«Die Sprache ist mir unglaublich wichtig»

SARNEN ⋅ Mit dem Stück «Verzaibertä April» debütiert beim Theater ein «alter Hase» als Regisseur: Urs Kafader möchte seine grosse Spielererfahrung weitergeben.

12. Oktober 2016, 05:00

 

«Theater heisst eine Geschichte erzählen im Hier und Jetzt – Bilder, Sprache und Emotion direkt erleben», schreibt Urs Kafader im Programmheft zur heurigen Aufführung des Sarner Theaters. Für den Geschäftsmann ist das Laientheater seit langem ein geliebtes Hobby. Vor einem Jahr nun beschloss er, für einmal eine andere Perspektive einzunehmen. Selber sagt er es so: «Nachdem ich nun zehn Mal als Spieler auf der Bühne gestanden bin, wollte ich die andere Seite kennen lernen, wollte wissen, wie es sich anfühlt, Regie zu führen.»

Der begabte Spieler meldete sich dann kurzerhand für einen Regiekurs an. Vorerst war es allerdings blosse Neugier! Als Kafader sich an zwei Wochenenden in die Regiearbeit einführen liess, war nämlich noch nicht einmal klar, was für ein Stück das Theater Sarnen diesen Herbst spielen würde. Geschweige denn, wer da Regie führen würde. «Schliesslich erklärte ich mich bereit, in die Lücke zu springen», erzählt Kafader. Unter einer Bedingung allerdings: als Stück sollte die Komödie «Enchanted April» des Engländers Matthew Barber ausgewählt werden! «Ich habe dieses Stück während der Arbeit im Regiekurs kennen gelernt, und von da an ging es mir nicht mehr aus dem Kopf», sagt Kafader. Und er gesteht: «Ich habe den ganzen Winter daran herumstudiert.» Die Sarner liessen Urs Kafader freie Hand, und so erfolgt denn sein Start als Regisseur früher als er es sich ursprünglich vorgestellt hatte.

Flucht aus verregnetem London

Die eingeschworene Sarner Theatertruppe inszeniert das Stück in Mundart unter dem Titel «Verzaiberetä April». Die Geschichte spielt nach dem Ersten Weltkrieg. «Mich fasziniert die grosse Menschlichkeit, die sie ausstrahlt», hält Urs Kafader fest. Vier Frauen verspüren grosse Sehnsucht, aus dem neblig verregneten London und aus der Enge ihrer persönlichen Situation auszubrechen. Da bietet sich ihnen eine Chance. Ein Freund stellt ihnen ein verträumtes Schlösschen in Italien mit dem Namen «San Salvatore» zur Verfügung. Kafader dazu: «Es ist eine Komödie, und da hält denn das Schlösschen, was es in seinem Namen verspricht.» Mehr will er noch nicht verraten. Höchstens noch so viel: dass für Turbulenzen und Komik gesorgt ist, wenn beispielsweise eine streng viktorianische Lady auf eine Haushälterin mit echt italienischem Temperament trifft.

Atmosphäre und Teamwork

«Ein paar Tage vor der Premiere gibt es vor allem punkto Technik und Drum und Dran noch einige Probleme zu lösen», stellt Urs Kafader fest. Zum Beispiel müsse man aufpassen, dass der andauernde Bühnenregen, den Adrian Hossli im ersten Teil niederprasseln lasse, weder die Stimmen übertöne noch das Theater unter Wasser setze. Kafader lacht: «Aber ich habe da ein ganz gutes Gefühl!» Besonders schätzt der neue Sarner Regisseur die lockere, gute Atmosphäre, die beim Proben herrscht. Das erleichtere vieles. Kafaders Vorhaben: seine reiche Erfahrung als Spieler weiterzugeben. «Ich versuche, Spielerinnen und Spielern dabei zu helfen, sich in ihre Figuren hineinzudenken», schildert er seine Arbeit. Man müsse fühlen, warum man auf der Bühne dieses oder jenes tue. In den Mittelpunkt aber rückt Urs Kafader eine Erfahrung, die er als Spieler bei Regisseur Geri Dillier selber gemacht hat: Nämlich, wie wichtig eine genaue, mit Rolle und Inhalt übereinstimmende Sprache im Theater ist. «Ich betrachte während der Proben mit Spielerinnen und Spielern Satz für Satz ganz genau, am Text wird gefeilt und gearbeitet», versichert Kafader. Oft hänge von der Betonung ab, ob eine Aussage ironisch, traurig oder herausfordernd sei. Froh ist Kafader, dass er hinter der Bühne auf ein erfahrenes Team zählen kann. Auf Leute, die das Schwergewicht auf andere wichtige Elemente des Theaters setzen: Da sind der opulent agierende Bühnenbildner Adrian Hossli und die Kostümbildnerin Barbara Medici, die in diesem Stück alle Register zieht. Verlass ist auch auf den feinfühligen Musiker Laurin Moor, der sich fragt: «Wozu soll Theater gut sein?» und die rhetorische Frage fast lakonisch beantwortet: «Keine Ahnung, aber es soll sein.» Genau die ist auch Urs Kafaders Überzeugung. Das heurige Stück ist sein «erster Streich», und er könnte sich gut vorstellen, ihm weitere folgen zu lassen ...

Hinweis

Theater Sarnen «Verzaibertä April» von Matthew Barber. 15. Oktober bis 5. November 2016 im Alten Gymnasium in Sarnen.

Romano Cuonz


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