Auf der Titlis-Schanze beginnt eine neue Ära

ENGELBERG ⋅ Der Umbau der Skisprungschanze schreitet voran. Mit der Anlaufspur wird modernste Technik eingebaut. Schanzenchef Bini Amstutz spricht von einem Quantensprung. Doch nicht nur das Schanzenteam profitiert.

25. September 2016, 05:00

Maschinen dröhnen, fremdländische Sprachfetzen sind zu vernehmen. Wir sind auf einer besonderen Baustelle. Hier oben in der Waldlichtung, oberhalb des Sporting-Parks, entsteht seit Ende März eine komplett neue Sprungschanze. Die acht Mitarbeiter der auf den Schanzenbau spezialisierten Firma aus Slowenien sind in diesen Tagen mit dem eigent­lichen Herzstück der Anlage beschäftigt: der Anlaufspur. Wenn das Engelberger Weltcup-Skispringen im Dezember näherrückt, kühlt ein Aggregat unter dem Schanzentisch die Anlaufspur beziehungsweise den darauf präparierten Schnee.

«Die Zusammenarbeit klappt super, wir liegen absolut im Zeitplan», ist Schanzenchef Bini Amstutz guter Dinge. In den Monaten zuvor wurde die alte hölzerne Schanze entfernt und durch eine solide Konstruktion aus Beton und Metall ersetzt. Die Materialseilbahn, die an diesem Vormittag hoch über den Köpfen der Baustelle schwebt, kann nächstens abgebaut werden.

Skispringer starten auch nachts

Bini Amstutz, seit vier Jahren Schanzenchef, kann die Inbetriebnahme der neuen Anlage kaum erwarten. «Das ist wie ein Geschenk, das wir jetzt langsam auspacken.» Nur zu gerne hat er von der Vorgängerin Abschied genommen. «Wir mussten auf der altertümlichen Schanze aus Holz ständig improvisieren, brauchten mit zwölf Leuten drei Wochen, um die Anlaufspur zu präparieren.» In mühevoller Handarbeit musste auf eine Schneedecke eine Kühlmatte eingebaut werden, welche den darüberliegenden Schnee kühlte, in den noch die Anlaufspur eingefräst wurde. Diese Zeiten sind nun definitiv vorbei. «Wir machen dieses Jahr einen Riesenschritt – von einer veralteten Schanze hin zur aktuell wohl modernsten, zumindest neusten Skisprungschanze weltweit – mit einem Kühlsystem, das sich andernorts bestens bewährte», freut sich Amstutz. Die Vorbereitungszeit reduziert sich von drei auf eine Woche, der Personal­bedarf von zwölf auf vier Leute.

Die Bedenken der Skispringer, dass die neue Schanze im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin ihren natürlichen und eigentümlichen Charakter verlieren würde, konnte er zerstreuen. «Dem ist nicht so. Denn auch die jetzige Konstruktion lehnt sich an den Bergrücken an.»

Das Publikum soll ebenfalls vom knapp 3 Millionen Franken teueren Umbau profitieren. Denn zum Aufbruch ins neue Schanzenzeitalter gehört auch die erweiterte Beleuchtungsanlage. Die starken Flutlichter lassen eine Premiere zu, die bisher nicht möglich war: Am Wochenende vom 17. und 18. Dezember messen sich die weltbesten Skispringer nicht nur tagsüber. Erstmals findet am Samstagabend auch ein Nachtspringen statt. Ende Oktober sollten die Bauarbeiten abgeschlossen und damit alles bereit sein für die beiden einzigen Weltcup-Skispringen in der Schweiz.

Matthias Piazzamatthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch


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