Die Nachwuchsprobleme gehen ans Eingemachte

OBWALDEN ⋅ Den Sportschützen fehlt der Nachwuchs, das wirkt sich auch im Vorstand aus. Die Idee einer Zusammenlegung taucht auf.
19. April 2017, 08:36

Ein Verein funktioniert nur, wenn sich genug Mitglieder engagieren – nicht zuletzt im Vorstand. Das ist auch bei den Sportschützenvereinen in Obwalden nicht anders. So bezeichnete Andy Huber, Präsident der Sportschützen Giswil, die Suche nach frischen Kräften kürzlich an der Generalversammlung als grosse Herausforderung, um die langjährigen Vorstandsmitglieder zu ersetzen. Auch ein Zusammenschluss mit anderen Sportschützenvereinen des Kantons kam zur Sprache. Die Versammlung hat einen Ausschuss unter dem Vorsitz des Präsidenten beauftragt, die nötigen Abklärungen mit den anderen Vereinen vorzunehmen.

«Die Hälfte der Vorstandsmitglieder sind 15 Jahre und länger im Vorstand und möchten kürzertreten. Doch niemand bekundete bisher Interesse für eine der fünf Chargen», erklärt Andy Huber auf Nachfrage. Auch die Zahl der Aktivmitglieder sei in den vergangenen Jahren ständig zurückgegangen und betrage zurzeit noch zehn. Dazu kommen rund 50 Passiv- und Gönnermitglieder. «Nach dem Jungschützenkurs verlassen die Jungen häufig unseren Verein, weil sie etwa auswärts arbeiten oder sonst keine Zeit mehr haben», erwähnt er zwei Gründe für den Mitgliederschwund. Der Fortbestand des Vereins sei zwar nicht akut gefährdet, doch Huber hofft, bis in einem Jahr eine Lösung gefunden zu haben. Die Zusammenlegung mit anderen Sportschützen sieht er dabei als möglichen Weg, um Synergien zu nutzen und über alles gesehen den Bedarf an Vorstandsmitgliedern senken zu können. «Spruchreif ist zwar noch nichts, aber wir haben erste Gespräche aufgenommen, um Detailfragen zu klären», hält Huber fest.

«Hochzeit» sogar aller Sportschützenvereine?

«Die Zusammenlegung aller Sportschützenvereine im Kanton ist sicher eine Idee, wir sind darüber am Verhandeln», sagt dazu Beat Zumstein, Präsident der Sportschützen Schwendi. Er spricht von ähnlichen Problemen. «In unserem Verein sind 25 Mitglieder, aber nur 4 Aktive. Nachwuchs haben wir schon jahrelang keinen mehr.» Das traditionelle St.-Johannes-Schiessen auf dem Glaubenberg – immer am zweiten Wochenende im Juli – findet 2019 zum 70. und wohl auch zum letzten Mal statt, wenn sich personell nichts ändert. «Wir finden kaum noch Helfer», bedauert Zumstein. Er sieht die Lösung in einer Zusammenlegung aller Sportschützenvereine im Kanton. Mit einem starken Verein könne man auch die Jungen überzeugen. «Es ist von Vorteil, wenn man an einem Strick zieht.»

«In einer ersten Phase geht es darum, den Sachverhalt unter den Vereinen zu besprechen und zu analysieren, was die einzelnen Vereine wollen und aufzubringen bereit sind», hält Kurt Neiger, Präsident der Luftgewehr-Schützen Sarneraatal, fest. In seinem Verein ist der Leidensdruck noch nicht so gross. «Wir sind gut aufgestellt, auch im Vorstand, und können auch regelmässig Nachwuchsathleten hervorbringen. Der Erfolg stimmt, die Leistungskurve zeigt nach oben.»

 

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch


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