Mit Peter Pan ins Nimmerland

SARNEN ⋅ Das Märlitheater Obwalden entführt dieses Jahr die Zuschauer mit Lyrik und Lebhaftigkeit ins sagenumwobene Nimmerland von Peter Pan. Am Freitag war Premiere.

28. November 2016, 05:00

Passend zur Adventszeit führt das Märlitheater Obwalden im Theater altes Gymnasium in Sarnen das bekannte Stück «Peter Pan» auf. Weihnächtlich geht es zu und her im Wohnzimmer der Familie Darling, wo die Kinder zusammen mit Mama Betty (Petra Lütolf-Schmuckli) und Tante Babette (Rosmarie Strahberger) Rollenspiele einüben. Ungeahnt haben sie dabei schon seit Jahren einen ungeladenen Zuhörer: Peter Pan (Marcello Gariglio). Als dieser eines Nachts seinen vergessenen Schatten in der Wohnung der Familie wieder holen will, wird er von der ältesten Tochter Wendy (Lea Häfliger) entdeckt und gestellt.

Peter Pan erzählt ihr von seiner Herkunft, dem Nimmerland. Dort landen diejenigen Kinder, die von ihren Eltern verlassen oder vergessen wurden. Wendy beschliesst, mit der Hilfe der eifersüchtigen Fee Kling Klang (Dunja Martin) fliegen zu lernen und Peter Pan in dieses rätselhafte Land zu folgen. Zusammen mit den verlorenen Kindern, die zwar wachsen, aber nie älter werden, erleben die drei spannende Abenteuer. Denn im Nimmerland gibt es Feen, ein tickendes Krokodil und gefährlich hungrige Piraten.

Eine musikalische Umsetzung

«Mit dem Stück wollte ich Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermassen ansprechen», erzählt Regisseurin und Dramaturgin Claudia Bühlmann und ergänzt: «Ausserdem war mir wichtig, im Stück chaotische, ruhige, komische und poetische Momente erzeugen zu können.» Diese werden durch die Musik unterstützt, welche von Jul Dillier geschrieben und auch gespielt wird. In der Rolle des Piraten vier hat er das Schwyzerörgeli immer zur Hand. Auch die Kinder rappen und reimen, sie werden an den Texten über ihre Lieblingsgerichte sogar satt.

Selbst das einfache Bühnenbild (von Andreas Rohrer und Team) dient als Musikinstrument, denn im Nimmerland besteht es aus einem rostigen Gerüst, das als Schlagzeug und Xylofon benutzt werden kann.

Spannende Kontraste entstehen zwischen dem gewohnten Familienleben und dem fantastischen Nimmerland, zwischen glücklichen Kindern und gefährlichen Piraten, ohne dass die Figuren dabei zu einseitig wirken. Selbst der böse und selbstsüchtige Piratenkapitän Hook (Gerhard Halter) erlebt einsichtige und ängstliche Momente.

Alter ist relativ – man ist so alt, wie man sich fühlt

Auch bei der Rollenbesetzung hat Bühlmann Mut und gute Intuition gezeigt, denn Lea Häfliger in der Hauptrolle der Wendy stand am Samstag das erste Mal vor Publikum auf einer Theaterbühne. «Als man mir die Rolle am Telefon mitgeteilt hat, bin ich etwas erschrocken», gesteht die Luzernerin und erzählt: «Vor lauter Aufregung habe ich sogar die Rollen missverstanden. Ich hörte, ich würde die Fee Kling Klang spielen, obwohl das nicht stimmte.» Beim Casting habe sie sich trotz mangelnder Erfahrung sogleich pudelwohl gefühlt. «Ich wusste, ich muss da mitmachen! Es hat so viel Spass gemacht», schwärmt sie. Marcello Gariglio, ebenfalls aus Luzern, in der Rolle des Peter Pan spielt bereits zum zweiten Mal im Märlitheater Obwalden. «Das Team dieses Jahr ist einfach super, und das Zusammenspiel mit Lea hat gut harmoniert», freut er sich. Gute Teamarbeit war eines der Hauptziele der Regisseurin und bei einem Stück mit so viel Action und oft zahlreichen Spielern auf der Bühne ein schlichtes Muss.

«Ich wollte zeigen, dass man das Leben geniessen muss. Alter ist relativ und hat mehr damit zu tun, wie man sich fühlt und verhält, als mit dem Zählen von Jahren», stellt Bühlmann fest. Das wissen auch die verlorenen Kinder: «Alter gibt es bei uns nicht. Zeit ist einfach da, und wir gehen einfach mit ihr mit», erklären sie Wendy mit einer Leichtigkeit, von der sich manche Erwachsene eine Scheibe abschneiden könnten.

Hinweis

Informationen zum Vorverkauf unter: märlitheater.ch, kulturfenster.ch oder telefonisch jeweils freitags: 041 660 91 18.

Carina Odermatt


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