«Man kann es nicht besser machen»

SACHSELN ⋅ Alt Bundesrat Adolf Ogi zieht auf der Älggi-Alp den Hut vor Dario Colo­gna. Seit gestern steht der Name des Langläufers auf dem berühmten Stein.
23. Juni 2013, 05:00

Da steht er, und fast ist ihm der Trubel ein bisschen viel. Dario Cologna kokettiert nicht damit, bescheiden zu sein, er ist es wirklich. Schon beim Empfang auf dem Dorfplatz Sachseln schaut er sich beinah unsicher um – so viele Leute wegen ihm? Trinkler, Fahnen, grosse Autos, klickende Kameras, der eigene Fanclub ist angereist. «Wir sind Cologna», heisst es vollmundig auf einem Banner. Paul Vogler, Gemeindepräsident von Sachseln, sagt es treffend: «Im Mittelpunkt der Schweiz sind Sie heute der Mittelpunkt.»

Mit Rang und Namen

«Ich habe nicht damit gerechnet, Schweizer des Jahres zu werden», er-zählt der 27-Jährige beim Aussteigen auf dem Parkplatz der Älggi-Alp. Fast klingt es wie eine Entschuldigung. «Es ist eine grosse Ehre, da auf dem Stein im Mittelpunkt der Schweiz zu stehen», sagt der Sympathieträger für den Langlauf später in seiner offiziellen Rede. Es seien alles grosse Persönlichkeiten neben seinem Namen. Das sei schon speziell, wenn er mal hierher zurückkomme.

Auftanken in Davos

Stolz sind auch seine Eltern und Freundin Laura, die mit dem Handy fotografiert. Als fleissig und ehrgeizig gilt er, der dreifache Gewinner der Tour de Ski, dreifache Gesamtweltcupsieger und weltbeste Langläufer. «Es sind aber auch schöne Emotionen, die mir der Sport gegeben hat», gesteht er dankbar. Das nächste Ziel sind für ihn die Olympischen Spiele in Sotschi. Auftanken könne er daheim in Davos, wo er jetzt wohnt, aber auch beim gemütlichen Trainieren entspanne er. Das Münstertal bedeutet ihm aber immer noch viel, erklärt Cologna: «Es ist meine Heimat. Da bin ich aufgewachsen und hatte eine schöne Kindheit. Ich war viel draussen und hatte viele gute Freunde.»

Alt Bundesrat Adolf Ogi beschreibt ihn in seiner launigen Laudatio als «charakterstarke ausserordentliche Persönlichkeit, die von Authentizität geprägt ist». Seine Rede beginnt Ogi mit einer Geste: Er zieht den Hut vor Cologna. «Sportlich kann mans nicht besser machen», lobt Ogi.

Positives Röntgenbild

Fernsehmoderatorin Susanne Wille hatte den Gewinner des Swiss Lifetime Award zuvor auf die Schippe genommen: Jetzt spreche der alt Bundesrat, der zuvorderst Sport und nebenbei Politik gemacht habe – oder ob es doch umgekehrt gewesen sei? In seiner Laudatio pariert Adolf Ogi und hat die Lacher auf seiner Seite. Wenn man Leistung abrufen müsse wie Cologna, könne man sich nicht verstellen. Es entstehe eine Röntgenbild. «Seins ist sehr positiv, ich wünschte, ich hätte auch so ein positives, nicht wahr, Frau Wille?» Ogis Selbstzitat «Freude herrscht» ist denn auch Auslöser für tosenden Applaus und Gelächter. Beim Enthüllen des Steins ist der alt Bundesrat wiederum tonangebend. Er hebt den linken Zipfel der Schweizer Flagge, Dario Cologna den rechten. «Ich kommandiere, gell? Bei 1, 2, 3», gibt er humorvoll den Tarif durch. Cologna nimmts gern an. Es könne einem nichts Schöneres passieren als eine Laudatio von Adolf Ogi, sagt er in seinen Dankesworten.

Souvenir für die Fans

Die Fans halten sich unterdessen be-reit. Gleich ist Gelegenheit für Auto-gramme. Samuel Duss aus Alpnach ist Langläufer beim SC Schwendi Langis. «Dario Cologna ist ein guter Sportler und Vorbild für mich. Ich finde ihn faszinierend.» Das Anstehen lohnt sich: Ein Autogramm Colognas auf dem Poster und eins auf der Jacke sind Samuels Souvenirs.


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