Benno Bühlmann: «Wir müssen Fähigkeiten stärken»

STANS/OBERDORF ⋅ Der Chef des Bundesamts für Bevölkerungsschutz ortet Lücken. Er warnte vor den Nidwaldner Verantwortlichen beispielsweise vor drohenden neuen chemischen Gefahren.
02. Dezember 2017, 09:03

Der kantonale Risikokataster (Riska) besteht aus 32 verschiedenen Szenarien. Als einer der letzten Notfallpläne konnte der kantonale Führungsstab die komplexe Thematik Erdbeben abschliessen. Doch wie Martin Dudle, Stabschef kantonaler Führungsstab, am Jahresrapport der Notorganisation Nidwalden berichtete, geht die Arbeit weiter: «Im nächsten Jahr werden wir uns der Notfallplanung ‹Freisetzung von chemischen Stoffen› annehmen.» Zudem soll demnächst auch der grösste Notfallplan Engelbergeraa einem Mutationsprozess unterzogen werden. Für Dudle ist wichtig, dass Notfallplanungen auch real überprüft werden können.

«Bei der Engelbergeraa haben wir bei Hochwasser schon mehrmals Gelegenheit gehabt, das im Ernstfall auch zu machen», hielt Martin Dudle fest. Geübt wurde im zu Ende gehenden Jahr auch die Notfallplanung Pandemie, bei der ein Impfzentrum für die gesamte Bevölkerung eingerichtet wurde. Ein weiteres Thema, dem sich der kantonale Führungsstab stellen muss, ist die Klimaerwärmung. Justiz- und Sicherheitsdirektorin Karin Kayser verwies in ihrer Grussbotschaft auf die Fernsehsendung «Klimawandel in der Schweiz», die in dieser Woche ausgestrahlt wurde. «Drei Grad plus ist ein Thema, welches nicht an uns vorbei- gehen wird», so die Regierungsrätin.

Auch wenn der Kanton Nidwalden in der Notfallvorsorge gut aufgestellt sei, gebe es (national) Lücken. Benno Bühlmann, Direktor vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs), berichtete in seinem Gastreferat über ­zukünftige Herausforderungen. «Wer hat gedacht, dass Chemiewaffen wieder zum Einsatz kommen und dass der Krieg wieder nähergerückt ist?» Es gebe Informationen, dass Terroristen versuchen, eine sogenannte «Dirty Bomb» zu basteln, sagte der Babs-Direktor. Das würde bedeuten, dass Sprengstoff mit radio­aktivem Material vermischt wird. Die kantonalen AC-Labors, die sich mit atomaren und chemischen Bedrohungen befassten, gibt’s längt nicht mehr. Für Bühlmann ist klar: «Wir müssen im AC-Bereich unsere Fähigkeiten stärken.»

Ungenügendes System im Fall von Katastrophen

Als eine der grössten Herausforderungen sieht Bühlmann das Gesundheitssystem. Von den schweizweit 350 unterirdischen Sanitätshilfestellen und Spitälern können nur die wenigsten betrieben werden. «Wir haben keine Sanitätsdienste mehr. Höchstens noch Restbestände in den kantonalen Zivilschutzorganisationen.» Als mögliches Szenario nannte er ein Erdbeben in der Nordostschweiz mit 50000 Verletzten. «Wir sind schlicht und einfach nicht mehr in der Lage, mit 50000 Verletzten umzugehen», lautete sein Fazit.

Durchdiener beim Zivilschutz?

Nächste Woche gehe die Revision des Zivilschutzgesetzes in die Vernehmlassung. Ein grosser Eckpfeiler sei die Wiedereinführung des Sanitätsdienstes. Verbesserungen seien auch bei der Alarmierung und der Kommunikation vorgesehen. Laut Bühlmann soll auch das Durchdienermodell beim Zivilschutz ermöglicht werden.

Zum Schluss des Rapports verabschiedete Martin Dudle die Stabsmitglieder Urs Achermann und Kurt Huber. Dieses Jahr gab es keine Noteinsätze. Nur der Sonderstab Naturgefahren musste sich mit 33 Wetterwarnungen über Gefahrenstufe 3 befassen.

 

Richard Greuter

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch


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