Kritik an Wintersaison ohne Ostern auf der Melchsee-Frutt

OBWALDEN ⋅ Eine Wintersaison ohne Osterwochenende auf der Melchsee-Frutt ärgert Besitzer von Ferienwohnungen. Für die Sportbahnen stehen wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund .

07. Oktober 2016, 06:34

Am 2. April 2017 endet die Wintersaison auf Melchsee-Frutt. Besitzern und Vermietern von Ferienwohnungen stösst das sauer auf. Denn zwei Wochen später ist das Osterwochenende. «Man nimmt uns zwei Wochen Skiferien», sagt Nicole Nüssli aus Allschwil BL. 1992 war sie das erste Mal auf Melchsee-Frutt Ski fahren und seither jedes Jahr. Seit 1999 hätten sie auch die Sommerferien immer dort verbracht. «Seit acht Jahren haben wir eine eigene Wohnung», sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Sie hätte auch schon gelesen, dass viele Skigebiete mit der Auslastung kämpften und versuchten, die Sommersaison auszudehnen. «Das wird jetzt auch auf der Frutt probiert. Unserer Meinung nach ist das falsch.» Natürlich habe es an Ostern weniger Leute als an Weihnachten. «Doch ich bin überzeugt, dass man das Gebiet gerade an Ostern perfekt vermarkten könnte. Denn es hat lange noch gute Schneeverhältnisse.» Es gebe auch im Januar schlechte Tage, am Ende müsse man doch die gesamte Saison anschauen. Ihr sei klar, dass ein Entscheid nie für alle gut sei, «aber ich habe das Gefühl, man nimmt dem wunderschönen Gebiet das Entwicklungspotenzial».

Auch die IG Melchsee-Frutt- Freunde ist nicht glücklich über das Ende der Saison vor Ostern. «Dann sind jeweils Stammgäste, viele von ihnen aus Deutschland, auf der Frutt», sagt Vorstandsmitglied Kurt Zumbrunn. Diese könnten jetzt nicht kommen. «Für die Leute, die Ferienwohnungen anbieten, bedeutet das zwei oder drei Wochen weniger Vermietung», sagt er. Und er befürchtet, dass diese Gäste verloren gehen, auch wenn in anderen Jahren die Ostertage wieder in der Saison liegen.

Kundenverhalten hat sich verändert

«Ich bin da ein wenig in einem Spannungsfeld», hält Zumbrunn fest. Einerseits verstehe er, dass das für viele Leute ein Verlust sei, anderseits könne er auch die Seite der Sportbahnen Melchsee-Frutt nachvollziehen: «Es ist für sie ein schlechtes Geschäft.» Die IG habe wenige gute Argumente gegenüber den Bahnen, auch wenn nach seiner Einschätzung die meisten Mitglieder die Saison ohne Ostern bedauerten. Das Kundenverhalten habe sich auch verändert: «Mitte April denken nicht mehr viele ans Skifahren. Dann gehen sie an den See oder aufs Velo.» In früheren Jahren habe die IG jeweils an Ostern auch ein beliebtes Jazzkonzert veranstaltet. «Da war richtig was los», so Zumbrunn. Doch das habe man inzwischen aufgegeben, nachdem zuletzt ausser dem Vorstand kaum mehr jemand aufgetaucht sei.

«Als wir die Saisonplanung gemacht haben, sind wir mit allen Interessenvertretern zusammengesessen», sagt Daniel Dommann, Geschäftsführer der Sportbahnen. «Mit Gastronomie und Hotellerie haben wir uns schliesslich entschieden, die Saison zwei Wochen vor Ostern zu beenden.» Das habe in erster ­Linie wirtschaftliche Gründe, räumt er ein. «In den vergangenen Jahren zeigte sich, dass nach den Sportferien ab Mitte März die Zahl der aktiven Schneesportler drastisch zurückgeht.» Da nützten auch zusätzliche Marketingmassnahmen oder Rabatte auf Übernachtungen und Tageskarten nicht viel, die auch in anderen eher schwächeren Saisonperioden gemacht würden. «Die wenigen Gäste, die bis und um Ostern im Gebiet wären, würden die Kosten für den Vollbetrieb des Skigebietes nicht mehr einspielen», hält Dommann fest. Wenn Ostern vor Mitte April liegt, dauere die Wintersaison generell mindestens bis Ostermontag.

Dommann bekräftigt, dass in der Schweiz der Wintersport generell rückläufig sei, auch wenn man diese Tendenz derzeit auf Melchsee-Frutt nicht beobachte. Gleichwohl versuche man, mehr Gäste im Sommer anzulocken. Zum Beispiel ab kommendem Juli mit einem Lern- und Erlebnisweg rund um das Murmeltier.

Martin Uebelhart


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