Fussballskandal: Ermittlungen sind abgeschlossen

OBWALDEN ⋅ Die Spuren des kroatischen Fussballskandals führten nach Obwalden. «Wirtschaftskriminalität der gröberen Sorte» sei das, sagt die Oberstaatsanwältin. Man steht am Ende der Ermittlungen.

08. Oktober 2016, 05:00

Ein Familienclan rund um den Fussballverein Dinamo Zagreb steht bereits seit längerer Zeit im Visier der kroatischen Strafermittlungsbehörden. Weil die schmutzigen Geschäfte auch über eine Firma in Obwalden liefen, hatte die kroatische Staatsanwaltschaft ein internationales Rechtshilfegesuch eingereicht (wir berichteten).

Nun sind die Ermittlungen der Obwaldner Staatsanwaltschaft praktisch abgeschlossen, wie Oberstaatsanwältin Esther Omlin auf Anfrage unserer Zeitung sagt. Massgeblich beteiligt an den Ermittlungen war die Abteilung für Wirtschaftsdelikte, die von den Kantonen Ob- und Nidwalden sowie Uri gemeinsam geführt wird. «Es laufen noch letzte Beschwerdefristen, doch die Hauptarbeit ist abgeschlossen», so Omlin. «Wir haben es hier mit Wirtschaftskriminalität der gröberen Sorte zu tun», fasst sie die Ermittlungen zusammen. Im Fokus der Obwaldner Staatsanwaltschaft stand die Rasport Management AG, eine Firma mit Domizil an der Brünigstrasse 25 in Alpnach. Über diese Firma sind einige der illegalen Geldtransaktionen rund um den Fussballverein Dinamo Zagreb gelaufen. «Es geht beispielsweise um unbegründete Vermittlerdienstleistungen und um nicht existierende Spielertransfers», erklärt Esther Omlin. Von Alpnach aus gingen einige der dubiosen Zahlungen in die ganze Welt – namentlich nach London, Belize, Kingstown, Hongkong, Dubai, Panama, Gibral­tar und auch nach Zürich. «Insgesamt sprechen wir hier von Zahlungen im zweistelligen Millionenbereich», so Omlin weiter. Es handle sich dabei um ein «kompliziertes und verwirr­liches» Netzwerk von Finanztransaktionen.

Hinter der Firma Rasport Management AG steht Mario Mamic, der Sohn von Zdravko Mamic. Die Brüder Zdravko und Zoran Mamic gelten als mächtigste Strippenzieher im kroatischen Fussball. Dem Clan werden Steuerhinterziehung, Korruption und Geldwäscherei vorgeworfen. Sogar von Beihilfe zu Mordanschlägen ist die Rede. Die Brüder Mamic sassen in Kroatien bereits in Untersuchungshaft. Mitglieder des Mamic-Clans hätten das Recht gehabt, sich in Obwalden im Zuge der Zeugenbefragungen zu Wort zu melden. Gemäss Oberstaatsanwältin Omlin liessen sie sich aber nicht blicken. Ihre Anwesenheit war im Rechtshilfeersuchen auch nicht gefordert worden. Konkret führte die Obwaldner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen sieben Personen. Nicht ins Visier der Behörden geriet der Alpnacher Treuhänder und Domizilgeber der Ras­port Management AG. Gemäss Esther Omlin gab es für Ermittlungen gegen ihn keinen Anlass. Es sei gut möglich, dass er über die Machenschaften der Firma nichts gewusst habe. Für unsere Zeitung war der einheimische Treuhänder nicht erreichbar.

Kein Zusammenhang mit Beckenbauer-Affäre

Über die Obwaldner Kantonalbank seien keine Geldsummen geflossen, sagt Omlin. Ermittelt wurde dafür bei insgesamt fünf grossen und mittelgrossen Schweizer Banken. Nichts zu tun hat dieser Fall übrigens mit einem weiteren Fussballskandal, der sogenannten Beckenbauer-Affäre. Hier waren ebenfalls Geldströme via Obwalden geflossen, namentlich über eine Sarner Anwaltskanzlei (wir berichteten).

Wie der Fall nun weiterläuft und welchen Personen in Kroatien der Prozess gemacht wird – darauf hat die Obwaldner Staatsanwaltschaft keinen Einfluss. Sie führte lediglich die Ermittlungen in der Schweiz und liefert die Ergebnisse nun an die kroatische Staatsanwaltschaft. Der Fall habe enorm viel Zeit in Anspruch genommen, sagt Omlin. Entschädigt werden die Aufwendungen bei internationalen Rechtshilfegesuchen nicht. Die Kosten für die Untersuchungen der Obwaldner Staatsanwaltschaft tragen damit letztlich die Steuerzahler.

Adrian Venetzadrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch


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