«Spider Murphy Gang»-Musiker im Gemeindesaal

ENNETBÜRGEN ⋅ Ludwig Seuss und seine Band heizten dem Publikum gehörig ein. Die fünf Musiker trafen den Geschmack der Golden-Age-Generation vom ersten Ton an.
14. November 2017, 07:16

Primus Camenzind

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Ein Shuffle und ein Rock and Roll zum Start reichten am vergangenen Samstagabend, und schon stiegen viele der rund 250 Frauen und Männer mittleren Alters im ausverkauften Gemeindesaal in Ennetbürgen mit rhythmischem Klatschen ins Geschehen ein. Tony Blunschy, der Konzertorganisator der Jazzfreunde Nidwalden, schien in seiner Begrüssung bereits zu wissen, was er von den Besuchern dieser inzwischen traditionellen Veranstaltung erwarten durfte: «Ich möchte, dass Ludwig Seuss nach Beendigung seiner Schweizer Tournee feststellt, dass das Ennetbürger Publikum das beste gewesen sei.» Nun, Seuss legte die Karten nicht gänzlich auf den Tisch. «Ihr seid ein euphorisches Publikum», erklärte der Bandleader zwei Stunden später immerhin.

Der Leader und Sänger mit eigener Band, seines Zeichens auch Tastenmann in der legendären und bekannten Spider-Murphy-Gang (Mega-Hit: «Skandal im Sperrbezirk»), bespielte die Bühne zusammen mit vier weiteren Musikern. Ob Blues, Boogie Woogie, Rock oder Shuffle, ob Tunes von Ray Charles, Fats Domino oder Traditionals aus den US-Südstaaten, die Band wusste durch die authentische Interpretation ihres teilweise bestbekannten Repertoirs von A bis Z zu überzeugen. Glasklare Arrangements und ständig treibende Rhythmen in den temporeichen Stücken erzeugten beim Publikum eine elektrisierende Wirkung, während der eine oder andere langsame Blues zum Zurücklehnen und Geniessen animierte. Aus­serdem verlieh Seuss mit seiner Stimme und dem virtuosen Spiel auf dem Piano vielen Songs eine ureigene Prägung.

Musiker mit reichlich Erfahrung

Die Qualität der Band kommt nicht von ungefähr: Tenorsaxofonist Eddie Taylor spielt regelmässig in der Peter-Maffay-Band; Tom Peschel, Bassist, betreibt in München ein Aufnahmestudio; Christoph Böhm ist mit seinem Gitarren-Groove und den hinreisenden Soli in der Rhythm-&-Blues-Szene eine feste Grösse, während sich der Schlagzeuger Manfred Mildenberger auch als Komponist und Produzent auszeichnet.

Als Besonderheit und in unseren Breitengraden mit Seltenheitswert pflegt Ludwig Seuss dank seines hervorragenden Spiels auf dem Akkordeon auch den Zydeco, eine schnelle und tanzbare Musik aus Louisiana (USA). Die seit Mitte der 1950er-Jahre populäre Volksmusik könnte von Laien leicht mit Westernmusik verwechselt werden.

Den eingeschlagenen Weg weitergehen

So oder so, Zydeco «eroberte» den Gemeindesaal genauso wie das restliche, vielfältige Konzertprogramm der Band. Konzertorganisator Tony Blunschy wird nach eigener Aussage bei der Wahl seiner Bands den eingeschlagenen Weg weitergehen: «90 bis 95 Prozent des Publikums kommt deshalb immer wieder an die Jahreskonzerte der Jazzfreunde Nidwalden.» Was die Musikfreunde erwartet, ist bekannt: gutes Essen und gute Musik, was den Weg in die Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer findet.


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