtretenden Ueli Amstad vorschlagen.

Odermatt macht sich Sorgen um die Demokratie. «Die SVP ist doch eine Partei, welche Basisdemokratie und Bürgernähe hochhält.» Dies sei aber nicht der Fall, wenn die Parteiversammlung nur eine Zweierkandidatur abnicken könne. Dann müsse man sich nicht wundern, wenn die Politikverdrossenheit zunehme, ärgert er sich. Vor zwei Jahren hatte er bei der Ersatzwahl für Hans Wicki das zweitbeste Resultat geholt. Bisher hat er sich um das Amt nicht beworben.

Rückzug wegen Zweierticket

Odermatt hatte höchstpersönlich den Beckenrieder Gemeindepräsidenten Bruno Käslin angefragt und ins Spiel gebracht. «Ich stehe voll hinter Käslin und wäre glücklich, wenn er Regierungsrat würde.» Doch es kam anders. Dieser zog sich nach dem Entscheid der Partei für das Zweierticket zurück. Käslin dazu: «Ich bin nicht enttäuscht, der Entscheid der Wahlkommission auf ein Zweierticket ist für mich nachvollziehbar.» Hätte sich die Kommission jedoch für eine Dreierkandidatur entschieden, wäre er gerne zur Verfügung gestanden. Er habe vorgängig sehr zahlreiche und lange Gespräche mit der Wahlkommission geführt.

Parteipräsident Christoph Keller begründet das Zweier­ticket so: «Wahlkommission und Kantonalvorstand kamen zum Schluss, dass die SVP weder einen bisherigen Sitz angreifen möchte noch sich einen dritten anmasst.» In der Basis hört man aber, dies wäre auch mit einem Dreierticket möglich. Viele beanstanden, die Stimmbürger müssten eine Auswahl haben zwischen Juristin und Landwirt.

Wird Gemeinde Hergiswil zu mächtig?

Auch SVP-Landrat Armin Odermatt aus Oberdorf gibt zu, dass er gerne einen Vertreter der Landwirtschaft in der Regierung hätte, zumal gerade dieses Departement jetzt frei werde. Zudem meint er, dass die Gemeinde­zugehörigkeit ein Thema werden könnte: Auch bei der FDP ist mit Niklaus Reinhard ein Hergiswiler im Gespräch. Dort wohnen zudem neben Michèle Blöchliger auch Nationalrat Peter Keller und Ständerat Hans Wicki.

Ganz unglücklich übers Zweierticket ist der Ennetmooser Gemeinderat Werner Odermatt: «Ich war enorm erstaunt. Wir hatten am 18. Oktober eine Sitzung aller SVP-Ortspräsidenten, und da sprachen wir klar von einem Dreierticket.» Das sei so protokolliert. «Nur mit einem Dreierticket wird man der Basisdemokratie gerecht», so Werner Odermatt. Er verrät, dass Anstrengungen im Gange seien, der Parteiversammlung vom 5. Januar ein Dreierticket vorzuschlagen. Harte Kritik auch von Michel Battegay, Gründungspräsident der SVP Hergiswil. «Das ist ein abgekartetes Spiel mit Michèle Blöchliger und entspricht nicht dem Naturell unserer SVP.» Er könne nicht verstehen, weshalb neben Blöchliger nicht auch ein Landwirt vorgeschlagen werden soll. Selbst neue Landratskandidaten bringen sich ein. So Toni Niederberger-Kreienbühl aus Stans: «Ein Zweierticket zu präsentieren finde ich vorgegriffen.» Dafür zuständig sei die Parteiversammlung. Hinter vorgehaltener Hand wird auch kritisiert, dass Kandidatin Michèle Blöchliger selbst Mitglied der SVP-Wahlkommission ist, welche sie vorschlägt. Sie vertrete zudem ein anderes Familienbild als die SVP und entspreche nicht ihrer Wählerschaft. Das Zweierticket zeigt jedoch, wie ernst es ihr ist, trotz bisheriger Niederlagen: Bei der Wahl in den Nationalrat 2011 hat sie sich innerhalb der SVP in Position gebracht, und bei der Ersatzwahl in den Regierungsrat 2016 ist sie SVP-intern an Walter Odermatt gescheitert. Mit der unschönen Begleiterscheinung, dass als Folge darauf ihr Mann das Amt des SVP-Ortspräsidenten in Hergiswil Knall auf Fall niederlegte und die SVP Hergiswil seither keinen neuen Präsidenten fand. Eine bittere Pille gab es für Blöchliger auch 2010, als sie als Vizepräsidentin der SVP Schweiz kandidierte und dabei Nadja Pieren aus Burgdorf unterlag.

Entscheidet sich die SVP am 5. Januar für ein Dreierticket, müsste nebst Res Schmid und ­Michèle Blöchliger ein dritter Kandidat vorhanden sein. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der eingangs erwähnte Stanser Landrat Walter Odermatt daran bis heute immer wieder Interesse ­bekundete. Seine berufliche und familiäre Situation sei ideal, so dass er sich zu 100 Prozent für das Regierungsamt einsetzen könnte, bestätigt er auf Anfrage.

Auch Conrad Wagner steht wieder bereit

Mit einem Zweierticket der SVP würden zudem stille Wahlen drohen, falls die FDP ebenfalls mit einem Zweierticket antreten würde und die Grünen verzichten sollten. Ob die FDP mit zwei oder drei Kandidaten kommt, entscheidet der Parteitag vom 11. Januar. Gesetzt ist der Bisherige ­Alfred Bossard, weitere Kandidaten sind bisher Landrat Niklaus Reinhard, Hergiswil, und Gemeinderat Joe Christen aus Stans. Die Grünen entscheiden am 5. Januar, gleichentags wie die SVP. Vorbereitet für eine Kandidatur ist bereits Conrad Wagner. «Seit die beiden Demissionen bekannt sind, wurde ich extrem viel angesprochen und zu einer Kandidatur ermuntert, auch von Leuten aus allen bürgerlichen Parteien», verrät Wagner. Im Gespräch bei den Grünen ist intern auch der Ennetmooser Landrat Thomas Wallimann.


Leserkommentare

Anzeige: