Erzählabend «Nusstitsche» widmete sich dem Flugplatz von heute und damals

BUOCHS ⋅ Lärm, Fortschritt und Freiraum: Daran erinnerte man sich beim «Nusstitsche» zum Thema «Flugplatz – friächer und hit».
14. November 2017, 07:27

Feine Klänge vom Örgeli-Max (Max Zumbühl) und bereits ein gut hörbares Knacken von verlockenden Baumnüssen bildeten den Auftakt zum traditionellen «Nusstitsche» in Buochs. Der spezielle Erzählabend lockte am Freitagabend rund 50 Besucher in den Saal des Restaurants Sternen. Das OK mit Arlette Kälin, Josef Bernasconi und Werner Blättler war zufrieden mit dem Aufmarsch. Schon bevor die Abstimmung über den Flugplatz aktuell wurde, habe sich das Trio für das Thema «Flugplatz Buochs – einst und heute» entschieden, erklärte Werner Blättler. Er meinte auch, dass neutrales Verhalten am Nusstitsche selbstverständlich sei. «Wir politisieren heute nicht, wir erzählen von einem Ort von früher bis heute.» Für ihn als Wolfenschiesser sei der Flugplatz in der Jugendzeit weit weg gewesen, verriet Blättler. «Wenn aber einmal ein Flugzeug über dem Dorf gesichtet wurde, war das eine Sensation.»

In seiner träfen Erzählkunst erinnerte sich Blättler an Aussagen von Dorfbewohnern zu ihrem Arbeitsplatz: «Sie schaffid am Birge, ufem Flugplatz, bi de DMP (Direktion Militärflugplätze).» Diese drei Buchstaben waren, wie weitere Erzählungen zeigten, viele Jahre wichtig und in den Dörfern rund um den Flugplatz ein Begriff. Über die Entstehung des Flugplatzes wusste Sepp Bucher, langjähriger Korporationspräsident und derzeitiger Geschäftsführer, Interessantes zu erzählen. Nach einem grossen Unwetter vor über 300 Jahren sei die Allmend überflutet und in der Folge durch eine Drainage fruchtbar gemacht worden. Ab 1928 sei die Idee entstanden, auf dem grossen Talboden einen Flugplatz zu bauen. Den Standort, versteckt zwischen den Bergen, habe man als ideal erachtet. Grosse Kämpfe habe es um die Landabtretung der Korporationen von Buochs und Ennetbürgen gegeben, wobei der legendäre Bundesrat Minger eine wichtige Rolle gespielt habe. Ab 1940 konnte der Flugplatz intensiv betrieben werden.

Für Bebbo Odermatt, der seine Berufslehre und spätere Laufbahn bei der DMP erlebte, ist und bleibt der Flugplatz ein Glück. «Er hat die Wirtschaft gefördert, Führungskräfte in die Gemeinden gebracht und überhaupt Fortschritte für Land und Volk bewirkt.»

Bei Mirage-Überflügen stoppte die Schulmesse

Anni Weber erinnerte sich an den grossen Landwirtschaftsbetrieb Sonnenhof, der mitten im Fluggelände bis zu seinem Abbruch 1965 für viele Fotosujets sorgte. Weiter seien mit dem stationierten Militär Freundschaften und auch Ehen entstanden. Ursi Bucher bleibt der feierliche Empfang der Mirage-Flugzeuge 1964 in Erinnerung. Mit der Trachtengruppe Buochs habe sie als Ehrendame für die Neuankömmlinge Spalier stehen dürfen. Die Mirage-Flotte habe auch den Lärm ins Land gebracht, erinnerte sich Josef Bernasconi. Beim Überflug über die Schulhäuser hätten die Fenster geschlossen werden müssen. Der Pfarrer habe die Schulmesse jeweils während Mirage-Überflügen gestoppt. Weitere Teilnehmer hielten fest, dass Pisten und Rollwege Möglichkeiten zum Sporttreiben böten, dass etliche erste Autofahrversuche auf dem Flugplatz passiert seien und dass der Flugplatz einen herrlichen Freiraum im dicht besiedelten Nidwalden darstelle.

 

Rosmarie Berlinger

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch


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