Die Strommasten haben bald ausgedient

ALPNACH ⋅ Eine Hochspannungsleitung, die Strom aus dem Engelbergertal nach Luzern führt, wird demontiert. Nach rund 50 Jahren soll der Energiefluss in die Erde verlegt werden.

19. Oktober 2016, 05:00

Primus Camenzind

Strom, der vom Kraftwerk Obermatt im Engelbergertal produziert wird, ist für den Grossraum Luzern bestimmt. Aus diesem Grund ist die Fernleitung, welche bereits seit einem halben Jahrhundert für den entsprechenden Energiefluss sorgt, im Besitz der Energie Wasser Luzern (EWL). Roger Burch, Projektleiter bei Baumeler Leitungsbau in Perlen, erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung, welchen Weg das kostbare Gut seit rund 50 Jahren nimmt: von der Obermatt nach Dallenwil, via Wirzweli übers Ächerli nach Kerns, zum Wichelsee und nach der Querung der A 8 hinauf zum Alpnacherberg – von dort gehts schliesslich über die Rengg in Richtung Kriens.

«Bis Ende 2017 wird die Leitung ab Dallenwil bis nach Kriens abgebrochen», gibt Burch zu verstehen. Der erste Teil ab Obermatt könne anderweitig verwendet werden, fährt er fort. Im Bereich Wichelsee quert die Fernleitung mit der elektrifizierten Strecke der Zentralbahn. Deshalb haben die Planer des Rückbaus zugewartet, bis die Bahn wegen der neuen Doppelspur und der Inbetriebnahme des Bahnhofs Sarnen-Industrie die Strecke vorübergehend ausser Betrieb nimmt. «Das ist für uns ideal, denn so können wir unsere Rückbauarbeiten bei der Querung ohne zusätzlichen Unterbruch des Bahnbetriebs erledigen», erklärt Roger Burch.

Mehr Sicherheit im Boden

Wieso drängt sich eine Erdverlegung dieser Fernleitung auf? «In ersten Linie wird dadurch die Versorgungssicherheit gewährleistet», so Burch. Eine Kabelleitung sei – im Gegensatz zur Freileitung – «praktisch wartungsfrei und vor den Einflüssen von Wind und Wetter sicher.» Roger Burch erinnert an den orkanartigen Sturm Lothar im Dezember 1999. «Bei den Freileitungen durch Wälder hatte dieses Naturereignis eine Menge Ausholz-, Aufräum- und Sanierungsarbeiten zur Folge.» Der gelernte Netzelektriker erwähnt auch den optischen Aspekt: «Den Fernleitungen über Wohngebiete und offene Felder trauert kaum jemand nach», betont er. Schädlichen Strahlungen misst Burch bei der abzubauenden 50-Kilovolt-Leitung keine Bedeutung bei. Die Grenzwerte seien in der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung genau umschrieben. «Hier gibt es das Problem nur schon wegen der beachtlichen Bodenabstände von rund 30 Metern nicht», ist er überzeugt.

Im Gebiet der Grossen Schliere muss an diesem Montagmorgen der Menzi-Muck-Bagger vom Strommasten am linken Schlierenufer über die Kantonsstrasse um einige hundert Meter auf die rechte Seite verschoben werden. Dieser wendige und äusserst geländegängige Bagger mit Kranaufbau und Montagekorb wird nach kurzer Diskussion unter den Spezialisten in eine optimale Position gebracht. Und schon schweben zwei Männer in die Höhe, um ganz oben am Masten die Isolatoren zu demontieren, die Stromkabel zu lösen und das Material vorsichtig dem Boden näher zu bringen.

Der Strom aus dem Engelbergertal wird in Zukunft zur Hauptsache über bereits bestehende, unterirdische Kanäle von der Obermatt nach Kriens fliessen und von dort über das städtische Versorgungsnetz dem Verbraucher zugeführt. «Mit der Versorgung jener Ortschaften und Siedlungen, die sich in der Nähe der bisherigen Leitung befinden, hat das Ganze nichts zu tun», erklärt Roger Burch. Sie beziehen ihren Strom aus unveränderter Quelle. «Was wir jetzt rückbauen, ist eine reine Übertragungsleitung.»

Während die Demontage zwischen der Obermatt und Engelberg nicht ohne die kostspielige Hilfe von Helikoptern möglich war (wir berichteten), ist zurzeit der konventionelle Rückbau angesagt. «Kostendruck bestimmt immer auch die Arbeitsweise», gibt Projektleiter Roger Burch zu bedenken.
 


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