Josef Hess liebäugelt mit Sitz in der Regierung

OBWALDEN ⋅ Seit 2009 arbeitet Josef Hess im Bundesamt für Umwelt, aktuell als Vizedirektor. Nun drängen ihn Freunde zu einer Kandidatur für die Nachfolge von Paul Federer in der Regierung. Und der parteilose 55-Jährige ist alles andere als abgeneigt.

30. September 2016, 05:00

In den vergangenen Jahren ist Josef Hess mehrmals angegangen worden, für die Regierung zu kandidieren. Es war jeweils zu früh oder zum falschen Zeitpunkt, wie er sagt. Nun aber gibt er auf Anfrage klar zu: «Ich bin offen für eine neue Aufgabe in meiner Heimat und kann insofern mein Interesse bestätigen, nachdem ich in den vergangenen zwei Monaten von mehreren Leuten aus verschiedenen Parteien angegangen wurde.»

Einer, der sich persönlich für diese Kandidatur ausspricht, ist alt Ständerat Hans Hess. «Es ist besonders wichtig, dass der frei werdende Sitz in der Regierung durch eine Person mit ausgewiesener Fachkompetenz besetzt wird.» Es sei Obwalden zu wünschen, dass sich eine Person wie Hess für die Nachfolge von Paul Federer (FDP) zur Verfügung stelle. Hans Hess: «Durch seine berufliche Tätigkeit beim Bund und vorher auch beim Kanton ist Josef Hess bestens mit der Arbeit von Regierung, Departementen und parlamentarischen Kommissionen vertraut.» Die Ersatzwahl findet am 12. Februar 2017 statt.

Auf jeden Fall als Parteiloser

Über eine mögliche Kandidatur wurde in den vergangenen Tagen da und dort gemunkelt. Josef Hess sei angefragt worden und habe nicht Nein gesagt, hiess es etwa. Kandidieren würde Hess sicher parteilos, wie er sagt: «Ich gehöre keiner Partei an, habe aber keine Berührungsängste zu den Parteien. Hier in Bern hat mir der parteilose Status die Arbeit eher erleichtert, und ich wäre auch nicht der erste Obwaldner Regierungsrat ohne parteipolitische Bindung.» Hans Hess war es, Hans Wallimann wurde 1999 als überparteilicher Kandidat dem CVP-Mann vorgezogen.

Weder Hausmacht noch «Intimfeinde»

«Man hat als Parteiloser zwar keine Hausmacht, aber auch keine parteipolitisch motivierten ‹Intimfeinde›. Für so eine Aufgabe steht für mich ohnehin die Sache statt machtpolitischer Überlegungen im Vordergrund, obwohl man sich diesen natürlich nie entziehen kann. In meiner Denkart vertrete ich bürgerliche Positionen», sagt Hess.

Er wäre aus Sicht von Hans Hess der Richtige fürs frei werdende Baudepartement. Als Fachspezialist für Naturgefahren und Forstingenieur kenne er den Kanton sehr gut. Bis zum beruflichen Wechsel nach Bern übernahm er just im Hochwasserjahr 2005 den Bereich Wasserbau und die Leitung von Wildbach- und Flussverbauungsprojekten in Obwalden (siehe Kasten). Er war beim Sachsler Hochwasser 1997, bei den Stürmen «Lothar» und «Vivian» und im Lawinenwinter 1999 im kantonalen Führungsstab.

Natürlich weiss Josef Hess, dass man als Neuer in der Regierung jedes Departement akzeptieren müsste. Er meint, er hätte «für verschiedene Departemente die notwendigen Kompetenzen», gleichwohl verschweigt er seine Präferenz nicht: «Aufgrund meiner Ausbildung und Erfahrung würde mir sicher das Baudepartement besonders liegen mit den Themen Hochwasserschutz, Wald, Raumplanung und Bauwesen aber auch Natur- und Landschaftsschutz.» Auch wenn er den aktuellen Job in Bern liebe, reize ihn ein Wechsel zurück in die Heimat. «Das wäre für mich nochmals ein Berufswechsel, wie ich ihn in den letzten Jahren mehrmals erlebt habe.» Seine Tätigkeit habe sich nach jahrelanger fachlicher Arbeit «an der Front und im Feld» in Obwalden vermehrt zur strategischen Führungsarbeit entwickelt. Er sei auch in Bern «nahe bei der Politik unterwegs, was ich sehr spannend finde». Er arbeite teilweise mit Kommissionen, die fast so gross seien wie der halbe Obwaldner Kantonsrat.

Kontakt zur Heimat nicht verloren

Er habe damals auch eng mit dem zuständigen Regierungsrat zusammengearbeitet und «so auch in diese Arbeit hineingesehen. Wir haben hier in Bern zweimal pro Woche auch fast so etwas wie Regierungsratssitzung: Wir sind in der Direktion auch zu fünft, und jeder vertritt seine Dossiers, gemeinsam in der Pflicht, gute Lösungen zu finden.» Im Amt mit fast 600 Mitarbeitern konnte er auch «wertvolle Führungserfahrung sammeln».

Die Arbeit in Bern führt Hess auch ab und zu nach China, wo er diverse Kontakte pflegt. Er reiste grad heute wieder ab und ist nun zwei Wochen in den Bergen von Yünnan am Rande Tibets, um ein Gebiet zu besuchen, in dem die Schweiz ein Projekt für Hochwasserwarnung und Gletscherbeobachtung unterstützt.» Den Kontakt zur Heimat verlor er aber nicht. Er verbringe die Wochenenden bei der Familie in Alpnach oder mit Freunden etwa in Engelberg, wo er sich dank alten Verbindungen zur Familie und zu Vereinen heimisch fühle.

Seit 2009 beim Bund

Josef Hess (55) wohnt in Alpnach. Der zweifache Vater studierte an der ETH Zürich Forstingenieur und schloss 2008 seine Ausbildung mit einer Doktorarbeit über Schutzziele im Umgang mit Naturrisiken ab. Ab 1988 arbeitete er als Abteilungsleiter Naturgefahren und Kreisforstingenieur beim Kanton Obwalden, 2005 übernahm er den Wasserbau und die Wildbach- und Flussverbauungsprojekte. 2009 wechselte er zum Bundesamt für Umwelt, wo er 2012 Vizedirektor wurde.
 

Markus von Rotz


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