100 Prozent «made» in Schwendi

OBWALDEN ⋅ Die Korporation Schwendi realisiert auf einer Alp in Giswil einen neuen Stall. Das verwendete Holz stammt ausschliesslich aus dem eigenen Wald. Dafür war aber ein unkonventioneller Weg nötig.
14. September 2017, 05:00

Oliver Mattmann

oliver.mattmann@obwaldnerzeitung.ch

Auf der Giswiler Alp Stafelschwand, die im Eigentum der Korporation Schwendi ist, entsteht derzeit ein neuer Alpstall für über 40 Kühe. Auf den ersten Blick ein Gebäude wie jedes andere. Und doch hat der Neubau, der in etwas mehr als einem Monat fertig erstellt sein soll und ebenso eine neue Hütte umfasst, etwas Spezielles an sich: Das verwendete Holz – es sind rund 200 Kubik – stammt zu 100 Prozent aus dem Schwander Wald. Seien es Dachlatten, die Küche oder die Fenster und Türen.

«Wir sind ein relativ grosser Waldbesitzer und haben uns gesagt, ‹es kann doch nicht sein, dass wir über so viel Wald verfügen, aber das Holz aus dem Ausland bestellen›», hält Korporationsvizepräsident Thomas Fanger auf Anfrage fest. Das Verlockende ist gegenwärtig, dass aus dem Ausland günstig Holz in konkurrenzfähiger Qualität bezogen werden kann. Entsprechend leidet der Schweizer Holzmarkt. Fanger bestätigt, dass das Bauen mit eigenem Holz teurer kommt, relativiert aber: «Auf den Gesamtbetrag des Alpstall-Projekts macht dies vielleicht Mehrkosten von 2 Prozent aus.» Aus seiner Warte soll es deshalb nicht bei diesem einen Mal bleiben. «Ich kann mir gut vorstellen, dass wir auch künftig das waldeigene Holz als Option heranziehen.»

Der höhere Preis ist aber nicht die einzige Herausforderung, wie Hampi Lussi von der Planteams AG, die den rund 23 Meter langen und 14 Meter breiten Alpstall geplant hat, festhält. Auch logistisch ist ein Zusatzeffort erforderlich, wenn man vollumfänglich auf Holz aus dem eigenen Wald setzen will. Im Fall des Alpstalls etwa musste das Holz bereits im Januar gefällt werden, der Holzbauplaner entsprechend eine provisorische Liste des benötigten Rohstoffs erstellen, damit es für die Weiterverarbeitung rechtzeitig trocken ist. Indes: Der Kredit für den Neubau wurde erst im Februar von den Korporationsbürgern genehmigt. «Wir mussten auf der Zeitschiene sozusagen verkehrt vorgehen. Der einfachere Weg wäre gewesen, nach der Abstimmung die Offerten einzuholen. Dann hätte der Zimmermann nicht mehr zu 100 Prozent eigenes Holz berücksichtigen können und es beim Händler bestellt.»

Ein Projekt mit «Vorzeigecharakter»

So sei nun zum Beispiel auch der Förster von Beginn weg ins Projekt involviert gewesen. «Er hat die Bäume aus der normalen Waldpflege herausgenommen, aber natürlich auch aus Berufsstolz darauf geachtet, dass es qualitativ gutes Holz ist», erzählt der Planer weiter. Und die Sägerei habe quasi alles andere Holz «weggeräumt» und jenes der Korporation Schwendi auf einmal zurechtgesägt, um zu vermeiden, dass es zu einer Vermischung kommt. Für Hampi Lussi hat das Projekt mit der ganzen Wertschöpfungskette in der Region Vorzeigecharakter. «Es ist wie beim Bauern, der Kühe melkt und seine eigene Milch trinkt, anstatt sie im Laden zu kaufen.»

Mit dem Bau des Alpstalls ist Anfang Juli begonnen worden. Trotzdem wird Vieh auf der 1350 Meter über Meer liegenden Stafelschwand gesömmert. «Wir haben zuerst die Hütte abgebrochen und den alten Stall noch verwendet. Während sich das Älplerpaar in einem Unterstand mit Wohnwagen einrichtete, startete parallel der Neubau», so Thomas Fanger zum Vorgehen. Der alte Stall ist baufällig gewesen und hat nicht mehr den Tierschutzvorschriften entsprochen. Der Neubau wird von der Coop-Patenschaft für Berggebiete mit 300000 Franken unterstützt .


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