Leidensweg kindgerecht erzählt

LUNGERN ⋅ Rund 70 Kinder und Erwachsene machten sich am Karfreitag auf den Weg, um dem Geheimnis zwischen Tod und Auferstehung näherzukommen.
15. April 2017, 08:34

Birgit Scheidegger

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

An verschiedenen Kreuzweg-­Stationen erzählten gestern Katechetin Michaela Michel und Rita Imfeld den Leidensweg Jesu. Gemeinsam erfuhren die Kinder und ihre Eltern vom Schmerz und Leid, aber auch von der Freude der Auferstehung. Begleitet wurden sie dabei von den beiden Eseln Channilla und Timi.

«Die Ostergeschichte ist für Kinder recht schwierig zum Verstehen, deshalb haben wir uns überlegt, wie wir diese den Buben und Mädchen kindgerecht aufzeigen können», erklärte Michaela Michel. «Das Ganze soll aber auch dazu anregen, über das eigene Leben nachzudenken: Wann habe ich gelogen, oder wann habe ich jemanden verspottet? Oftmals sieht man die Folgen davon nicht und dass eine Aussage sehr verletzen kann.» Seit der Fasnacht haben die beiden Frauen die Geschichte geschrieben und den Kreuzweg vorbereitet. Die Teilnahme der Esel war das «Zückerli» für die Kinder, wie die Katechetin lachend betonte.

Wie Jesus den Weg gegangen

An elf Stationen, die von der Kirche bis zum Bergkreuz beim Chäppeli aufgestellt waren, erzählten Michaela Michel und Rita Imfeld, was Jesus erlebt hat. Schritt für Schritt gingen die Kinder und ihre Eltern den Weg, den Jesus einmal für uns alle gegangen ist. Mit Palmzweigen wurden die Esel begrüsst, denn auch Jesus wurde bei seinem Ritt auf einem Esel durch Jerusalem damals von den Menschen so empfangen. Es wurde Brot geteilt, so wie Jesus es mit seinen Jüngern gemacht hatte. An der dritten Kreuzwegstation wurde ein Gebet gesprochen, an der vierten überlegt, ob man schon einmal jemandem etwas Unrechtes zugefügt hat. Die Gedanken wurden auf kleine Tafeln aufgeschrieben und neben der Station in den Boden gesteckt.

Eine entscheidende Station war die, an der Michaela Michel ein grosses Holzkreuz aufhob und die Kinder fragte, wer dieses auf dem weiteren Weg tragen wolle. Es ging zwar nicht bis zum Hügel Golgatha, aber die Kinder verstanden auch so, wie erschöpft Jesus damals war und wie schrecklich er sterben musste. Das gemeinsame Gebet löste ein Gefühl der Traurigkeit aus. Doch Tritt für Tritt ging es weiter bis zum Bergkreuz am Chäppeli, der Auferstehung entgegen. «Für diese Station haben wir Guetzli in Sonnenform gebacken. Als Zeichen dafür, dass Gott und Jesus immer bei uns sind und unser Leben jeden Tag wieder hell und warm machen, so wie die Sonne jeden Tag neu am Himmel aufsteigt», unterstrichen Michaela Michel und Rita Imfeld. Überrascht zeigten sich die beiden Frauen über den Aufmarsch von rund 70 Kindern und Erwachsenen. «Damit hatten wir nicht gerechnet. Aber daran sieht man auch, dass der Glaube hier in Lungern eine wichtige Rolle spielt», freuten sie sich.

Die Teilnehmer zeigten sich angetan vom Anlass. «Unser Sohn hat jetzt seine Erstkommunion, und der Kreuzweg ist eine gute Vorbereitung. So kann er die Ostergeschichte gut nachvollziehen und verstehen», sagte Patrizia Vogler aus Lungern. Luzia Kreuzer aus Lungern kann dem nur zustimmen: «Mit diesem Anlass bekommen die Kinder spielerisch einen Zugang zur Kirche und zur Ostergeschichte. Für sie ist es ausserdem etwas verständlicher als eine Predigt.»


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