Jungingenieur jagt mit Laser Pollen

SARNEN/LUZERN ⋅ Gute Nachricht für Allergiker: Bald schon dürfte ein Messgerät genaue Pollenflugdaten liefern. Entwickelt haben es Absolventen der Hochschule Luzern.

07. Oktober 2016, 06:38

«Obwohl ich selber kein Allergiker bin, ist es mein Ziel, pollen­geplagten Leuten zu helfen», sagt der gebürtige Sarner Philipp Burch. Kürzlich hat sein Einsatz erste Früchte getragen: Der 27-jährige Master-Absolvent an der Hochschule Luzern (HSLU) erhielt für seine Abschlussarbeit zur Aufspürung von Pollen den mit 4000 Franken dotierten «Preis der Hochschule Luzern». «Diese Ehrung wird mir und meinen beiden Kollegen Reto Abt und Erny Niederberger Ansporn geben, unsere Pläne zu verwirklichen.» Dabei geht es um die Weiterentwicklung und spätere industrielle Herstellung eines hochkomplexen Geräts zur genaueren Messung von Flugpollen.

Am Anfang der Forschungsarbeit von Philipp Burch stehen einige eher nüchterne Zahlen: In der Schweiz gibt es rund 1,2 Millionen Menschen, die von Pollenallergien geplagt werden. Damit man sie warnen und vor schlimmen Folgen bewahren kann, betreibt Meteo Schweiz im ganzen Land 14 Messstationen. Die Resultate werden regelmässig via Medien in Pollenberichten oder auf Apps veröffentlicht. «Nur: Heutige Messmethoden reichen sehr oft nicht aus, um zuverlässige Prognosen und rechtzeitige Warnungen zu verbreiten», stellt der in Zug wohnhafte Burch fest. Das heutige Vorgehen basiere darauf, in der Luft herumfliegende Pollen auf einer Art Klebstreifen einzufangen. Später würden sie dann von Mitarbeitern im Labor mikroskopisch nach Arten bestimmt und gezählt. Genau da erkennt Burch ein Problem: «Mit dieser Methode erhält man die Resultate erst nach einer Woche, was für eine wirksame Warnung schlicht zu spät ist.» Zumal Wind und Wetter den Pollenflug tagtäglich beeinflussen und verändern.

Das «Ei des Kolumbus» gefunden

Doch wie soll man Prognosen bereitstellen, wo man doch weiss, dass Pollen mit ein paar Mikrometern Durchmesser haarklein sind? Philipp Burch hat an der HSLU unter Anleitung von Professor Othmar Schälli sozusagen «das Ei des Kolumbus» gefunden. Anders gesagt: ein neues Lösungskonzept entwickelt. «Die Idee basiert auf der Tatsache, dass Pollen das eingestrahlte Licht in verschiedene Richtungen streuen und gar selbst zu leuchten beginnen», versucht Burch den komplizierten Prozess zu schildern. Die Pollen zeigten also – ähnlich wie die Leuchtzeiger einer Uhr – ein Nachleuchten. «Allerdings dauert dies nur einige Milliardstelsekunden.» Es muss also unglaublich schnell gehen, wenn man diesen Leuchteffekt an vorbeifliegenden Pollen messen will. Burch aber ist drauf und dran, es zu schaffen. Seine Masterarbeit ist Teil der Entwicklung einer automatischen Messstation, die den fluoreszierenden Effekt mit einem Laserstrahl auslöst und selbst eine Unterscheidung der vorbeifliegenden Pollen ermöglicht. «Das System hat das Potenzial, sehr genau zu zeigen, wo und wann gerade welche Pollen fliegen.»

Die Theorie ist eines. Die Herstellung des Geräts für den grossen Markt das andere. «Um dies zu schaffen, sind finanzielle Mittel von rund einer halben Million Franken nötig.» Ein erster Schritt ist allerdings getan. Zusammen mit seinen beiden Kollegen von der Hochschule Luzern – Reto Abt und Erny Niederberger wohnen in der Stadt Luzern – hat Burch die Start-up-Firma Swisens AG gegründet. «Wir möchten nicht Forschung um des Forschens willen betreiben, sondern unser Messgerät auf den Markt bringen», sagt Burch. Die jungen Unternehmer haben auch schon einen konkreten Zeitplan. «2017 möchten wir zwei Prototypen bei bestehenden Meteo-Messstationen einsetzen und prüfen, ob sie tatsächlich den erwarteten Gewinn bringen.» Entsprechen die Resultate ihren Erwartungen, möchten sie die Geräte später in einer Produktionshalle in der Zentralschweiz herstellen und auf den Markt bringen. «Allein in der Schweiz müsste Bedarf für 50 bis 100 unserer Messstationen bestehen.»

Romano Cuonz


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