Frühfranzösisch wird in Nidwalden weitergeführt

ABSTIMMUNG ⋅ An den Nidwaldner Primarschulen wird nach Englisch ab der dritten Klasse weiterhin Französisch ab der fünften Klasse unterrichtet. Der Souverän hat klar entschieden, dass Nidwalden im Sprachenunterricht keinen Sonderweg gehen soll.

Die Nidwaldner lehnten bei einer Stimmbeteiligung von 50,2 Prozent mit 9165 zu 5684 Stimmen eine Initiative der SVP ab. Diese hatte verlangt, dass an der Primarschule nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden solle. Bei einer Annahme wäre der Französischunterricht ganz auf die Oberstufe verschoben worden.

Mit dem Nein votierten die Nidwaldner gegen die Empfehlung des Regierungsrates, der sich für die SVP-Initiative ausgesprochen hatte. Das Parlament dagegen lehnte das Volksbegehren ab.

Nidwalden hält somit das in der Mehrheit der Kantone umgesetzte Sprachenmodell 3/5 bei. Dieses sieht in der Primarschule den Unterricht zweier Fremdsprachen vor, darunter einer Landessprache.

Die Gegner der Initiative hatten neben pädagogischen vor allem auch staatspolitische Argumente angeführt. Nidwalden dürfe in der Frage des Fremdsprachenunterrichts keinen Sonderweg gehen und müsse sich mit den anderen Kantonen absprechen.

Sprachpolitischer Konflikt

Das Modell 3/5 und damit der Französischunterricht sind aber nicht nur in Nidwalden in Frage gestellt worden. Auch in anderen Kantonen waren bereits Volksinitiativen abgelehnt worden, in Luzern und Graubünden sind Fremdspracheninitiativen hängig. Dazu kommen Vorstösse in diversen Kantonen gegen den Deutschschweizer Lehrplan 21, mit denen teils auch das Fremdsprachenmodell 3/5 bekämpft wird.

Mehrere Kantone haben das zur Diskussion gestellte Modell 3/5 nicht oder noch nicht umgesetzt. In Uri ist die zweite Landessprache (Italienisch) ab der 5. Klasse nur ein Wahlpflichtfach. Appenzell Innerrhoden unterrichtet Französisch erst ab der 7. Klasse. Im Thurgau hatte 2014 das Parlament entschieden, das Frühfranzösisch aufzugeben. Noch nicht umgesetzt ist das Standardmodell im Aargau.

Die Mühen gewisser Deutschschweizer Kantone mit dem Französischunterricht hat in der Romandie Irritationen ausgelöst. Die Kantone haben zudem den verfassungsmässigen Auftrag, den Unterricht zu harmonisieren.

Kommt der Bund zum Schluss, dass dieses Ziel nicht erreicht wird, kann er die Kantone verpflichten, dass sie in der Primarschule eine zweite Landessprache unterrichten. Der Bundesrat will die Bilanz dazu Mitte Juni ziehen.

Reaktionen zur Abstimmung

Der Bildungsdirektor Nidwaldens, Res Schmid, hat enttäuscht auf den Volksentscheid in seinem Kanton reagiert. Es gebe damit für die Schüler keine Optimierung des Unterrichts, sagte er auf Anfrage.

Der Nidwaldner Regierungsrat hatte sich, im Gegensatz zum Parlament, für die SVP-Initiative zur Abschaffung des Frühfranzösischunterrichts ausgesprochen. Grund dafür waren der Deutschunterricht sowie die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer, die gemäss Regierungsrat heute zu kurz kämen.

Diese Fächer würden aber auch nach dem Nein zur Fremdspracheninitiative gestärkt, sagte Schmid. Es werde somit für die Schüler intensiver.

Die Diskussion über den Fremdsprachenunterricht ist für Schmid, was den Kanton Nidwalden betrifft, erledigt. Sonst würden die Diskussionen aber weitergehen, sagte er. Abstimmungen in weiteren Kantonen würden folgen.

Den Grund für die Ablehnung der SVP-Initiative sieht Schmid darin, dass alle anderen Parteien sowie der Landrat dagegen gewesen seien. Die Diskussion sei von politischen statt sachlichen Argumenten beherrscht worden.

Der Präsident der Bildungsdirektorenkonferenz Zentralschweiz (BKZ) hat mit Genugtuung auf das Festhalten Nidwaldens am Frühfranzösisch reagiert. Mit dem Entscheid werde die Diskussion über den Fremdsprachenunterricht versachlicht, sagte Reto Wyss auf Anfrage.

Die Zentralschweizer Kantone wollten in dieser Frage gemeinsam vorgehen und liessen dazu von der Universität Freiburg eine Studie erarbeiten, sagte Reto Wyss. Es gelte nun, diese Ergebnisse abzuwarten und nicht vorzupreschen. Die Stimmbürger von Nidwalden hätten sich nun für diesen Weg entschieden.

Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat den Entscheid Nidwaldens, das Frühfranzösisch nicht abzuschaffen, zur Kenntnis genommen. Die Kantone könnten damit den Weg zur Harmonisierung des Bildungswesens weitergehen, sagte Anne Weibel, Sprecherin des BAK, auf Anfrage.

Kommt die von der Bundesverfassung vorgesehene Harmonisierung nicht zustande, könnte der Bund Massnahmen ergreifen. Weibel sagte, der Bundesrat werde über sein Vorgehen erst entscheiden, nachdem die Kantone im Juni ihre eigene Bilanz zum Fremdsprachenunterricht gezogen hätten

rem/sda


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