Zu gefährlich – Tourismustafel irritiert Autofahrer

NIDWALDEN ⋅ Die neue touristische Stanserhorn-Hinweistafel steht direkt bei der Ausfahrt Stansstad. Kritiker finden Standort und Gestaltung falsch und befürchten Unfälle. Nun gehen Bund und Kanton über die Bücher.
06. August 2017, 05:00

Oberste Priorität hat die Verkehrssicherheit. Dies verlangt das Bundesamt für Strassen (Astra) ausdrücklich in seinen Weisungen über die touristische Signalisation an Autobahnen und Autostrassen. «Signalisations­tafeln, welche die Verkehrs­sicherheit beeinträchtigen können, sind nicht zulässig», heisst es. Im Fall der neuen Hinweis­tafel fürs Stanserhorn darf man ein Fragezeichen setzen: Sie steht mitten in der Autobahnausfahrt Stansstad und weist mit einem Pfeil nach rechts aufs beliebte Ausflugsziel. Sichtbar ist sie erst auf Höhe der ausgezogenen Sicherheits­linie.

Ortsunkundige Autofahrer könnten dadurch zu einer gefährlichen und illegalen Kurzschlussreaktion verleitet werden, wird befürchtet. Gar keine Freude an der Tafel hat darum der Stans­stader Gemeindepräsident Beat Plüss. «Ich bin überzeugt, dass gewisse Autofahrer, wenn sie diese Tafel nach der leichten Rechtskurve plötzlich sehen, trotz Sicherheitslinie und Sperrfläche versuchen, noch schnell die Autobahnausfahrt zu nehmen.» Für Plüss ist der Standort grundsätzlich falsch: «Es ist nicht in unserem Interesse, dass Stanserhorn-Besucher durch Stansstad fahren. Auf der Tafel müsste mindestens ein Hinweis stehen, dass es noch 2000 Meter bis zur richtigen Ausfahrt Stans Nord sind, oder der Pfeil müsste weg.» Beat Plüss will die Sache nun im Gemeinderat besprechen. Dieser war in das Bewilligungsverfahren nicht einbezogen, weil die Tafel auf Boden des Astra steht.

Situation komplex und überladen

Unterstützung gibt es für Plüss vom Verkehrspsychologen. «Die Situation ist missverständlich. Man könnte die Tafel, insbesondere den Pfeil, so interpretieren, als ob man die aktuelle Ausfahrt nehmen muss, um zum Stanserhorn zu kommen», sagt Uwe Ewert, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), aufgrund von vorgelegten Bildern. «Das könnte zu riskanten Fahrmanövern bei Ortsunkundigen führen. Auch scheint mir die Situation mit dem relativ engen Kurvenradius der Ausfahrt etwas komplex, weshalb ein Überladen mit einer touristischen Signalisationstafel wenig sinnvoll ist.»

Bewilligt wurde die Tafel vom Astra auf Antrag des Kantons. «Laut den Weisungen über die touristische Signalisation war der jetzige Standort die einzige Möglichkeit», sagt Esther Widmer, Sprecherin des Astra. Tatsächlich heisst es in dessen Vorschriften, dass solche Tafeln mindestens 1500 bis 2000 Meter vor der nächsten Ausfahrt stehen müssen. Auch braucht es mindestens 200 Meter Abstand vor oder nach Tunnels oder Galerien, was hier beides nicht der Fall ist. Zudem ist die Tafel «zwingend mit einem im Winkel von 30 Grad schräg nach oben gerichteten Ausfahrtspfeil zu versehen». Gewählt wurde der Standort vom Astra nicht zuletzt deshalb, weil dort noch Fundamente für Schilder vorhanden waren, die von der Autobahnsanierung stammten.

Die Kritik hat eine Woche nach der Montage bereits Wirkung gezeigt: Philipp Zumbühl, Projektleiter beim Kanton, meint zwar, den grundsätzlichen Standort in Frage zu stellen, sei ein «konstruiertes, theoretisches» Problem. «Meines Erachtens erkennt man die Tafel und den kleinen Pfeil unten rechts erst nach der Ausfahrt, wenn man sich bereits auf der Geraden Richtung Stans befindet.» Doch er könne nachvollziehen, dass der Pfeil zu Irritationen führen könnte. «Ich habe nun beim Astra den Antrag gestellt, dass der Pfeil anstatt nach rechts zur Ausfahrt nach oben ausgerichtet wird – und damit auf die Ausfahrt Stans Nord hinweist.» Esther Widmer bestätigt den Eingang des Vorschlags. «Wir nehmen das sehr ernst und stehen bereits mit Nidwalden in Kontakt.» Es werde nun geprüft, welches die beste Lösung sei.

 

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ nidwaldnerzeitung.ch


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