«Chäs-Toni» hat Tausende Feste beliefert

OBWALDEN ⋅ Dass sie den Ruhestand verdient haben, bestreitet niemand. Trotzdem wird man sie vermissen. Der «Chäs-Toni» und seine Frau ziehen einen Schlussstrich.

02. Februar 2016, 05:00

Noch stehen einige Weinflaschen, Teigwaren und Kaffeebohnen in den Regalen, die Käsetheke leert sich langsam, in einer Glasvitrine liegen die letzten vier Zigarettenpäckli. In einigen Wochen wird der «Chäs-Toni»-Laden an der Marktstrasse in Sarnen geräumt sein. Und für Bernadette und Anton Durrer geht eine Ära zu Ende. Beide sind 71-jährig. Es ist höchste Zeit für den Ruhestand.

Mit Party-Service Namen gemacht

Im Sarneraatal gibt es kaum jemanden, der den «Chäs-Toni» nicht kennt. «Viele wissen wohl gar nicht, wie ich richtig heisse», sagt Anton Durrer schmunzelnd. Einen Namen gemacht hat sich das Ehepaar Durrer vor allem mit seinem Party-Service und Lieferdienst für Getränke. Sei es eine grosse Fasnachtsparty, eine Hochzeit auf dem Landenberg oder ein Volksfest im Sarner Dorfkern – wo gefeiert wurde, musste man meist nicht lange suchen, bis man einen Getränke-Durrer-Kühlwagen entdeckte.

Zweites Standbein aufgebaut

Nachdem der gelernte Käser Anton Durrer 1972 die Milchannahmestelle seiner Eltern übernommen hatte, baute er den Betrieb laufend aus. Ab 1979 führte er an der Marktstrasse die grösste Sbrinz-Käserei in der Schweiz. 1991 übernahm er die Getränkehandlung Egger von Adolf und Therese Egger. Ein Wendepunkt war die EWR-Abstimmung im Jahr 1992 und die damit verbundene Sorge um den sinkenden Milchpreis. Durrer – damals auch politisch aktiv als Präsident der Sarner CVP – entschied sich, seine Käserei an den Luzerner Milchverarbeiter Emmi zu verpachten. Mit dem Getränkehandel baute er sich fortan ein zweites Standbein auf. Es war eine Erfolgsgeschichte: Mehr als zwei Jahrzehnte lang war das Ehepaar Durrer bei Wind und Wetter unterwegs, um Bier, Wein und Mineral an durstige Kehlen zu liefern. Auch der Partyservice blühte prächtig auf: Ob Bohnensalat, Tiramisu oder Kalbsschnitzel, ob Festbank, Serviette oder Zahnstocher – der «Chäs-Toni» besorgte alles. Es liegt auf der Hand, dass sich Bernadette und Anton Durrer auch an den Wochenenden kaum zurücklehnen konnten. «Da war natürlich am meisten los», sagt Anton Durrer.

Nachschub auch nach Mitternacht

Die Kunden haben vor allem seine unkomplizierte Art und seinen unermüdlichen Einsatz geschätzt. Fleissig war er, der «Chäs-Toni», aber nie gestresst. So manchen Anruf hat Anton Durrer auch nach Mitternacht angenommen, wenn an einer Fasnachtsparty das Bier oder der Wodka ausgegangen ist. Dann stieg er flugs vom Bett in den Lieferwagen und sorgte für Nachschub. «Hin und wieder dachte ich schon: Das bräuchte es jetzt nicht mehr», sagt Anton Durrer lachend, wenn er sich an Anlässe erinnert, wo der Alkohol in Strömen geflossen war und alle Flaschen ausgetrunken waren. Besonders in Vollmondnächten habe man schon gemerkt, dass junge Nachtschwärmer zu tief ins Glas geblickt haben. Aber genervt war der «Chäs-Toni» nie. «Mit den Jungen bin ich immer gut ausgekommen», sagt er. «Über die Jahre hinweg sind wunderbare Freundschaften entstanden.»

Mehr Zeit für die Familie

Tausende Feste und Feiern hat der «Chäs-Toni» in den vergangenen 24 Jahren beliefert und bewirtet. Grob geschätzt hat er mehr als eine halbe Million Liter Bier transportiert. Seit Anfang Jahr führt der «Bünten-Chäller» in Sarnen die Getränke- und Festmobiliarlieferungen weiter. Wohnen wird das Ehepaar Durrer weiterhin an der Marktstrasse. Was mit dem Verkaufsladen im Erdgeschoss passiert, ist noch offen.

Nach all den Jahren werden die Durrers ihren umtriebigen Alltag nun «hibschli abbäfahrä», wie es Anton Durrer lächelnd formuliert. Sie freuen sich darauf, nun mehr Zeit für sich und die Familie mit vier Grosskindern zu haben. Auch Ferien stehen auf dem Programm: Im Mai gehts nach Mallorca, im Herbst in die Toscana.

Adrian Venetz


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