Forellen reisen nun per Bahn zum Ufer

LUNGERN ⋅ Weil es bei tiefem Pegel fast unmöglich wird, Forellen im Lungerersee auszusetzen, suchte das Fischerparadies nach einer Lösung. Die ist nun gefunden.

05. März 2016, 05:00

Adrian Venetz

Für Fischer soll der Lungerersee ein Paradies sein. Das Aussetzen der Fische dagegen war oft ein Albtraum. Das Problem: Weil der Lungerersee übers Jahr hinweg starke Pegelunterschiede aufweist, war der Besatz mit Regenbogenforellen vor allem bei niedrigem Seepegel mit grossem Aufwand ver­bunden.

«Am Lungerersee gab es bisher nur eine geeignete Stelle für das Umladen der Fische vom Lastwagen des Lieferanten auf unser Besatzboot», erklärt Willy Walker, Fischereiverantwortlicher und Vizepräsident des Verwaltungsrats vom Fischerparadies Lungern. Diese Stelle war im Bereich Obsee. «Je nach Höhe des Seespiegels musste der Zufahrtsweg zum Wasser mit Baumaschinen präpariert werden.» Die Präparation einer solchen «Anfahrtspiste» habe bis zu einem Tag gedauert – und das sei auch ziemlich teuer gewesen, da es dafür Spezialfahrzeuge brauchte. Bei ganz tiefem Seespiegel konnte es sogar vorkommen, dass der Zugang zum See wegen Schlamms und unsicherem Grund gar nicht mehr möglich war.

Bestehende Metallschienen nutzen

Im vergangenen Jahr ist man im Fischerparadies dann auf eine findige Idee gekommen. An der Bürglenstrasse, nur einen Steinwurf vom Restaurant Kaiserstuhl entfernt, befindet sich nämlich ein Bootssteg, von dem aus eine massive Metallkonstruktion nach oben zur Strasse führt. Auf dieser Schiene war bereits eine kleine Transportbahn installiert. Nun hat das Fischerparadies dort eine Transportbahn für Fische gebaut. Es handelt sich dabei um einen grossen Container, der auf Schienen und mit einer Seilwinde hinunter zum Bootssteg gefahren werden kann. Dort werden die Fische dann auf ein Besatzboot umgeladen und im Lungerersee verteilt.

Und so soll das Ganze funktionieren: Etwa einmal pro Monat bringt ein Lastwagen rund 6000 Fische – verteilt in fünf Wassertanks – bis zur Bürglen­strasse. Der Container der Transportbahn wird dann zur Hälfte mit Seewasser gefüllt und nach oben gefahren. Mit einem Schlauch werden die Fische vom Lastwagen in den Container der Transportbahn umgeladen. Anschliessend fährt die Transportbahn nach unten. Mit einem weiteren beweglichen Schlauch werden die Fische ins Besatzboot umgeladen. «Der ganze Prozess, bis alle Fische im See verteilt sind, dauert rund 2 bis 3 Stunden», sagt Willy Walker.

65 000 Franken investiert

Die Lungerersee AG – Trägerin der Marke Fischerparadies – hat rund 65 000 Franken in den Bau dieser Transportbahn investiert. Der jährliche Unterhalt der Bahn wird auf tiefe 300 Franken geschätzt. Vorbei sind damit die Zeiten, in denen man mit grossem zeitlichen und finanziellen Aufwand eine Zufahrtspiste in Obsee präparieren musste.

Damit die Bahn nicht von Lausbuben missbraucht werden kann, ist alles gut abgesichert, wie Willy Walker betont. Der Transportcontainer kann mit Schlössern verriegelt werden, und auch die massive Seilwinde ist hinter Gittern.

34 Tonnen Fisch pro Jahr

Ausgesetzt werden im Lungerersee übrigens ausschliesslich fangfähige Forellen, die genügend gross und alt sind. Zwar könnte man auch junge Fische aussetzen. Diese dürften aber nicht gefangen werden, weil man damit gegen Tierschutzvorschriften verstossen würde. «Einige Besucher des Fischerparadieses kennen diese Regeln nicht auswendig, deshalb setzen wir nur fangfähige Fische ein, um Straffälle zu vermeiden», erklärt Willy Walker. Der Grundbestand an Forellen im See beträgt durchschnittlich rund 2 bis 3 Tonnen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 34 Tonnen Forellen ausgesetzt und 31 Tonnen gefangen.


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: