Lärm auf dem Flugplatz Kägiswil wird abnehmen

OBWALDEN ⋅ Der Flugplatz Kägiswil gilt noch als Militärflugplatz. Das soll sich ändern. Doch wie gestaltet sich die künftige zivile Nutzung? Genossenschaftspräsident Ruedi Waser gibt Auskunft.
26. Juli 2016, 05:00

Adrian Venetz

Ende Jahr soll es so weit sein: Der Flugplatz Kägiswil wird vom Bund in den Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) aufgenommen. Der SIL-Eintrag ist quasi der letzte Schritt, damit aus dem Flugplatz Kägiswil, der heute rechtlich betrachtet noch als Militärflugplatz gilt, offiziell ein Zivilflugplatz wird.

Nötig für diesen Prozess sind verschiedene, teils komplexe Vertragswerke, Kataster und Pläne. Die Bevölkerung werde von all dem allerdings kaum etwas mitkriegen, betont Ruedi Waser, Präsident der Flugplatzgenossenschaft Obwalden, im Gespräch mit unserer Zeitung. Das gelte auch für die Lärmemissionen. «Wir werden sogar noch etwas leiser», sagt Waser im Hinblick auf die künftige Nutzung als Zivilflugplatz. Dies liege zum einen an neuen, leiseren Flugzeugen. Zum andern sollen die Flugzeuge in einem steileren Winkel die Landebahn anfliegen und das Dorf Sarnen somit etwas höher überfliegen als bisher.

Nutzung im bisherigen Rahmen

Maximal 14 800 Flugbewegungen pro Jahr werden auf dem Flugplatz Kägiswil erlaubt sein. Das sind durchschnittlich 40 Flugbewegungen pro Tag – eine auf den ersten Blick erstaunlich hohe Zahl. Doch Ruedi Waser relativiert: Erstens handle es sich um eine Maximalgrenze, die kaum ausgereizt werde. Zweitens gelten ein Abflug und ein Anflug als je eine Flugbewegung. Beispiel: Wenn ein Motorflieger mit einem Segelflugzeug im Schlepptau in Kägiswil startet und später beide Flieger wieder landen, sind bereits vier Flugbewegungen «verbraucht». Kurzum: Die Nutzung des Flugplatzes werde sich im gleichen Rahmen wie bisher bewegen, so Waser.

Geplant sind zwei weitere Mass­nahmen, damit sich die Lärmemissionen in Grenzen halten:

 

  • Der Start der Flugzeuge – vom Lärm her einiges lauter als Landungen – erfolgt künftig ausschliesslich in nördliche Richtung und nicht Richtung Dorf. (Dies habe man allerdings meistens bisher schon so gehandhabt – auf freiwilliger Basis, sagt Waser.)
  • Über die Mittagszeit soll nur gestartet werden, wenn es absolut notwendig ist.

 

Ruedi Waser hält fest, dass es nur «sehr selten» Reklamationen wegen Fluglärm gebe. «Grundsätzlich zeigen die Gemeinde- und Kantonsbehörden uns gegenüber ein grosses Wohlwollen.»

Pistenverkleinerung noch offen

Besitzer des Flugplatzes bleibt weiterhin der Bund – zumindest auf dem Papier. Faktisch aber ist der Kanton Eigentümer, dies basierend auf einem Baurechtsvertrag mit der Armasuisse. Der Kanton wiederum vermietet den Flugplatz an die Flugplatzgenossenschaft Obwalden als Halterin.

Ein Thema war der Flugplatz Kägiswil jüngst vor allem in Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz Sarneraatal. Die zentrale Frage: Wird die Piste kleiner und erhält der Kanton dadurch Landwirtschaftsland, das er den Bauern als Realersatz anbieten kann? Hierzu ist noch nichts beschlossen. Der Kanton liess allerdings vor einigen Wochen durchblicken, dass man den Realersatz für das Projekt Hochwasserschutz Sarneraatal auf alternative Landflächen abstützen möchte, weil der Prozess Flugplatzverkleinerung mit dem gesamten nötigen Verfahren längere Zeit in Anspruch nehmen wird. «Die Flächen, welche dereinst vom Flugplatz herrühren, können jedoch sehr gut für künf­tige kantonale Projekte eingesetzt werden», so Baudirektor Paul Federer auf Anfrage. Genaueres sei derzeit noch offen.

Wer zahlt den Teilrückbau?

Tatsache ist jedoch, dass in den nun vorliegenden Plänen der Flugplatzgenossenschaft die offizielle Pistenbreite mit 30 Metern angegeben wird – die Piste ist aber noch immer 40 Meter breit. Weshalb dieser Unterschied? Ruedi Waser erklärt: «Wir kommen mit einer Pistenbreite von 30 Metern aus.» Ob die Piste später tatsächlich verkleinert werde, sei aber noch offen. «Der Rückbau eines 10 Meter breiten Pistenstreifens ist nicht ganz billig», gibt Waser zu bedenken. Klar sei, dass die Flugplatzgenossenschaft – als Mieterin des Flugplatzes – die Kosten für einen Teilrückbau nicht übernehmen könne. Ob der Bund oder der Kanton in den kommenden Jahren eine Pistenverschmälerung forcierten, bleibe abzuwarten.

Rotex Helicopter AG kommt

nutzung ve Der Flugplatz Kägiswil wurde und wird auch in Zukunft benutzt von der Motorfluggruppe Kägiswil, der Segelfluggruppe Obwalden, der Fallschirmgruppe Titlis und einer Motorfluggruppe der Pilatus-Flugzeugwerke. Im Jahresbericht der Flugplatzgenossenschaft schreibt Ruedi Waser nun von einer künftig geplanten «Nutzungserweiterung durch ein kommerzielles, in Obwalden ansässiges Helikopterunternehmen». Bei Anwohnern, die sich vor Lärmemissionen fürchten, läuten hier wohl alle Alarmglocken. Doch Ruedi Waser gibt Entwarnung. Beim Helikopterunternehmen handelt es sich um die Rotex Helicopter AG, ein Transportunternehmen mit Geschäftssitz in Liechtenstein und einer Niederlassung in Kägiswil (früher Giswil). «Die fliegen am Montag von Kägiswil weg – dann hört man für den Rest der Woche nichts mehr von denen», sagt Waser.

Rotex-Geschäftsführer Rolf Spichtig bestätigt dies auf Anfrage. «In Giswil platzten wir aus allen Nähten.» Deshalb sei man nun auf der Suche nach einem Platz für die Wartung und Parkierung der Helikopter – idealerweise in einem Hangar beim Flugplatz Kägiswil. «Was den Lärm betrifft, ist das kein Thema», stellt Spichtig klar. «Das wird kein Kommen und Gehen von Helikoptern sein. Im Normalfall parkieren wir die Helikopter auf den jeweiligen Baustellen verteilt über unser Einsatzgebiet in der Schweiz und im Ausland.» Ungeachtet dessen nutze die Rotex die «weltweit leisesten Transporthelikopter» für ihre Arbeit, so Spichtig.


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