«Die Leute in Burkina Faso sind total schockiert»

OBWALDEN ⋅ Der Terroranschlag in Burkina Faso geht Joe Zumstein nahe. Er lässt sich aber nicht davon abhalten, sein Hilfsprojekt fortzusetzen.

25. Januar 2016, 05:00

Vor Wochenfrist ist ein Überfall auf ein Hotel in Burkina Faso verübt worden. Unter den 28 Todesopfern sind zwei Schweizer. Joe Zumstein aus Lungern organisiert ehrenamtlich immer wieder Transporte von Hilfsgütern nach Burkina Faso, den nächsten im März. Derzeitiges Projekt: Bau eines Ausbildungszentrums für Mechanik und Elektronik.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie vom Anschlag hörten?

Joe Zumstein: Wir haben die Nachricht mit Bestürzung aufgenommen. Bislang hat es im Norden von Mali rumort, in Burkina Faso selbst noch nie. Das Hotel Splendid, in dem der Anschlag verübt wurde, ist ganz in der Nähe des Flughafens. Bisher sind wir nach unseren Einsätzen häufig auch noch dort in der Nähe oder gar im «Splendid» für eine Nacht geblieben oder haben uns zumindest mit anderen Helfern im Café vis-à-vis dem Hotel getroffen. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich die Reise verschoben, sonst wäre ich jetzt auch in Burkina Faso.

Die ermordeten Schweizer wollten eine Schulkantine einweihen. Im Oktober eröffnen Sie das Ausbildungszentrum. Was machen Sie jetzt?

Zumstein: Ja, da sind gewisse Parallelen. Für uns ist das trotzdem kein Grund, uns zu bremsen. Terror ist überall, da dürfte man auch nicht nach London gehen. Der Anschlag in Burkina Faso wird unser Projekt nicht negativ beeinflussen.

Wie sicher ist Burkina Faso jetzt noch?

Zumstein: Dort unten brodelt wie immer eine Riesengerüchteküche. Die Leute sind total schockiert. Wichtig ist, auseinanderzuhalten, was Realität ist und was nicht.

Der nächste Transport sollte im März sein. Bleibt es dabei?

Zumstein: Das wird genau gleich sein.

Wie können Sie sich schützen?

Zumstein: Nicht mehr an Orte gehen, wo viele westliche Ausländer sind. Denn den weissen Ausländern galt der Anschlag. Da geht man vielleicht eben vor dem Abflug nicht mehr in das Café vis-à-vis dem Hotel, um andere Helfer zu treffen. Ausserdem ist es sicher nicht ratsam, stundenlang am Flughafen herumzusitzen. Das ist aber auch schon das Einzige, was man machen kann.
 

Interview Marion Wannemacher

 


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