Neue Luzerner Zeitung Online

Touristen wollten Wasserfall besichtigen

NIDWALDEN ⋅ Erste Befragungen der Überlebenden nach dem tödlichen Bahnunfall zeigen: Die Touristen wollten den Wasserfall besichtigen. Und die Gewerkschaft des Verkehrspersonals spart nicht mit Kritik am Kanton und am Landrat.

Der Bahnübergang Allmend in Wolfenschiessen. Zoom

Der Bahnübergang Allmend in Wolfenschiessen. (Roger Grütter / Neue LZ)

Die israelischen Touristen, die am Montag in Wolfenschiessen verunglückt sind, haben wegen des Wasserfalls Fallenbach den ungenügend gesicherten Bahnübergang Allmend benutzt. Die ersten Befragungen der Überlebenden haben die ersten Vermutungen der Behörden bestätigt. Der Nidwaldner Staatsanwalt Erich Kuhn sagte am Dienstag auf Anfrage, dass zwei der verletzten Personen hätten befragt werden können.

Alle fünf Verletzten befinden sich im Spital, sind aber ansprechbar. Eine Person befindet sich gemäss der Kantonspolizei Nidwalden in kritischem Zustand.

Um zum Wasserfall zu gelangen, musste der Bus das Bahntrassee überqueren. Er war, wie der Zug, Richtung Engelberg unterwegs, und bog dann nach rechts über die Gleise ab. Der Bahnübergang Allmend ist nur mit einem Andreaskreuz gesichert.

Im Zug wurde niemand verletzt. Die Staatsanwaltschaft wird auch noch den Lokführer und andere Auskunftspersonen, die sich gemeldet haben, befragen. Ziel ist es, ein stimmiges Bild vom Unglückshergang zu erhalten. Die bahnseitigen Untersuchungen werden von der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (SUST) geführt.

Laut Auskunft der israelischen Botschaft in Bern konnten die Angehörigen der unfallbeteiligten Personen inzwischen kontaktiert und informiert werden.

Gewerkschaft kritisiert Politik

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals fordert in einer Mitteilung, dass die Politik ihre Verantwortung gegenüber der Bevölkerung und dem Personal endlich wahrnehme und unbewachte Bahnübergänge saniere.

«Alle sprechen davon, dass Sicherheit oberste Priorität habe, offenbar aber möglichst nichts kosten darf, diese Rechnung geht nicht auf», sagt der für die Zentralbahn verantwortliche Gewerkschaftssekretär Roman Gugger.

Das Bundesamt für Verkehr will, dass alle unbewachten Bahnübergänge bis Ende 2014 gesichert oder geschlossen werden. Nach Angaben der Zentralbahn wäre das Bahnunternehmen mit seiner Planung bereit. Nur fehlt der politische Wille im Kanton Nidwalden zur Umsetzung, respektive zur Finanzierung der Sanierungsvorhaben. Der Landrat hat den Zusatzkredit in der Höhe von 4,3 Millionen Franken für die Sanierungsarbeiten im Mai dieses Jahres zurückgewiesen, weil er es als zu teuer empfand. Die Gewerkschaft hat kein Verständnis für diesen Entscheid des Landrats und fordert grünes Licht für die dringend nötigen Sanierungsarbeiten.

Alternatives Sanierungsprojekt

Auf der Strecke Dallenwil-Grafenort gibt es 32 Übergänge, 25 davon entfallen auf zwei grosse Sanierungsprojekte in Wolfenschiessen: 22 sollen aufgehoben und drei ausgebaut werden.

Baudirektor Hans Wicki sagte auf Anfrage, es werde ein alternatives Sanierungsprojekt ausgearbeitet, das aber kaum wesentliche Änderungen haben werde. Die Sicherung des Bahnüberganges Allmend dürfte auch im neuen Konzept enthalten sein. Er sollte mit Barrieren gesichert werden.

Sanierung erst bis Mai 2015?

Zentralbahn-Geschäftsführer Renato Fasciati war zuversichtlich, dass der Übergang Allmend Ende Jahr saniert sein wird. Dem widerspricht Nidwaldens Baudirektor Hans Wicki. «Die Umsetzung ist sicher nicht bis Ende 2014 möglich.» Das vom Landrat zurückgestellte Sanierungspaket samt diesem Vorhaben komme frühstens im Oktober wieder ins Parlament. Dann folge eine Referendumsfrist. Anschliessend verhindere die Skisaison eine zügige und kostengünstige Sanierung. Also dürfte es Mai 2015 werden. Der Bund hat den Kantonen für bis Ende dieses Jahres eingereichte Projekte einen Aufschub gewährt. Diese müssen nun spätestens bis Ende 2015 ausgeführt sein.

Stress für Lokführer

Die Gewerkschaft betont, dass Lokführer auf Strecken mit unbewachten Bahnübergängen einem immensen Stress ausgesetzt sind. Es muss jederzeit damit gerechnet werden, dass Personen oder Fahrzeuge auf unbewachten Bahnübergängen ihren Fahrweg kreuzen. Gerade bei schlechter Sicht fällt dies oft schwer. «Stellen Lokomotivführer fest, dass ihnen etwas im Weg steht, lösen sie sofort die Schnellbremsung aus und müssen dann absolut ohnmächtig zuschauen, was passiert», schreibt die Gewerkschaft weiter.

  • Am Montagmorgen kollidierte ein Lieferwagen mit einem Zug der Zentralbahn.
  • Der Unfall ereignete sich um 8.40 Uhr beim Bahnübergang Allmend in Wolfenschiessen.
  • Dabei wurden 3 Personen tödlich und 5 Personen schwer verletzt.

In Wolfenschiessen ist es am 11. August zu einem tödlichen Unfall gekommen. 3 Personen wurden getötet, 5 mittelschwer verletzt.

Drei israelische Touristen sind am Montag in Wolfenschiessen bei einer Kollision eines Kleinbusses und eines Zuges ums Leben gekommen. Die fünf weiteren Insassen des im Ausland immatrikulierten Vans - ebenfalls israelische Staatsangehörige - wurden schwer verletzt. (Tele 1, 12.08.2014)

rem/mvr/sda

Login


 
Leserkommentare (2)
  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 13.08.2014 03:55

    Die erste Autobahn in der Schweiz hatte in Kriens eine Querstrasse, eine Kreuzung mit einer Hauptstrasse. Das war ca. 1957 so. Als der Krienser Grossrat Alexander Wili einen Vorstoss machte, dass die "Kreuzung" aufgehoben werden sollte, wurde dies abgewiesen. Nachdem in der Folge bei einem Unfall 8 Personen ums Leben kamen, kam „Bewegung“ in die Sache, und eine Bruecke wurde gebaut. (nahe der damaligen SWWL, dem Sauerstoff- und Wasserstoffwerk Luzern).

    Oft muessen Menschenleben fuer Fehler in der Politik herhalten, bis "Bewegung" in die Sache kommt.

    Eine traurige Tatsache, fehlender Weitsicht und "Sparens" am falschen Ort.

    Dass der Gotthard-Strassentunnel Gegenverkehr aufweist, ist auch so ein Thema, ueber das viel geschrieben werden koennte.

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 12.08.2014 13:34

    Selbstverständlich soll man weiterhin beim Ueberqueren der Geleise angemessene Vorsicht walten lassen. Nichts desto trotz passierten bei genau diesem Uebergang schon unzählige Unfälle, ohne dass eine zusätzliche Sicherheits-Massnahme ins Leben gerufen wurde. Diese Unfälle passierten auch Einheimischen, die den Sinn des Andreas-Kreuzes verstanden haben. Glücklicherweise endeten nicht alle mit so vielen Toten wie diesmal. Vielleicht würde das Anbringen einer Latte schon Unfälle verhindern können? Diese könnte zum Beispiel von einem Asylanten, Arbeitslosen oder Rentner vorgelegt oder zurückgezogen werden.

Diskutieren Sie mit
Die Redaktion sichtet die Leserkommentare und schaltet sie zwischen 7 und 19 Uhr frei. Sie behält sich vor, Beiträge, die die Spielregeln zur Kommentarfunktion verletzen, nicht zu publizieren oder zu kürzen. Am meisten Chancen haben Kommentare, die direkt auf einen Artikel eingehen. Beiträge mit ehrverletzenden, rassistischen oder unsachlichen Äusserungen publizieren wir nicht. Der Korrespondenzweg ist ausgeschlossen. Leserkommentare können vollständig oder auszugsweise in der Neuen Luzerner Zeitung und ihrer Regionalausgaben publiziert werden.


Die Kommentarfunktion steht für diesen Artikel nicht mehr zur Verfügung. Entweder ist der Diskussionszeitraum abgelaufen oder die Diskussion zu diesem Thema wird in einem separaten Forum weitergeführt. Siehe www.luzernerzeitung.ch/forum

Anzeige:

Anzeige:

Webcam

Emmetten - Waldibahn Emmetten - Waldibahn

Anzeige:

Newsletter zur Region? Hier bestellen

Newsletter

zugerpresse.ch Jeden Mittwoch Neu

Zugerpresse