«Das ist eine sehr diffizile Aufgabe»

OBWALDEN ⋅ Ab dem 30. April fährt die neue Lungern-Turren-Bahn. Doch wie bringt man ein totes Ausflugsziel wieder unters Volk? Mit geschicktem Marketing, sagt ein Experte.

14. Februar 2016, 05:00

Exakt 2 Monate, 2 Wochen und 2 Tage dauert es noch, bis die neue Lungern-Turren-Bahn (LTB) in Betrieb genommen wird. Ziemlich genau 2 Jahre sind es her, seit über die Betreiberin der alten Seilbahn – die Panoramawelt Lungern-Schönbüel AG – der Konkurs eröffnet worden ist. Es war der endgültige Todesstoss für ein dahinsiechendes Ausflugsziel.

Praktisch in letzter Sekunde hat sich der Alpnacher Unternehmer Theo Breisacher (80) vergangenen Sommer entschieden, knapp 9 Millionen Franken in die Revision der Seilbahn, in eine neue Steuerung und in zwei neue Kabinen, ein neues Büro- und Verwaltungsgebäude mit Wohnungen und ein neues Bergrestaurant auf Turren zu investieren.

Wandern für Familien

Die Vorbereitungsarbeiten bis zur Eröffnung der Bahn am 30. April sind in vollem Gang. Derzeit laufen die Revisionsarbeiten an der Seilbahn – die Steuerung wird komplett erneuert. Mitte März werden die zwei neuen Kabinen ausgeliefert. Dass mit dem Lungerer Hausberg nicht das grosse Geld zu machen ist, war auch Investor Theo Breisacher bewusst, als er sich entschieden hatte, die Bahn zu retten. Zumindest rentabel soll der Betrieb aber sein. Doch wie bringt man einen «toten» Berg wieder unters Volk? Sanfter Tourismus im Winter und Sommer, naturnah und familienfreundlich – so lautet die Devise. «Das Gebiet Lungern–Turren–Schönbüel soll wieder ein Wanderparadies werden», sagt LTB-Sekretär Stephan Wagner. Deshalb werde auch das Wanderwegnetz auf Vordermann gebracht. «Eine gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der lokalen Wanderwege ist im Gange», so Wagner. Auch für Mountainbiker soll Turren «ein Treffpunkt und Ausgangsort für verschiedene Ansprüche werden».

Ein ramponiertes Image

Wer hierzulande die Begriffe «Lungern-Schönbüel» hört, erinnert sich in erster Linie an die missliche Vergangenheit der alten Bahn – an einen geknickten Masten, an Betriebsstörungen und Sicherheitsmängel, an ungepflegte Beizen und herumliegenden Abfall. Wie poliert man das arg ramponierte Image der Marke Lungern-Schönbüel wieder auf? «Das ist eine sehr diffizile Aufgabe», sagt der Luzerner Tourismusprofessor Urs Wagenseil. Einerseits müsse man die vormaligen Sicherheitsbedenken, die noch in vielen Köpfen vorhanden sind, zerstreuen können. Anderseits dürfe man die Erinnerung an die unrühmliche Vergangenheit nicht zu sehr auffrischen. Gefragt sei nun eine sehr geschickte Strategie in Sachen Kommunikation, Marketing und PR. «Einfach sagen: ‹Die Bahn ist wieder offen und oben auf dem Berg gibts Kafi Schnaps und Nussgipfel› – so etwas reicht heutzutage nicht mehr.»

Gerade im harten Konkurrenzkampf in der Region mit Tourismusmagneten wie Jungfraujoch, Titlis, Pilatus, Stanserhorn oder Rigi müsse ein Bahnbetreiber mehr bieten können als nur eine schöne Aussicht. Es brauche «einmalige und wiederkehrende Veranstaltungen, Top-Angebote, welche die angestrebten Kundengruppen begeistern, und nicht zuletzt ein kompetentes Marketing», so Urs Wagenseil weiter. «Die Gäste müssen den Berg als vital wahrnehmen. Sie wollen ein Erlebnis – und nach dem Besuch zufrieden sein, diesen Ausflug so gemacht zu haben.»

Restaurant folgt im Winter

Bis die Lungern-Turren-Bahn das volle Programm bieten kann, müssen sich Einheimische und Gäste allerdings noch etwas gedulden. Das neue Bergrestaurant auf Turren wird voraussichtlich erst auf die Wintersaison 16/17 eröffnen. «Die Baueingabe wurde bereits eingereicht», sagt Stephan Wagner. «Wir möchten mit den Bauarbeiten möglichst bald starten.»

Während der Bauphase soll in der bisherigen Turrenhütte eine gewisse Fläche als provisorisches Restaurant mit Sonnenterrasse zur Verfügung stehen. Ein Angebot für die Kunden steht bereits: «Dank Partnerschaft mit der Brienz-Rothorn-Bahn können wir ein tolles Angebot offerieren: Die Jahreskarte der Lungern-Turren-Bahn berechtigt auch zur freien Fahrt in der Saison 2016 mit der Dampfzahnradbahn aufs Brienzer Rothorn. Die Jahreskarten für Lungern sind ab 30. April 2016 bei der Talstation erhältlich. «Konkretere Angebote für die zukünftigen Gäste sind in Vorbereitung», sagt Stephan Wagner.

Adrian Venetz


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