Das Zusammenrücken wird konkreter

SARNEN ⋅ Die Planer des Benediktinischen Zentrums Ora et Labora im Frauenkloster erwarten demnächst die Baubewilligung. Noch musste für das alte Kloster ein sicheres Brandschutzkonzept erarbeitet werden.
20. April 2017, 05:00

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Ich freue mich sehr darauf, dass wir hier schon bald wieder mehr Schwestern sind, ob zum Gebet oder zur Gemeinschaft bei Tisch», sagt Schwester Pia Habermacher, Äbtissin des Sarner Frauenklosters St. Andreas. Dabei denkt sie ans Benediktinische Zentrum Ora et Labora, das innerhalb der Mauern ihrer Klosteranlage demnächst entstehen soll. Zusammen mit Hanspeter Kiser, Projektleiter der Stiftung Ora et Labora, steht die Äbtissin im grossen Garten hinter dem alten Frauenkloster. Noch gibt es mit dem Planer vieles zu besprechen. Zurzeit erstrahlt im Garten eine Blumenpracht, doch spätestens im September werden da Baumaschinen auffahren und Krane aufgestellt.

Dann will man die grossen Um- und Neubauarbeiten mit geschätzten Kosten von 10 bis 11 Millionen Franken in Angriff nehmen. «Angst habe ich eigentlich nur vor etwas», meint Schwester Pia. «Bevor jemand mit den Bauarbeiten beginnen kann, müssen wir Schwestern in unserem Kloster noch unendlich viel räumen. Da hat sich im Verlauf der Jahrhunderte so einiges angesammelt.» Die Äbtissin und ihre fünf Mitschwestern werden sich ins alte Klostergebäude zurückziehen. Dieses erhält sechs vollkommen neue und auch für ältere oder kranke Schwestern geeignete Zimmer. Aus dem luzernischen Kloster Marienburg in Wikon «zügeln» unter dem Priorat von Schwester Margrith Jegerlehner neun Schwestern nach Obwalden. Ihr künftiger Alterssitz wird im Dachgeschoss des Hauses Nazareth über dem heutigen Kulturgüter-Schutzraum neu gebaut. Ein Lift erschliesst die Räume. Schliesslich wird auch das nördlich gelegene grosse Haus Josef im Innern vollständig erneuert. Dort erhalten die zurzeit 13 Melchtaler Benediktinerinnen unter der Leitung von Priorin Daniela Bieri ihr neues Daheim.

Für jede Gemeinschaft ein Kloster im Kloster

Hanspeter Kiser betont: «Jede der drei Gemeinschaften erhält einen eigenen Bereich mit Stube, Andachtsraum, Teeküche und Büro. Jede soll ihre Gewohnheiten zumindest teilweise weiterpflegen können wie zuvor.» Hausherrin und Äbtissin Pia Habermacher ist glücklich über dieses Konzept. «Jede Gemeinschaft ist für sich, und doch können wir zusammen beten und feiern, wann immer wir es wünschen», sagt sie. Hanspeter Kiser, der die Idee auf Initiative und zusammen auch mit den St.-Anna-Schwestern Heidi Kälin und Samuelle Käppeli entwickelt und ausgearbeitet hat, freut sich, dass eine grosse Vision bald schon Realität sein kann. «Wir erreichen mit dem Neubau in Sarnen gleich zwei wichtige Ziele: ein sicheres, ordenskonformes und selbstständiges Leben von drei Benediktinischen Gemeinschaften im Alter und bei Pflegebedürftigkeit und damit eben auch die Erhaltung der Wallfahrt zum Sarner Jesuskind.»

Kaum Rückstand im Zeitplan

Die geplanten Renovations- und Umbauarbeiten wie auch die Erstellung des Neubaus zwischen Kirche, altem Kloster und dem Josefshaus werden rund ein Jahr in Anspruch nehmen. «Noch ist die Baueingabe nicht ganz abgeschlossen.» Kiser gesteht: «In Sachen Feuerschutz haben wir zu wenig genaue Überlegungen angestellt.» Die kantonalen Behörden hätten verlangt, dass nun alle Klostergebäude – darunter auch der Altbau von 1615 – mit Sprinklern ausgerüstet werden. «Wir haben die ergänzte Baueingabe eingereicht und erwarten die Baubewilligung Mitte Mai», sagt Kiser.

Schon im Sommer 2018 wollen die Sarner Schwestern den alten Klosterteil beziehen. Ende Sommer steht das Haus Nazareth für die Schwestern aus Wikon bereit. Die Melchtaler Schwestern werden im Spätherbst ins Tal ziehen. Auch die Finanzierung sei weitgehend gesichert, versichert Kiser: «Die Stiftung St. Anna und die drei beteiligten Klöster, insbesondere St. Andreas in Sarnen, erbringen grosse Eigenleistungen. Dazu erwarten wir grosszügige Spenden.»

Arbeitsgruppen planen Zukunft

Geradezu minutiös wird dieser Tage das Zusammenleben von drei Gemeinschaften in einem Klosterareal vorbereitet. Ein Forum Benediktinisches Zentrum samt allen Leiterinnen trifft sich einmal im Monat und behandelt Themen wie den gemeinsamen Alltag, die Organisation des Archivs, der Bibliothek und der Kunstschätze. Auch die Beschäftigung der Schwestern, das «Labora», ist ein Thema. Eine andere Arbeitsgruppe unter Leitung von alt Regierungsrat Hans Wallimann befasst sich mit einer teilweisen Öffnung des Klosters für die Öffentlichkeit. Geplant sind etwa ein Kloster-Café, ein Klosterladen mit eigenen Produkten oder ein Begegnungszentrum mit musikalischen, künstlerischen und kulturellen Aktivitäten. «Wichtig ist uns Sarner Schwestern, dass nur dieser eine Teil geöffnet wird», sagt Äbtissin Pia Habermacher. «Daneben möchten wir weiterhin ein ruhiges und geschlossenes Kloster bleiben.»

Hinweis

Weil im neuen Kloster nicht mehr alle Möbel und Gegenstände Platz finden, veranstalten die Sarner Schwestern am 27. Mai im Klosterhöfli einen Flohmarkt für die Öffentlichkeit.


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