Kloster-Gemeinschaft prüft Wegzug in Alterszentrum

OBWALDEN ⋅ Dieses Jahr feiern die Benediktinerinnen den 150. Geburtstag des Berg-klosters in Melchtal. Für die Zukunft suchen sie ein neues Daheim – weiter unten im Tal.

03. Januar 2016, 05:00

Das Kloster Melchtal ist in Feierlaune: «Wir danken Gott und auch den vielen Menschen, die wir hier im Kloster Melchtal und auf den Wegen, die Gott uns führt, treffen, getroffen haben und noch treffen werden», schreibt Schwester Daniela Bieri, Priorin des Klosters.

Mit einer eigenen Festzeitung lädt sie die Bevölkerung zu diversen Anlässen im Jubiläumsjahr «150 Jahre Kloster Melchtal St. Niklaus von Flüe» ein (siehe Kasten).

Noch 15 Schwestern im Kloster

Mit 73 Jahren ist Schwester Daniela die Jüngste – ihre 14 Mitschwestern haben ein Durchschnittsalter von 85 Jahren, sechs sind über 90. «Dank unseren fest strukturierten Tagesrhythmen mit dem Wechsel zwischen Beten und Arbeiten erfreuen sich viele von uns auch im Alter einer guten Gesundheit», sagt die Priorin.

1866 gründete der Geistliche Balthasar Estermann das Kloster Melchtal als Gemeinschaft für arme Mägde, wie der Engelberger Historiker Pater Moritz Jäger über die Melchtaler Klostergeschichte schreibt. Zu Beginn widmeten sich die Schwestern der Anbetung. Ab 1875 sammelten sie auf Bettelreisen Geld für den Bau von Kloster und Kirche. Und schon kurz darauf unterrichteten die Schwestern an der Dorfschule Melchtal – 1897 gründeten sie ein eigenes Lehrerinnenseminar.

Höhepunkt des Klosters war 1966

Damit begann eine für Mädchen einzigartige Geschichte im Kanton Obwalden. 1929 entstand das Töchterinstitut mit dem Internat. Neben der Sekundarschule boten die Klosterfrauen auch Haushaltungs-, Handels- und Bürokurse an. 1958 wurde im eben erneuerten Institut zusätzlich eine Bäuerinnenschule eröffnet. Seinen Höhepunkt erreichte das Kloster 1966: Damals arbeiteten in Kloster, Schule und in auswärtigen Kinderheimen und Niederlassungen insgesamt 121 Schwestern – so viele wie noch nie.

Die Wende trat dann in den 1990er-Jahren ein, als sich immer mehr Kantone für die Bildung stark machten und externe Internate weniger gefragt waren. Schweren Herzens gaben die Schwestern ihre Schule in Melchtal 1998 auf. Vier Jahre später schloss das Internat. Deren Räume die Stiftung Juvenat Flüeli 2014 übernahm.

«Vorerst freut es uns sehr, dass das Internat und die Schulgebäude als sozialpädagogischer Ausbildungsplatz für männliche Jugendliche genutzt werden», sagt die langjährige Lehrerin und Klosterkünstlerin Schwester Chantal Hug. Die Priorin fügt bei: «Am schönsten wäre es, wenn in ferner Zukunft auch unsere restlichen Klostergebäude wieder zu einer Schule – wenn möglich auch für Mädchen – ausgebaut würden.»

Auch über die Aufnahme von Flüchtlingsfamilien hätte sie sich gefreut, nur sei dies ohne bauliche Veränderungen praktisch unmöglich, so die Priorin. «Wenn wir jünger wären, würden wir es wohl probieren. Bevor wir – wohl bald nach dem Jubiläumsjahr – als ganze Gemeinschaft wegziehen, werden wir diese Option prüfen.»

Zu weit weg von Arzt und Spital

Für die Zukunft der noch 15 Schwestern in Melchtal zeichnet sich eine Lösung ab. «Wir hegen Hoffnungen, dass wir in ein Alterszentrum für Klosterfrauen ins Tal ziehen könnten», sagt Schwester Daniela. «Wir möchten weiterhin unsere Aufgaben erfüllen und unsere Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Aber nicht mehr in diesem grossen Kloster mit beschwerlichen Wegen zu Ärzten und ins Spital.»

Aktuell gibt es das Projekt benediktinisches Zentrum. Geleitet wird es von Hanspeter Kiser, Präsident der Stiftung der Altersresidenz am Schärme in Sarnen. Kiser betont: «Mit meiner Tätigkeit ‹am Schärme› hat das nichts zu tun. Wir prüfen, ob es möglich wäre, dass überalterte Klostergemeinschaften miteinander in eine Art Alterszentrum umziehen könnten.» Noch sei dies aber eine Vision. Laut Kiser soll eine Stiftung Träger werden, die noch dieses Jahr zu diesem Zweck gegründet werden soll.

So wird gefeiert

Melchtal cuo. Zum Jubiläum plant das Kloster vier Anlässe. An einem Freundeskreistreffen am 21. Mai werden vor allem zahlreiche Absolventinnen des ehemaligen Instituts erwartet. Am 25. Juni setzt das Kloster einen kirchlichen Höhepunkt mit Bischof Vitus Huonder als Hauptzelebrant. Kantonale und kommunale Politiker werden am 20. August zu einer Messe mit dem Jodlerchor Echo vom Melchtal erwartet. Besonders freuen sich die Schwestern auf den 10. September, wo mit einem Grillfest im Innenhof des Klosters mit den Melchtalern gefeiert wird.


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