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Nidwalden stimmt über Abschaffung des Frühfranzösisch ab

STANS ⋅ Die Nidwaldner Stimmberechtigten entscheiden am 8. März, ob die Primarschüler neben Englisch weiterhin Französisch lernen sollen oder nicht. Beim Entscheid stehen nicht nur bildungspolitische Fragen, sondern auch staatspolitische Überlegungen eine Rolle.

Bei der Abstimmung geht es um eine Volksinitiative der SVP, die verlangt, dass in der sechs Jahre dauernden Primarschule nur noch eine Fremdsprache unterrichtet wird. Welche dies sein soll, lässt das Volksbegehren offen. Wegen den im Initiativtext genannten Terminen kommt nach Angaben des Regierungsrates indes nur ein Verzicht auf Französisch in Frage.

Nidwalden setzt seit 2007 im Fremdsprachenunterricht das Modell 3/5 um. Wie in der Mehrzahl der Zentral- und Ostschweizer Kantone, wird ab der 3. Klasse Englisch als erste Fremdsprache und ab der 5. Klasse Französisch als zweite Fremd- und Landessprache gelernt.

Die SVP kritisiert, dass mit diesem Modell die deutsche Sprache und die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer in der Primarschule zu kurz kämen. Fremdsprachige Kinder würden gegenüber deutschsprachigen benachteiligt. Zudem hätten sich die hohen Erwartungen an den frühen Fremdsprachenunterricht nicht erfüllt.

Der Nidwaldner Regierungsrat folgte diesen Argumenten im letzten August und stimmte der Initiative zu, dies nur wenige Tage, nachdem der Grosse Rat von Thurgau sich für die Abschaffung des Frühfranzösisch ausgesprochen hatte. Gleichzeitig versuchte er klar zu machen, dass er das Fach Französisch nicht schwächen, sondern nur die Französischstunden auf die Oberstufe verschieben wolle.

Entscheid mit Sprengkraft

Trotz dieser Beschwichtigungen löste der Entscheid der Nidwaldner Regierung in der Romandie Befremden und eine Debatte über den nationalen Zusammenhalt aus. Der Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz sprach ein Machtwort und erklärte, dass das Fremdsprachenmodell 3/5 durchgesetzt werde. Im Oktober sprach sich dann der Nidwaldner Landrat mit 37 zu 17 Stimmen gegen die Initiative aus.

Die Gegner der Initiative führen neben pädagogischen staatspolitische Argumente an. Nidwalden dürfe sich bildungspolitisch nicht isolieren, sondern müsse den Fremdsprachenunterricht mit den anderen Kantonen angehen. Die Initiative komme somit zum falschen Zeitpunkt.

Der Föderalismus lebt

Bei einem Ja wäre Nidwalden nicht der einzige Stand, in dem das Sprachenmodell 3/5 nicht angewendet wird. In Uri ist die zweite Landessprache (Italienisch) ab der 5. Klasse nur ein Wahlpflichtfach. Appenzell Innerrhoden unterrichtet Französisch erst ab der 7. Klasse und will dies trotz Lehrplan 21 beibehalten. Noch nicht umgesetzt ist das Standardmodell 3/5 zudem im Aargau, Thurgau will sich wieder aus diesem verabschieden.

Englisch ab der 3. Klasse und Französisch ab der 5. Klasse kennen wie bislang Nidwalden, Luzern, Schwyz, Obwalden, Zug, St. Gallen, Appenzell-Ausserrhoden, Schaffhausen und Glarus. In Zürich wird bereits ab der 2. Klasse Englisch unterrichtet.

In den beiden Basel und Solothurn sowie in den deutschsprachigen Teilen von Bern, Freiburg und Wallis beginnt der Französischunterricht in der 3. und der Englischunterricht in der 5. Klasse. In der Romandie wird zuerst Deutsch und dann Englisch unterrichtet. Im Tessin werden drei Fremdsprachen gelernt, eine eigene Lösung hat Graubünden mit seinen drei kantonalen Sprachen.

Von Beginn weg Opposition

Die schweizweite Harmonisierung des Fremdsprachenunterrichtes stiess in der deutschsprachigen Schweiz von Beginn weg auch auf Widerstand. 2006 wurde in Schaffhausen, Thurgau, Zug und Zürich über Initiativen abgestimmt, die die Beschränkung auf eine Fremdsprache verlangten; sie wurden abgelehnt. In Luzern wurde eine gleichlautende Initiative 2007 zurückgezogen.

In Luzern ist erneut eine Fremdspracheninitiative hängig. Gleiches gilt für Graubünden. Dazu kommen Vorstösse in diversen Kantonen gegen den Deutschschweizer Lehrplan 21, mit denen teilweise auch das Fremdsprachenmodell 3/5 bekämpft wird.

sda

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Leserkommentare (3)
  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 02.02.2015 17:27

    Also ich schtimmä NEI!!! Es darf nicht sein, dass unsere Landessprache zu Gunsten des Englisch vom Stundenplan gestrichen wird. Schaffen wir lieber den Sexunterricht ab, dann hat es in den Kinderhirni genug Platz für Franzvokabeln.

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 02.02.2015 19:55
    als Antwort auf das Posting von Marlene Zelger, Stans am 02.02.2015 17:27

    Au, super! Wenn Sexunterricht an der Schule ein Fach ist, will ich sofort wieder eingeschult werden!

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 02.02.2015 16:20

    Man wird sehr rasch erkennen, ob politisiert oder polemisiert wird. Die Hälfte der Stimmberechtigten wird nämlich nicht mal verstehen worum es geht: Es ist nicht die Frage, ob Französisch an der Schule abgeschafft wird, oder nicht - so wird es aber wohl von verschiedenen Kreisen verkauft werden - sondern, darum, ob die ganz Kleinen in der Primarschule sich schon mit zwei Fremdsprachen geplagt werden sollen.
    Eine reicht völlig, m.M.n! Und dann besser jene, welche schwieriger ist und man deshalb früher beginnen muss, sollte der Unterricht etwas Gescheites fruchten, also Franz. Garantiert nicht jene, mit welcher alle sowieso früher oder später intensiv in Kontakt kommen und somit quasi en passant lernen, also Englisch.

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