Szenisches Musikspektakel

STANS ⋅ Mit einer musikalisch-theatralischen Bearbeitung von Goldonis Komödie «Mirandolina» begeistert der Männerchor das Publikum. Was man auf der Bühne an der Mürg präsentiert bekommt, ist in seiner Art einmalig.
15. Mai 2017, 09:36

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Mit grosser Einfühlsamkeit und viel Virtuosität leitet er seit Jahren den 60-köpfigen Stanser Männerchor, dazu spielt er im Orchester während der Aufführungen gleich mehrere Instrumente: Gemeint ist der Stanser Musiker und Gymnasiallehrer Joseph Bachmann. Er hat zu Goldonis Komödie «Mirandolina» Musik und Lieder arrangiert, Szenen massgeschneidert. Zusammen mit vielen Beteiligten bieten er und der Männerchor Stans ein theatralisches Konzert.

Für die Zuschauer wird dieses zum Erlebnis der besonderen Art: Die wundervolle Banda Miranda mit Joseph Bachmann am Akkordeon, Melanie Zumbühl (Querflöte), Leandra Wolf (Violine) und Laura Cesar (Kontrabass) braucht zu Beginn bloss Rossinis Bolero «L’invito» (Die Einladung) zu spielen, und schon ist das ganze Publikum verzaubert. Genauso verzaubert, wie es all die Gäste in der Locanda Rossa sind, wenn sie die hübsche Wirtin Mirandolina voller Charme bedient und sie dabei gleich reihenweise um den Finger wickelt – Franziska Stutz ist für diese Rolle wie geschaffen. Und ganz ehrlich: Spätestens wenn der Männerchor das Liebeslied «S Mirandeli esch es Fyns» nach einer herzbewegenden Melodie aus Luthern am Napf singt, ist auch der letzte Zuhörer irgendwie verliebt. Stopp! Eine Ausnahme gibt es: den Cavaliere di Ripafratta. Diesem bärbeissigen Frauenverächter und Hagestolz scheint Mirandolina nicht beizukommen – Publikumsliebling Albert Müller spielt diese Rolle umwerfend komisch und so gekonnt, dass man sich vor Lachen kugeln möchte, wenn der alte Haudegen schliesslich doch noch mit einem Strauss Blumen anmarschiert. Nur: Jetzt lässt ihn Mirandolina ebenso abblitzen wie den reichen Conte (Arne Domrös) und den armseligen Marchese (Pius Albisser). Beide werden von der Regisseurin Josette Gillmann mit kuriosen Eigenheiten ausgestattet. Beide ernten immer wieder viele Lacher. Mirandolinas Herz aber erobert der Kellner. Seinem mit Gitarre begleiteten und fast inbrünstig gesungenen «O sole mio» kann auch Mirandolina nicht widerstehen. Als Kellner ­Fabrizio läuft Arni Häcki (auf der Märli-Biini Prinz vom Dienst) zu ganz neuer Hochform auf.

«Sidi Abdel Assar» bis «Krambambuli»

Das ebenso gute wie lustige Spiel der Ad-hoc-Theatergruppe ist das eine. Die äusserst kunstvoll und geschickt ins Stück eingefügten Lieder sind das andere. Joseph Bachmann räumt mit Klischeevorstellungen, die man vom Männerchorgesang haben mag, ganz schön auf. Zwar fehlen die bekannten, oft schwelgenden mehrstimmigen Trinklieder (etwa «Ich weiss ein Fass» oder «Das Wandern ist des Müllers Lust») nicht. Auch passen sich selbst der Studentenhit «Krambambuli» oder die unverwüstlichen Hymnen «So ein Tag» oder «Dorma Bain» ins Stück ein, dazwischen aber bekommt man auch Überraschendes zu hören. Etwa Mani Matters Evergreen «Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama», von Bachmann präzis auf seinen Männerchor abgestimmt. Oder auch Mozarts witzigen Kanon «Bona Nox». Was dabei – vom ersten bis zum letzten Lied – auffällt: In Stans wird der Männerchorgesang nicht nur punkto Repertoire und szenischer Darbietung revolutioniert. Einzigartig ist hier auch, mit welcher Präzision die Lieder ausgearbeitet werden, mit welch wundervollen Feinheiten sie die Männer singen. Das Liebeslied «Du fragsch, was i möcht singe» von H. R. Willis­egger ist ein schönes Beispiel für diese Nuancen. Markus Gander, der Präsident des Männerchors Stans, weiss, was all dies wert ist. Er hält denn auch fest: «Um ein Projekt dieser Grösse umsetzen zu können, sind viel Herzblut, gute Fachkenntnisse und eine grosse Portion Enthusiasmus erforderlich.» Dass der Aufwand sich lohnt, belegten die Zuschauer und Zuhörer nach dem kleinen Spektakel mit einem langen, in diesem Fall besonders herzlichen Applaus.

Hinweis

Weitere Aufführungen im Theater an der Mürg: Freitag, 19. Mai, 20 Uhr, und Sonntag, 21. Mai, 17 Uhr. Vorverkauf: Bücher von Matt Stans und www.ticketfrog.ch


Leserkommentare

Anzeige: