Grasbüschel weichen neuer Seiler-Käserei

SARNEN/GISWIL ⋅ Die Seiler Käserei AG zieht um und investiert 20 Millionen Franken in eine der modernsten Produktionsstätten überhaupt: Ab November 2018 entsteht und reift der bekannte Raclettekäse ausschliesslich in Giswil – auch wegen Landmangel.
21. April 2017, 05:00

Christoph Riebli

christoph.riebli@obwaldnerzeitung.ch

Seit 1928 gibt es sie, ihr Raclettekäse gehört zu den besten überhaupt und ist mehrfach preisgekrönt: Nun zieht die Seiler Käserei AG von Bitzighofen in Sarnen nach Giswil. «Am alten Standort sind wir platzmässig am Anschlag», sagte Verwaltungsratspräsident Hans Rudolf Aggeler am gestrigen Spatenstich für die neue Produktionsstätte, die bis im Herbst 2018 an der Industriestrasse 45 entsteht (in der Nähe von Auto Willi). 1972 habe man in Bitzighofen noch auf grüner Wiese einen Neubau realisieren können. Inzwischen sei rundherum viel anderes entstanden. Für die Käserei mit 20 Mitarbeitern und einem erfreulichen Absatz bleibe so kein Platz, um weiter zu wachsen, bilanzierte Aggeler, der zusammen mit seiner Frau die Aktienmehrheit besitzt.

Wie erfolgreich der Obwaldner Raclettekäse aus dem Hause Seiler ist, belegt diese Nebenbemerkung Aggelers: «Ab diesem Herbst beliefern wir sogar Läden in New York direkt mit unseren Produkten.»

Verdoppelung der Produktion möglich

Innert 18 Monaten entsteht nun für 20 Millionen Franken – «ganz ohne Subventionen», wie Aggeler betonte – ein topmoderner Produktionsbetrieb. «Er gehört zu den fünf grössten in der Schweiz und zu den modernsten überhaupt», erklärte der zuständige Planer Robert Kistler. «Ganz bestimmt wird es aber der schönste», fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu, zumal Verwaltungsrat Patrik Seiler für die Architektur verantwortlich sei. Vor sieben Jahren hat Robert Kistler mit den ersten Vorplanungen begonnen, vor zwei Jahren dann mit dem konkreten Projekt. Was ist der Grund für diese Verzögerung? «Wir haben einfach kein geeignetes Bauland gefunden oder wurden gar von anderen Interessenten überboten», erklärt Hans Rudolf Aggeler auf Nachfrage. So sei es praktisch Fügung, dass die Produktion und die Lagerräume – Letztere betreibt die Käserei Seiler seit zehn Jahren in einem gigantischen Felskeller unterhalb des Giswilerstocks, einem ehemaligen Militärlager – näher zusammenrücken.

Damit werden nicht nur die Transportwege kürzer, mit der neuen Käserei wird auch die Effizienz in der Produktion gesteigert – ja verdoppelt: «Wir verkäsen aktuell pro Jahr 10 Millionen Kilogramm Milch, das ist etwa ein Viertel der gesamten Milch aus Obwalden», veranschaulicht Aggeler. Der entstehende Betrieb ist auf die doppelte Menge ausgelegt, somit auf die Produktion von 2000 Tonnen Käse pro Jahr (gesamtschweizerisch werden jährlich 13 000 Tonnen Raclettekäse produziert). «Natürlich produzieren wir diese Menge nicht von Anfang an, sondern legen dann zu, wenn es der Absatz erlaubt», ergänzt der Verwaltungsratspräsident. Zudem könne dank den neuen Maschinen und Räumlichkeiten – es wird zwei­geschossig gebaut mit einem Volumen von 22 000 Kubikmetern – von einer 7-Tage-Produktion auf eine reguläre 5-Tage-Produktion umgestellt werden. ­«Verglichen mit den aktuellen Anlagen kann man rein technisch von einem Quantensprung sprechen.»

Zudem besteht auf der Parzelle an der Industriestrasse noch Potenzial, um dereinst noch weiter zu wachsen oder gar noch ein Geschoss draufzusetzen. Wie bereits in Bitzighofen wird zudem in das 85 Meter lange und 39 Meter breite Gebäude mit Ausrichtung in Richtung Giswilerstock ein kleiner Laden integriert.

Feuchter Baugrund, tiefe Pfählung

Eine besondere Herausforderung ist der Baugrund. Wegen des feuchten Bodens muss bis rund 35 Meter tief gepfählt werden. Mit dem Aushub hat die Firma Gasser Felstechnik AG aus Lungern begonnen, für den Hochbau wurde die ebenfalls einheimische Bürgi AG aus Alpnach beauftragt.


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