Das Via-Cordis-Haus steht zum Verkauf

FLÜELI-RANFT ⋅ Eigentlich hätte das Bildungshaus St. Dorothea einem modernen Friedenshaus-Bauprojekt weichen sollen. Den zweistelligen Millionenbetrag dafür aufzutreiben, macht der Via-Cordis-Stiftung aber Schwierigkeiten. Jetzt soll verkauft werden.

26. November 2016, 05:00

Christoph Riebli

Der Stiftung Via Cordis rennt die Zeit davon: Nachdem das vom gleichnamigen Verein geführte Bildungshaus im Flüeli seine Türen aufgrund finanzieller Turbulenzen Ende Juni schloss – 20 Jobs gingen dabei verloren –, standen die Räumlichkeiten einzig noch Seminarbesuchern offen. Derweil arbeitete der Stiftungsrat im Hintergrund an einer strategischen Kehrtwende (wir berichteten). Doch: «Das Projekt ist sistiert. Aktuell gleisen wir den Verkauf der Liegenschaften auf», bestätigt nun Stiftungsratspräsident Andreas Haffter auf Anfrage.

Bed & Breakfast als Zwischenlösung

Mit einer Neupositionierung als Friedenshaus Flüeli-Ranft und einer zeitgenössischen Architektur mit Kosten im zweistelligen Millionenbereich wollte die Stiftung die Lebens- und Wirkungsstätte von Bruder Klaus zu einem internationalen Kompetenzzentrum für Friedensfragen machen. Die Finanzierung gestalte sich jedoch schwieriger als gedacht, lässt der Rechtsanwalt aus Zürich im Gespräch durchblicken. Mit «50 zu 50» schätzte die Ehefrau des Stiftungspräsidenten, die als Projektleiterin eingesetzt war und ihre Arbeit inzwischen niedergelegt hat, Mitte Jahr die Realisierungschancen ein. Und sie erklärte: «Die Mittelbeschaffung braucht Geduld.» Dem Stiftungsrat mangelt es jedoch nicht in erster Linie an Geduld, sondern hauptsächlich am finanziellen Schnauf: «Wir können schon eine gewisse Zeit überbrücken, aber sicher nicht zehn Jahre», sagt Andreas Haffter, der das Projekt mit dem Haus der Religionen in Bern oder dem Maison de la paix in Genf vergleicht. «Solche Projekte brauchen mehr Zeit, als wir uns gesetzt haben. Aufgrund der Kostensituation können wir nicht so lange warten.»

Dass das Projekt «Friedenshaus» damit gestorben ist, lässt Haffter nicht gelten. «Es laufen schon noch gewisse Bestrebungen, um das Projekt weiter voranzutreiben, aber wir fahren nun auf allen möglichen Schienen.» Möglich sei etwa, dass ein Käufer das Projekt oder auch gewisse Vorarbeiten daraus übernehme. «Bei einem Verkauf ist der Käufer jedoch frei. Wir machen ihm keine Vorschriften.» Haffter bestätigt zudem, dass es bereits erste Kaufinteressenten für das Bildungshaus St. Dorothea gibt, das die Stiftung ihrerseits vor 8 Jahren von den Dorothea-Schwestern erwarb. Für konkrete Aussagen sei es aber noch zu früh. «Wir sind erst in der Anfangsstufe eines Verkaufs. Im Verlauf des nächsten Jahres wird sich die Situation konkretisieren.» Bis dahin sei eine Zwischennutzung mit einem Bed & Breakfast-Betrieb (mit Pächtern) vorgesehen. Anfang 2017 soll es damit losgehen. «Das Haus steht also nicht leer und zerfällt nicht zu einer Ruine.»

Umgebungsschutz und Touristikzone

Doch was will ein eventueller Käufer überhaupt mit dem Bildungshaus anstellen? Dass neu gebaut werden müsse, liege am «sehr sanierungsbedürftigen Zustand» der Liegenschaften. «Das zwingt uns zum Handeln», sagte die ehemalige Friedenshaus-Projektleiterin noch im Sommer.

Zu einem ähnlichen Schluss müsste demnach auch ein Käufer gelangen. Was darf also dort überhaupt neu gebaut werden? «Es handelt sich um eine Touristikzone», erklärt der Sachsler Bauamtsleiter Peter Leuenberger auf Anfrage. Entsprechend müsste das Betriebskonzept etwas mit Hotellerie, Kur- und Erholungsheimen oder Gastronomie zu tun haben. «Eine reine Wohnsiedlung ist dort ohne Umzonung nicht möglich.» Und die Chancen für eine solche schätzt Leuenberger als gering ein. Nicht zuletzt, weil die Wohnentwicklung in den Zentren und nicht der Peripherie gefördert werden soll.

Der Hubel liegt zudem im Schutzperimeter des Bundes, da das Flüeli zum Inventar schützenswerter Ortsbilder von nationaler Bedeutung der Schweiz (Isos) zählt. Bei einem Neubau wäre weiter auf das Hotel Paxmontana, ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung, Rücksicht zu nehmen. Stichwort: Umgebungsschutz. Dasselbe gilt für die Karl-Borromäus-Kapelle – auch bekannt als Flüeli-Kapelle –, die zusammen mit dem «Paxmontana» das Erscheinungsbild des Flüeli prägt.


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