Völlig verunsicherte Stanserinnen verlieren gegen Yverdon & Crissier

HANDBALL ⋅ Drittes Spiel, dritte Niederlage – der BSV Stans ist gegen Yverdon & Crissier chancenlos. Früh in der Saison zeigt sich: Die Nidwaldnerinnen zählen auch in der SPL2 zu den Abstiegskandidatinnen.
09. Oktober 2017, 04:38

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Eine Halbzeit lang spielen die Stanserinnen ordentlich mit. Sie korrigieren den Fehlstart (0:4) mit einer Steigerung in der Defensive und effizientem Gegenstossspiel. In der 18. Minute liegen sie sogar zum ersten Mal in Führung (7:6) und hätte sich kurz vor der Pause nicht bereits der eine odere andere vermeidbare Fehler eingeschlichen, wäre das Skore vor dem Seitenwechsel noch vielversprechender ausgefallen. Doch auch mit einem 9:12-Rückstand blieben dem Heimteam alle Möglichkeiten offen, um im dritten Spiel der SPL2-Saison die ersten Punkte einzuspielen.

30 Minuten später brauchte man den Konjunktiv allerdings nicht mehr zu bemühen, zu diskussionslos waren die Stärkeverhältnisse. Was war passiert? Nun, die Nidwaldnerinnen hatten, etwas salopp formuliert, schlicht mit dem Handballspielen aufgehört. 18:27 lautete das Verdikt am Ende, eine schallende Ohrfeige war es, die ihnen die Waadtländerinnen verabreicht hatten. «Wir haben extrem viele individuelle Fehler gemacht. Dann reicht es halt einfach nicht», stellte Markus Estermann fest. Der ehemalige NLA-Goalie und Ex-Präsident des BSV Stans, coachte das Team gemeinsam mit Ex-Spielerin und Nachwuchstrainerin Barbara Schiffmann, weil Cheftrainer Vicente «Ike» Cotrina Cabal gleichentags mit seinem anderen Team, den 1.-Liga-Männern des PSG Lyss, in Nyon beschäftigt war.

Tatsächlich war es zeitweise kaum mitanzusehen, wie schwer sich die Stanserinnen nicht nur mit dem Gegner, sondern auch mit sich selber taten. Fehlpässe, Schrittfehler, Fangfehler, Stürmerfouls – die Liste der Unzulänglichkeiten war lang. Bereits nach sechs Minuten in Halbzeit zwei hatten die Gäste ihren Vorsprung verdoppelt (10:16) und liefen nicht mehr Gefahr, in der Eichlihalle noch Zählbares liegen zu lassen. «Wir haben unser aggressives Spiel nicht konsequent durchziehen können», sagte Schiffmann mit Bezug auf die phasenweise gute Arbeit in der Deckung. «Es mangelte uns am letzten Biss.»

Nach der dritten Niederlage im dritten Spiel ist es bereits offensichtlich: die Stanserinnen zählen nach der Relegation aus der SPL1 auch im Unterhaus zu den Abstiegskandidatinnen. Aktuell sind sie vom Niveau überfordert, viele Spielerinnen tragen, bildlich formuliert, einen grossen Rucksack mit sich herum. Die wenigen Routiniers, die nach den vielen Abgängen im Sommer noch im Team geblieben sind (Nadja Fellmann, Flavia Kuster, Jsabel Kretz, Gréta Grandjean) scheint der Misserfolg der letzten Saison noch in den Knochen zu stecken – sie schaffen es nicht, das junge Team zu führen, sind selber viel zu unsicher. Der Rest des Teams ist sehr jung, verfügt nicht über die Erfahrung, um tragende Rollen einzunehmen. «Alle Spielerinnen haben Potenzial. Einige müssen nun halt mehr Verantwortung übernehmen als in der Vergangenheit», weiss Estermann und fügt an: «Für die Juniorinnen ist der Schritt aus der U18-Equipe in die SPL2 riesig.» Schiffmann spricht derweil von «einer tollen Mannschaft, der das Selbstvertrauen fehlt».

Erstes Direktduell im Tabellenkeller am Freitag

Was also ist zu tun? «Trainieren, sich als Mannschaft finden», sagt Estermann, «und im Mentalbereich arbeiten. Wir dürfen uns nun nicht betrauern.» Nächsten Freitag kommt es im Tabellenkeller zu einem ersten Direktduell. Dann gastiert das ebenfalls noch punktlose ATV/KV Basel in Stans – jenes Basel, das letzte Saison mit den Nidwaldnerinnen aus der SPL1 abstieg und nun ebenfalls gegen den freien Fall ankämpft.

 

Stans – Yverdon & Crissier 18:27 (9:12)

Eichli. – 146 Zuschauer. – SR Bucher/Felder. – Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Stans, 2-mal 2 Minuten gegen Yverdon & Crissier. – Stans: Hofstetter/Schoch; Schardt (5/3), Kuster (2), Kretz, Fellmann (5), Grandjean, Jonsdottir (2); Zimmermann (2), Lussi (1), Rossi (1), Ferwerda.


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