Filmemacher Hofer: «In der Realität fehlt ein Happy End halt oft»

KERNS ⋅ Mit seiner «etwas anderen Weihnachtsgeschichte» hat sich Regisseur Günter Hofer einen Kino-Traum verwirklicht. Wir haben nachgefragt, wie es mit den Obwaldner Filmemachern weitergeht.
16. März 2017, 07:28

Nach dem Kinostart von «Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte» Ende 2016 ist es um die Obwaldner Filmemacher wieder ruhig geworden. Wir wollten von Regisseur Günter Hofer (59) aus Kerns wissen, wie es mit dem Verein weitergeht und ob die Kinokassen geklingelt haben?

Günter Hofer, schreiben Sie schon am neuen Drehbuch?

Nein, nein. Mit dem Erstlingswerk haben wir uns einen riesigen Druck geschaffen. So darf es vorläufig schon etwas ruhiger zu und her gehen. Klar ist, dass wir im November die DVD von «Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte» herausbringen werden. Wir hatten viele Anfragen dafür, was uns natürlich bestärkt in unserem Filmschaffen.

Wie sah es eigentlich mit der Zufriedenheit bei den Kinobesuchern aus?

Es gab eigentlich nur eine Kritik, mit der wir aber gerechnet haben. Und zwar, dass der Film mit 141 Minuten zu lange geraten war. Übrigens, die DVD besteht aus zwei Discs, mit einem ganz anderen Ende und Szenen, die man zuvor noch nie gesehen hat. Der Film wird also noch länger (lacht). Zu Hause kann man ihn ja locker in zwei Etappen schauen.

Und die Zuschauerzahlen?

In Sarnen hatten wir gegen 1000 Besucher. Gemäss dem Kinobetreiber ist das eine sensationelle Zahl. Ennet dem Brünig in Meiringen hat es hingegen gar nicht funktioniert. Dort seien die Kinogänger kritischer, hat es schon von Beginn weg geheissen. In Engelberg waren es gegen 100 Besucher, was wiederum als gut gewertet werden darf gemäss Kinobetreiber. Etwas enttäuscht waren wir von Altdorf, dort lief der Film nur einmal, obwohl der Kinosaal zu drei Viertel voll war.

Sie haben den Druck angesprochen. Ist der gewichen?

Rein emotional ist der Druck gewichen. Es war eine grosse Erlösung zu sehen, dass der Film im Kino funktioniert. Es wurde an den Stellen gelacht, wo man es sich erhoffte, und es war andächtig still im Kinosaal, wenn es emotional wurde. Stolz gemacht haben mich auch Zuschauerreaktionen. Eine Frau sagte mir etwa, ihr seien am Schluss fast die Tränen gekommen. Das geht schon ins Herz und tut gut zu hören. Anderseits ist es «nur» ein Film. Unser Schauspieler Stefan Durrer, der die Rolle des Vaters spielt, ist diese Woche überraschend schnell an seiner Krankheit verstorben, die während der Dreharbeiten ausgebrochen war. In der Realität fehlt ein Happy End halt oft. So gesehen erhält uns der Film auch die schönen Erinnerungen an ihn am Leben.

Und finanziell?

Mit den Einnahmen können wir jetzt sicher die Kosten für die DVD-Produktion decken. Damit möchten wir wiederum versuchen, die Produktionskosten des Kinofilms von rund 80 000 Franken zu refinanzieren.

Könnte es also im schlimmsten Fall das erste und letzte Projekt gewesen sein?

Wir hoffen es nicht. Wir möchten schon irgendwann wieder einen Film machen. Den Zeitpunkt dafür lassen wir aber offen. Wir wissen jetzt, wie man sich richtig auf so ein Projekt vorzubereiten hat. Zudem müsste man dafür zuerst eine Geschichte haben. So gesehen sind wir auch offen für Inputs und Zusammenarbeit mit anderen.

 

Christoph Riebli

christoph.riebli@obwaldnerzeitung.ch


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