Mit Lobbying gegen ein Flugverbot in Kägiswil

OBWALDEN ⋅ Post für alle Kantonsräte: Die Flugplatzvertreter Ruedi Waser und Dominique Gisin wehren sich gegen ein Flugverbot an sechs Sonntagen. Eigennutz unterstellen sie dem Motionär, dessen Idee die Regierung als «prüfenswert» erachtet.
25. Januar 2017, 05:00

Christoph Riebli

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Ihr Schreiben an die 55 Kantonsräte trägt eine klare Handschrift: Ruedi Waser und Dominique Gisin hoffen auf eine möglichst «wohlwollende Beurteilung der Argumente», verbunden mit der Bitte, die Motion Wyrsch am Donnerstag abzulehnen.

Morgen befindet der Kantonsrat nämlich zum Vorstoss des Alpnacher CSP-Politikers Walter Wyrsch. Er möchte auf dem Flugplatz Kägiswil während der Flughauptsaison jeweils zwischen Mai und Oktober mindestens sechs flugfreie Sonntage einführen und so das Bedürfnis der Bevölkerung nach sonntäglicher Ruhe stillen. Selbst die Regierung erachtet den Vorschlag als prüfenswert (wir berichteten).

«So viel Ruhe hatten Sie noch kaum einmal»

Gegen ein solches Flugverbot für die Hobbypiloten lobbyieren nun Waser und Gisin im Namen der Flugplatzgenossenschaft Obwalden sowie des Vereins Pro Flugplatz Kägiswil. Mit dem Brief aus Engelberg teilen sie zudem wenig zimperlich an die Adresse des CSP-Politikers aus: In erster Linie wolle Wyrsch «seine persönliche Befindlichkeit an Sonntagen verbessern», heisst es etwa darin. Und: «Die Einschränkungen, die der Motionär fordert, wären für uns einschneidend.»

Der Dritte im Bunde, ein Segelflugpilot aus Sachseln, beklagt in einem Begleitbrief: «Mir mit einer Motion dieses wunderschöne Hobby an den besten und sonnigsten Flugtagen des Jahres zu verbieten, weil ich 11 Minuten Schlepplärm verursache, finde ich wirklich unverhältnismässig.» Die Parlamentarier seien «jeden Sonntag» als seine Passagiere willkommen: «Ich versichere Ihnen, so viel Ruhe hatten Sie noch kaum einmal an einem Sonntag!»

Die Wahrnehmungen scheinen sich zu Luft und zu Boden zu unterscheiden. Denn genau diese Lärmemissionen von Schleppflugzeugen sowie Schulungsflugzeugen beklagte die CSP Alpnach im Rahmen der Richtplanfortschreitung sowie des Entwurfs Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) zum Flugplatz Kägiswil im vergangenen Oktober. Im SIL sei zwar von der Lärmbelästigung in Sarnen die Rede, nicht aber von der Betroffenheit der Region Grosse Schliere, Uchtern, Laubigen, Baumgarten und Schoried. Alpnach Dorf habe zudem grosse Lärmemissionen durch die A 8 entgegenzunehmen und werktags auch durch den Flugplatz Alpnach oder etwa die benachbarten Pilatus-Flugzeugwerke. Zu letzteren Lärmquellen relativiert Wyrsch in seinem Vorstoss im Gegensatz zu den Wochenendfliegern: «Dieser Fluglärm ist an eine erhebliche Zahl von Arbeitsplätzen geknüpft und dadurch auch mit positiven Auswirkungen für unseren Kanton verbunden.»

Überempfindlichkeit, Stress oder Ideologie als Gründe

Gegen das Lärmargument führt die Flugplatzgenossenschaft an: «Es sind heute bedeutend weniger Leute vom Lärm unserer Flugzeuge betroffen.» Gisin und Waser stützen sich dabei auf den neuen Lärmkataster. Man habe zudem für die Lärmreduktion «Zehntausende von Franken für technische Massnahmen an Motorflugzeugen investiert». Weiter habe der Flugverkehr in den letzten zehn Jahren abgenommen (im Durchschnitt 12000 Flugbewegungen in den letzten vier Jahren). Auch würde man sich freiwillig gewissen betrieblichen Einschränkungen unterziehen, «um bei der Bevölkerung eine bessere Akzeptanz zu geniessen».

Angesichts dieser Bestrebungen liegt für Ruedi Waser und Dominique Gisin das eigentliche Problem woanders: «Es ist immer wieder mit Vorstössen gewisser Leute zu rechnen, die aus unterschiedlichen Motiven, seien das Überempfindlichkeit, Stress oder auch ideologische Gründe, weitergehende Forderungen nach Einschränkungen stellen.»

Eigene Interpretation des «Volkswillens»

Mit dem Hinweis, den «Volkswillen» zu respektieren und ihn «nicht auf kaltem Wege durch rigorose Einschränkungen zu missachten», schliesst das Schreiben an die Kantonsräte. Damit spielt die Flugplatzgenossenschaft auf die Abstimmung im März 2013 an. Damals hätten sich die Obwaldner Stimmberechtigten im Rahmen eines Referendums mit grosser Mehrheit für die «Erhaltung des Flugbetriebs im bisherigen Rahmen» ausgesprochen, so die Interpretation von Ruedi Waser und Dominique Gisin.

Widerspruch ernten sie dabei vom zweiten Alpnacher CSP-Kantonsrat Leo Spichtig, der das Schreiben bereits am Montag beantwortet hat: «Im Referendum wurde nicht über den Fortbestand des Flugbetriebs des Flugplatzes Kägiswil abgestimmt, sondern über den Kauf militärischer Liegenschaften.» Spichtig fordert zudem Toleranz von den «Fliegenden» ein, indem sie ein paar Sonntage auf ihr Hobby verzichteten. Schliesslich machten die rund 300 Piloten nicht mal 1 Prozent der Obwaldner Bevölkerung aus, «welche die Emissionen während des ganzen Jahres tolerieren».


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