«Landhaus» zerfällt trotz grosser Pläne

GISWIL ⋅ Er hegt grosse Pläne, doch gerät Jyotin Doshi mit seinen Hotels immer wieder ins Straucheln. Nun soll sich der indische Geschäftsmann das «Landhaus» zurückersteigert haben. Insider zweifeln am Erfolg dieses Comebacks.

04. Oktober 2016, 05:00

Geht es um die Zukunft des Hotels Landhaus zwischen Giswil und Kaiserstuhl, brodelt die Gerüchteküche seit Wochen. Der neue Besitzer soll der alte sein: Jyotin Doshi, Investor aus Mumbai, der ein weltweit tätiges Tourismusunternehmen leitet und das «Landhaus» 2012 für die Unterbringung seiner Reisegruppen im Tourismusdreieck Luzern-Engelberg-Interlaken erwarb. Der Betrieb wurde jedoch im Oktober 2015 auf richterliche Anordnung hin wieder geschlossen – wegen Mängeln in der Geschäftsstruktur und Organisation der Betreiberfirma GL Gastro AG (aktuell in Liquidation).

Jetzt soll sich Doshi «sein» Hotel für 2 Millionen Franken zurückgeholt haben, wie mehrere Quellen unserer Zeitung gegenüber erklärten. Bei einigen der zahlreichen Gläubiger sorgte dies für Stirnrunzeln. Schnell wurden Vorwürfe laut, da sei nicht alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen.

Hintergrund: Doshis neuer Handlungsbevollmächtigter und die zuständige Konkursbeamtin kennen sich persönlich – das wurde unserer Zeitung gegenüber bereits bei einer früheren Anfrage bestätigt. Auf die aktuellen Gerüchte angesprochen, nimmt Monika Sager vom Konkursamt keine Stellung. Auf konkrete Nachfrage ist einzig zu erfahren, dass eine interne Steigerung mit verschiedenen Bietern stattgefunden habe, Entsprechendes demnächst im Grundbuch eingetragen werde. Das Verfahren sei ordnungsgemäss abgelaufen und rechtskräftig.

Faktisch hat das «Landhaus» also den Besitzer gewechselt: Gemäss einer gut informierten Quelle ging es an die Hotel Krone Giswil AG über. Mit diesem zweiten Betrieb hatte Jyotin Doshi sein Portfolio bereits 2013 erweitert. Dessen Verwaltungsratspräsident ist Kiritkumar Kotadia, ein Luzerner mit indischen Wurzeln – der Bekannte der Konkursbeamtin. Auf die jüngsten Entwicklungen angesprochen, kappt Kotadia kurzerhand die Telefonverbindung.

Substanz aus der Firma gesaugt

Als «Verschwörungstheorie» geprellter Gläubiger relativiert ein Insider die Vorwürfe einer Bevorteilung Doshis: «Alle Investoren, die eine gültige Finanzierungsbestätigung von einer Schweizer Bank vorweisen, hätten das Hotel ersteigern können», wendet er ein. Ihm bereitet etwas anderes Kopfzerbrechen: «Es ist eine Frage der Zeit, bis es im Landhaus das nächste Mal ‹klöpft›.» Das Elektrizitätswerk Obwalden habe Doshi bereits mehrmals den «Saft» abgedreht, ebenso die örtliche Wasserversorgung. In Sachen Zahlungsmoral stünde es beim Inder nämlich nicht zum Besten. Und: «Sein Geschäftsmodell hat nichts Nachhaltiges. Die indischen Reisegruppen werfen hier keinen Franken ab. Einkassiert wird in Indien, der Betrieb in der Schweiz muss dann mit Tagesgästen finanziert werden. In die Häuser wird aber nichts investiert. Man saugt die Substanz regelrecht aus der Firma raus.» So erklärt er sich auch den in Giswil angehäuften Schuldenberg.

Fast identisch äussert sich Matthias Rüesch, der vormalige Geschäftsführer der «Krone»: «Ich musste drei Jahre lang kämpfen mit zum Teil illegalen Sachen, die mir Doshi aufdrängen wollte – etwa aus einer laufenden Firma Geld rausnehmen. Doch ich habe immer Gegenwehr gehalten. Schlussendlich musste ich aussteigen, weil er mit seinen indischen Gruppen die vereinbarten Preise nicht oder lange nicht bezahlt hatte. Das Ganze war überhaupt nicht kostendeckend.» Auch habe Doshi ihm immer wieder versprochen, in die «Krone» zu investieren, daraus ein 4-Sterne-Haus zu machen. Passiert sei nichts. Regelmässig habe das auch zu Reklamationen und Streit bei Doshis reisenden Landsleuten geführt: «Ihnen wurde ebenfalls eine 4-Sterne-Unterkunft versprochen.»

Und mit Blick aufs «Landhaus» sagt Rüesch: «Dort gibt es noch viele Auflagen zu erfüllen. Etwa wegen der Feuerpolizei oder aus hygienischen Gründen. Viele der Zimmer sind voller Bettwanzen.» Für ihn steht deshalb fest: «Das gibt hundertprozentig wieder ein Gewurstel. Am besten wäre gewesen, man hätte einen richtigen Investor gefunden.» Und nach einem Jahr Leerstand steht es aktuell nicht gut um die Gebäudesubstanz. «Im Innern ist vieles kaputt, Heizkörper fehlen, und Ratten treiben ihr Unwesen», sagt Hansruedi Abächerli auf Anfrage. Der Giswiler Unternehmer und Hotel-Vorbesitzer stand dem Konkursamt bei der Verwaltung der Liegenschaft zur Seite. Sein Urteil fällt drastisch aus: «Da kann man nur noch abreissen. Etwas anderes sehe ich nicht.»

Grosse Pläne, falsche Mittelmänner?

Neu bauen, das wollte auch Jyotin Doshi: «Er hat eine grosse Vision, die funktionieren könnte – mit Service-Appartements und einem neuen Hotel. Doch wurde er wohl von der brutalen Realität der Finanzierung und dem Zeitbedarf für Planung und Entwicklung eingeholt», mutmasst Markus Ruch, der planende Architekt aus Meiringen. «Ich hatte praktisch nur mit Mittelsmännern zu tun, die leider keine Hilfe waren. Dann stoppten die Zahlungen und damit unsere Arbeiten am Projekt. Seither habe ich nichts mehr von Herrn Doshi gehört.»

Für ungewollte Aufmerksamkeit sorgte Doshis Geschäftsgebaren bereits Ende April: Bei einer grösseren durch die Polizei koordinierten Betriebskontrolle wurden in der «Krone» Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz festgestellt. Dies im Zusammenhang mit fehlenden Arbeitspapieren «fliegender Köche», die jeweils indische Reisegruppen begleiten. Mittels Strafbefehl wurde damals auch Doshi mit Geldstrafe und Busse belangt.


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