Grundacher-Kinder machen eine CD: «Musik ist wie ein Feuerwerk im Hirn»

SARNEN ⋅ 44 Kinder der Grundacher-Schule haben 16 fetzige, lustige Lieder geprobt und aufgenommen. Nun freuen sie sich auf die Taufe ihrer CD.

29. September 2016, 05:00

«Euer Auftritt, euer Singen, euer Spielen sind einfach nur eine Supersache ... einzig das Gähnen oder In-der-Nase-Bohren gehen dann während unseres grossen Auftritts absolut nicht», zieht Karin Anderhalden nach der Hauptprobe in der Grundacher-Schule Bilanz. Der grosse Auftritt findet am Freitag im Verwaltungs­gebäude Hostett in Sarnen statt: die Taufe einer eigenen CD mit lustigen Kinderliedern.

Die 44 Kinder freuen sich riesig, zumal sie bei diesem musikalischen Fest nicht nur singen werden. Zu den Liedtexten dürfen sie auch immer wieder kleine Spiele aufführen: Da leuchten grosse gelbe Blumen im Hintergrund, da legen gackernd, singend schwarze Hühner ihr Ei. Oder da sind, während eines «Räp», gar regelrechte «Biächerfrässer» am Werk, die sich grosses Wissen auf ganz unkonventionelle Weise «mampfend» aneignen. Auch Zauberer kommen auf die Bühne, um die neue CD mit «Abrakadabra Freschäbäi, Schlangäschwänz und Drachääi» aus dem Himmel herunterzuhexen.

Mit eigenen Liedern Lücken ausgefüllt

«Die 16 Lieder für die neue CD habe ich alle selber komponiert und in Obwaldnerdeutsch getextet», erzählt Karin Anderhalden. Sie ist die Schulleiterin der privaten Grundacher-Schule in Sarnen und hat auch allen Grund zur Freude. Nach zahllosen Stunden Arbeit, nach intensivem Üben und stundenlangen Aufnahmen ist die mit Zeichnungen überaus hübsch illustrierte CD zum Verkauf bereit. Ihr Titel lautet: «Ä Zaiberer isch im Land gsi – Chind singid fir Chind uf Obwaldner­tiitsch». «Schon seit 30 Jahren schreibe ich Kinderlieder», berichtet Karin Anderhalden. Immer, wenn zu einem Kinder­gartenthema gerade einmal kein Lied zu finden gewesen sei, habe sie die Lücke mit einem eigenen ausgefüllt. So seien Lieder zu Elementen wie Wasser, Feuer und Luft, aber eben auch zu den Farben oder zum Forschen, Tüfteln und Staunen entstanden. «In jüngster Zeit habe ich auch Lieder für grössere Kinder geschrieben, wir haben ja hier Kinder von vier bis zwölf Jahren.»

Im Keller der Schule stehen ein Schlagzeug, ein Klavier sowie Rhythmusinstrumente in grosser Zahl bereit. «In unserer Schule haben wir die Musik zum Schwerpunkt gemacht», betont Karin Anderhalden. Ihre Überzeugung, dass dies auch richtig ist, bekräftigt die diplomierte Kindergärt­nerin mit einem Bild: «Musik­machen ist ein Feuerwerk im Hirn, sie vermittelt eine gesamtheitliche Sicht und ist auf diese Weise gut fürs Lernen und fürs Denken.»

Die Aufnahmen der CD und ihre Taufe sind aber nur der Anfang eines grossen Abenteuers für die Grundacher-Kinder. «Im Frühling dürfen wir in alle Obwaldner Schulen gehen und Konzerte geben», freut sich Karin Anderhalden. Das Kinderpublikum soll dann gleichermassen etwas zum Hören wie zum Schauen bekommen. Wie lustig die Kinderlieder sind, mag ein Beispiel belegen: Im Wunschlied dürfen Kinder im Zwischenspiel ihre Wünsche anbringen: Einer möchte da im Weltall eine Wurst bräteln, während andere sich «äs goldigs Schloss, äs wisses Ross oder vil Edelschtäi» wünschen.

 

Marlen Isenegger, 7

Marlen singt aus voller Kehle mit und freut sich sehr auf die CD. Ihr Kommentar: «Ich finde es so cool, wenn wir uns auf der Bühne aufstellen und dann hinter uns richtig grosse Bilder entstehen. Am liebsten singe
ich das ‹Waldlied›. Da heisst es zum Beispiel: ‹Miär tiänd chochä, ässä, trolä, vor Fräid
luit umejolä.› Das ist sehr lustig.»

Kora Bürgi, 10

Kora findet das Projekt CD einfach nur spannend. Sie versichert: «Beim Proben war
es mir nie langweilig, obwohl wir vieles unzählige Male wiederholen mussten. Am liebsten habe ich das Lied mit den gelben Blumen. Die Melodie ist schön. Auch der Text: ‹Gälbi Bluämä, bis so guäd, bliib bi iis im Gartä, vo diär han ich niä gnuäg!›»

Manuel Moritz, 10

Manuel singt gerne, doch etwas hat ihn fast noch mehr fasziniert. Er erzählt: «Die Aufnahmen im Tonstudio in Stalden waren intensiv. Das hat ziemlich Kraft gekostet. Besonders spannend war es, dem Tontechniker bei der Arbeit zuzuschauen. Allein sein Mischpult kostet über eine Million Franken! Mit so etwas möchte ich auch mal arbeiten.»

Martin Mauro, 8

Martin darf etwas tun, das man sonst nicht tut. Er berichtet: «Ich bin ein Bücherfresser. Das macht unglaublich Spass, die Bücher zu zerfetzen und so zu tun, als würde man sie auffressen, um mehr zu wissen. Diesen ‹Räp› haben wir im Musikkeller der Grundacher-Schule gemacht. Ich singe gerne, so darf ich denn auf der CD gar solo singen.»

 

Hinweis: Die Taufe der CD «Ä Zaiberer isch im Land gsi» findet morgen Freitag, 30. September, um 17 Uhr im Verwaltungsgebäude Hostett in Sarnen statt. Sie ist öffentlich und für alle zugänglich.

Romano Cuonz


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