«Glogghuis» auf der Melchsee-Frutt hat einen neuen Besitzer

OBWALDEN ⋅ André Fischer hat das in Konkurs gegangene Hotel Glogghuis auf Melchsee-Frutt gekauft. Doch wie poliert man das Image eines abgewirtschafteten Betriebs wieder auf? «Gar nicht», sagt er.

16. Oktober 2016, 05:00

Hiesige Investoren für ein abgewirtschaftetes Hotel finden? Kann man vergessen! So oder ähnlich tönte es in der Vergangenheit in Obwalden, wenn ein Hotel seine besten Zeiten hinter sich hatte und in den Ruin schlitterte. Wer es dennoch wagt, braucht nicht nur Geld, sondern auch eine gehörige Portion Mut.

Beides bringt der gebürtige Luzerner André Fischer (58) auf Melchsee-Frutt mit. Er hat das Hotel Glogghuis gekauft, ein Traditionshaus im Obwaldner Skigebiet, das im Sommer 2015 überraschend die Türen schloss und in Konkurs ging. Sofort richteten sich damals alle Augen auf den chinesischen Investor Yunfeng Gao, der auf der Frutt viel Geld in neue und alte Hotelbetriebe gesteckt hatte. Dieser aber winkte ab – kein Interesse.

Zustand besser, als oft vermutet

Nun wagt André Fischer den Neuanfang. Am Mittwoch wurden die Verträge unterzeichnet. Rund 1,3 Millionen Franken investiert er in den Kauf und in einige kosmetische Korrekturen innerhalb des markanten Gebäudes. «Das Haus ist in einem besseren Zustand, als man vielleicht meint. Vor allem die Bausubstanz ist hervorragend», sagt Fischer. Am 22. Dezember – zwei Wochen nach Beginn der Wintersaison – ist Eröffnung. Neuland betritt der gelernte Koch auf der Frutt nicht. Seit 13 Jahren führt er das von den Alpgenossen gepachtete Bergrestaurant Erzegg, ein Betrieb mit Fünf-Bett-Zimmern und Massenlager. Dieses Haus bleibt auch weiterhin in den Händen der Familie Fischer.

«Nie wieder», «miserabel», «schlechter geht es fast nicht mehr» – es sind teils wenig schmeichelhafte Bewertungen, die das «Glogghuis» während seiner letzten Zügen in der Wintersaison 2014/15 im Internet erhielt. Wie poliert man in kurzer Zeit das Image des «Glogghuis» wieder auf? «Gar nicht», sagt André Fischer. «Das ‹Glogghuis› ist gestorben. Es gibt einen kompletten Neustart.» Künftig heisst der Betrieb «Fischers Alpenhotel». Der Name ist Programm: Das Haus soll als Familienbetrieb geführt werden. André Fischer hat seinen Bruder Jörg mit an Bord geholt, um den Betrieb zu führen. Auch seine Frau Doris – das Ehepaar wohnt seit vielen Jahren in Kerns – wird im Hotel arbeiten.

Fischer rechnet mit 15 bis 20 Angestellten in der Winter- und 8 bis 10 in der Sommersaison. Das Hotel soll acht Monate im Jahr offen sein. Kulinarisch fährt das neue Alpenhotel auf zwei Gleisen. Im Erdgeschoss kommt – wie früher – ein Pizzaofen zum Einsatz. Hier wird italienisch gekocht. Im oberen Restaurant «wollen wir die klassische mediterrane Alpenküche zelebrieren», sagt André Fischer. Dass er nicht «nur» in Berghütten für hungrige Skifahrer, sondern auch auf gehobenem Niveau kochen kann, bewies Fischer bereits als Küchenchef im Seehotel Wilerbad in Wilen.

Zimmer von Privaten dazumieten

Fischer hat nicht das ganze Haus gekauft – dafür würden 1,3 Millionen niemals reichen. Die Besitzverhältnisse im markanten, dreieckigen Bau sind speziell: Von den insgesamt 85 Zimmern gehören nur 7 zum Hotel. Die restlichen Zimmer und kleinen Wohnungen befinden sich im Besitz von Privatpersonen (Stockwerkeigentum). Mit dem Hotelkauf hat André Fischer etwas mehr als die Hälfte des gesamten Stockwerkeigentums erworben. Die Idee ist nun, so wurde es bereits früher im «Glogg­huis» gehandhabt, dass einzelne Stockwerkeigentümer ihre Appartements und Zimmer dem Hotel zur Verfügung stellen. «Ich hoffe, dass ich noch 25 bis 30 Zimmer mit rund 60 bis 70 Betten dazumieten kann», sagt Fischer. Mit den Eigentümern ist er bereits im Gespräch.

Zum Hotel gehören auch ein Hallenbad, eine Sauna, eine Squashhalle und eine Kletterwand. Dass Fischer nicht Unsummen in Sanierungsarbeiten stecken muss, ist die Folge eines Ereignisses im Jahr 2014. Damals kam es zu einem Brand im Hotel. Das Hallenbad und die Lüftung des Betriebs wurden daraufhin komplett erneuert.

Preislich will sich Fischer zwischen den bestehenden Angeboten auf der Frutt positionieren, sprich zwischen den neuen Vier-Sterne-Hotels («Lodge and Spa» und «Family Lodge») und den älteren Zwei-Sterne-Betrieben. «Ein Drei-Sterne-Haus mit Beschäftigungsmöglichkeiten für Familien mit Kindern – in dieser Nische hat es auf der Frutt noch Platz», glaubt Fischer.

Das erste Mal in der Zeitung ist André Fischer übrigens nicht: Einige erinnern sich vielleicht ans Rentier Cosmos, das 2009 auf der Stöckalp ausgebüxt ist. Der Fall löste einen Medienrummel bis ins Ausland aus, weil es trotz grossem Aufwand nicht gelang, das eigenwillige Tier zu fangen. Erst der Betäubungsschuss eines Wildhüters brachte Cosmos zurück ins Gehege. André Fischer war der Besitzer. Er hat seine Rentier-Herde später verkauft.

Adrian Venetz


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