Kampfroboter made in Obwalden

OBWALDEN ⋅ Die Motoren der Maxon kommen unter anderem in der Medizinaltechnik und in der Raumfahrt zum Einsatz. Dass man mit den Präzisionsmotoren auch eine Menge Spass haben kann, beweist der Kampfroboter «Obwalden Overlord».

24. November 2016, 05:00

2 Minuten und 59 Sekunden dauerte der Kampf. Dann gingen bei «Obwalden Overlord» endgültig die Lichter aus. Kein Wunder: Der Kampfroboter wurde regelrecht geröstet. Sein Kontrahent «Warhead», ein Feuer speiender Drache aus Metall, war eine Nummer zu gross. Damit schied «Obwalden Overlord» bereits in der Qualifikationsrunde aus.

Ferngesteuerte Roboterfahrzeuge – ausgerüstet mit Kreissäge, Hammer oder eben Flammenwerfer – gehen in einer Arena aufeinander los, als gäbe es kein Morgen: In den USA sind solche «Battlebots» genannten Kämpfe ein TV-Hit. Frenetisch werden die Teams, die ihre selbst gebauten Roboter fernsteuern, vom Live-Publikum angefeuert, und genauso frenetisch kommentieren Moderatoren das Geschehen.

Mehr als 30 Maxon- Motoren sind verbaut

In der zweiten Staffel von «Battle­bots» des amerikanischen Senders ABC hatte im Sommer ebendieser «Obwalden Overlord» seinen grossen, knapp dreiminütigen Auftritt. Wie aber kommt es, dass ein Kampfroboter den Namen «Obwalden Overlord» trägt? Der Grund ist sein Innenleben: Über 30 Motoren bewegen den Roboter, und diese Motoren stammen von der Maxon.

Den Roboter entwickelt und gebaut hat ein Team um Rob Knight, ein in Frankreich wohnhafter Brite, der sich auch beruflich ganz dem Bau von humanoiden Robotern verschrieben hat – dies nicht nur zur Unterhaltung wie bei den «Battlebots», sondern auch für wissenschaftliche Zwecke und hoch komplexe Projekte. Der «Obwalden Overlord» ist ebenfalls eine Art humanoider Roboter – und damit der erste seiner Art, der sich für einen Kampf in die TV-Arena wagte. Andere Kampfroboter werden via normale Fernsteuerung bewegt, ähnlich einem ferngesteuerten Auto. Beim «Obwalden Overlord» dagegen steuerte das Team die beiden Arme des Roboters über eine Art Exoskelett: Hebt der Bediener den Arm, hebt auch der Roboter seinen Arm.

«Bereits vor zwanzig Jahren habe ich – direkt nach der Universität – eine Zeit lang solche Kampfroboter gebaut», sagt Rob Knight im Gespräch mit unserer Zeitung. Schon länger habe er den Wunsch gehabt, wieder einmal an solchen Battlebots teilzunehmen – bis es dieses Jahr geklappt hat. Allerdings hatten Rob Knight und sein Team nur zwei Monate Zeit, um den Roboter zu entwickeln und bauen.

Roboterbauer Knight arbeitet schon seit längerer Zeit mit Maxon Motor zusammen und ist regelmässig in Sachseln zu Besuch. Die Motoren der Obwaldner Firma seien seine erste Wahl beim Bau von Robotern. «Das Verhältnis von Kraft und Gewicht ist der grösste Vorteil der Maxon-Motoren», erklärt Rob Knight. Gerade beim Bau von Robotern sei es zentral, dass man Motoren verbaue, die zwar leicht sind, aber doch genügend Power haben. Und: «Wie ich und mein Team liebt auch die Maxon solche verrückten Roboter», fügt er augenzwinkernd hinzu.

Doch schmerzt es nicht, einen Roboter zu bauen, der dann in der Kampfarena von einem anderen Monster aus Metall übel zugerichtet wird? «Wenn man das nicht aushält, sollte man gar nicht erst teilnehmen», sagt Rob Knight. Enttäuscht war er vielmehr, dass der «Obwalden Overlord» technisch und softwaremässig noch nicht ganz ausgereift war, als er zum Kampf antreten musste. «Hätten wir etwas mehr Zeit für den Bau zur Verfügung gehabt, hätten wir das volle Potenzial des Obwalden Overlord zeigen können.» Vielleicht bietet sich später tatsächlich eine zweite Gelegenheit – auch wenn es extrem schwierig ist, überhaupt für die Battlebots-Teilnahme im Fernsehen nominiert zu werden. «Wir würden liebend gern wieder mitmachen. Dann könnten wir beweisen, dass ein humanoider Roboter durchaus eine Chance hat gegen reine Kampfmaschinen», so Knight.

Maxon-CEO Eugen Elmiger: «Das gefällt mir»

«Wir unterstützen gerne Projekte, bei denen ein neuer Ansatz gewählt wird», sagt Maxon-CEO Eugen Elmiger dazu. «Hätte Rob Knight einen ähnlichen Roboter gebaut wie alle anderen, wäre das nicht interessant gewesen. Aber er ist eben ein richtiger Pionier. Das gefällt mir und widerspiegelt unsere eigene Philosophie.» Aktuell übrigens steht der malträtierte Roboter im Büro von Eugen Elmiger in Sachseln. «Wie seine Zukunft aussieht, können wir heute noch nicht sagen.»

Sehen Sie in diesem Video, wie die Roboter «Obwalden Overlord» und «Warhead» gegeneinander antreten. (Youtube, 23.11.2016)

Adrian Venetz

Sehen Sie in diesem Video, wie die Roboter «Obwalden Overlord» und «Warhead» gegeneinander antreten. (Youtube, 23.11.2016)




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