600 Jahre Bruder Klaus: Die ganze Schweiz trifft sich in Sarnen

OBWALDEN ⋅ Mit Bischof, Bundesrat und Bevölkerung: Die Bruder-Klaus-Feier vom 30. April auf dem Landenberg wird ein Grossanlass. Je nach Wetter könnte es etwas eng werden.
Aktualisiert: 
16.03.2017, 18:00
16. März 2017, 12:37

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Die Gedenkfeier zu Bruder Klaus auf dem Sarner Landenberg wird zu einer Zusammenkunft von nationaler und lokaler Prominenz. Am Staatsakt vom 30. April tritt Bundespräsidentin Doris Leuthard als Rednerin auf, den Festvortrag hält der emeritierte Literaturprofessor und Schriftsteller Peter von Matt.

Der Schauspieler und gebürtige Obwaldner Hanspeter Müller-Drossaart wird eine szenische Darstellung präsentieren. Er thematisiert darin den Briefwechsel zwischen Niklaus von Flüe und der Berner Regierung aus heutiger Sicht. Mit von der Partie an der rund zweistündigen Feier sind unter anderen auch Nationalratspräsident Jürg Stahl und Bundesgerichtspräsident Ulrich Meyer. (Zum Programm »)

Rund 250 Personen stehen auf der Gästeliste, wie der Obwaldner Landammann Franz Enderli gestern nicht ohne Stolz an einer Medienorientierung verkündete. «Erfreulicherweise haben – mit zwei Ausnahmen – auch alle Kantonsregierungen zugesagt.»

Nicht dabei sind Appenzell Innerrhoden (Landsgemeinde am 30. April) und Waadt (Wahlsonntag). Die Obwaldner Regierung hat nicht zufällig den letzten Aprilsonntag als Datum für die Gedenkfeier und den Landenberg als Austragungsort gewählt. Früher fand hier die Landsgemeinde statt. «Was können wir heute vom Friedenspolitiker Niklaus von Flüe lernen?» Unter dieser Leitfrage stehe der Staatsakt vom 30. April, so Enderli. Organisator und Gastgeber ist der Kanton, der Anlass ist Bestandteil des Gesamtprojekts «600 Jahre Niklaus von Flüe». 

Die Gedenkfeier auf dem Landberg ist öffentlich. Könnte es – neben all den geladenen Gästen – dort nicht etwas eng werden? Die Platzverhältnisse und der ungewisse Publikumsaufmarsch seien in der Tat «eine grosse Schwierigkeit» für die Organisatoren, so Enderli. «Wir wissen schlichtweg nicht, wie viele Leute kommen werden.» Nebst einem Festzelt mit Sitzplätzen müsse sich das Publikum mehrheitlich mit Stehplätzen begnügen. «Dann hat es Platz für einige Hundert Leute.» Der Staatsakt beginnt um 9.30 Uhr auf dem Dorfplatz. Begleitet von der Feldmusik geht’s danach auf den Landenberg. Um 11.30 Uhr trifft man sich wieder auf dem Dorfplatz zu einem Volksapéro. 

Bischof Büchel ist dabei, Huonder hat anderes vor 

Neben all der Politprominenz sind verschiedene kirchliche Würdenträger und Behörden eingeladen, darunter der St. Galler Bischof Markus Büchel als Vertreter der Schweizer Bischofskonferenz. Bereits bekannt ist, dass sich Vitus Huonder abgemeldet hat. Der Churer Bischof war etwas pikiert darüber, dass er keine Rede halten darf (wir berichteten). Zu dieser prominenten Absage mochte sich Landammann Franz Enderli an der Medienkonferenz nicht mehr gross äussern.

Als Vertreter des Bistums Chur werde Generalvikar Martin Kopp auf dem Landenberg zu Gast sein. Bischof Huonder habe mitgeteilt, dass er am 30. April ohnehin einen anderen Termin habe. «Ob die eingeladenen Personen kommen können oder nicht, bleibt ihnen überlassen», so Enderli. «Und wenn gewisse Personen absagen, dann nehmen wir das so zur Kenntnis. Punkt.» 

Am Nachmittag steht für die Bevölkerung und die Gäste ein Rahmenprogramm zur Verfügung. So präsentiert beispielsweise das Obwaldner Staatsarchiv im Rathaus das Weisse Buch von Sarnen sowie Gegenstände aus dem Archiv, die mit der Verehrung von Bruder Klaus in Verbindung stehen.

Die Türen der Museen und des Frauenklosters St. Andreas stehen ebenfalls offen. Der Dorfplatz wird für den Verkehr gesperrt sein. Der Parkplatz Ei ist für Gäste reserviert. Nachmittags kann das Postauto zwischen Sarnen, Sachseln und Flüeli-Ranft kostenlos benutzt werden.

Hinweis

www.mehr-ranft.ch/staatsakt

Mobiles Erlebnis «Niklaus von Flüe»

Projekte Neben dem Staatsakt vom 30. April hat der Trägerverein «600 Jahren Niklaus von Flüe» gestern zwei weitere Kernprojekte des Jubiläumsjahrs vorgestellt. 

Samstag, 1. April: An diesem Tag findet in Zug der nationale Gedenk- und Feiertag «Gemeinsam zur Mitte» statt. 2017 sei in doppelter Hinsicht ein Jubiläumsjahr, sagte Anne Durrer, Kommunikationsbeauftragte des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds (SEK). Neben dem 600-Jahr-Jubiläum zu Bruder Klaus feiert man nämlich 500 Jahre Reformation. Tagsüber finden Vorträge, Aufführungen, Diskussionen und Feiern an verschiedenen Orten der Zuger Innenstadt statt. Höhepunkt bildet um 16 Uhr der ökumenische Gottesdienst in der Kirche St. Michael mit Gottfried Locher, Präsident des SEK-Rates, und Felix Gmür, Bischof von Basel. Am Gottesdienst wird zudem die Kantate «Gemeinsam zur Mitte» des Alpnacher Kirchenmusikers Erwin Mattmann mit dem Vokalensemble Ardent Bern uraufgeführt. (Zum Programm »)

28. Juni bis 25. September: Im Sommer und Frühherbst zieht das mobile Erlebnis «Niklaus von Flüe – Unterwegs» durch alle Schweizer Kantone und Liechtenstein. Allzu viel wolle man noch nicht verraten, sagte Projektleiterin Irene Nanculaf aus Alpnach an der Medienorientierung. Wenn ein Besucher in diesen mobilen Pavillon – konzipiert von «Steiner Sarnen Schweiz» – eintritt, gibt er Handy, Uhr und Schuhe ab. In einem abgedunkelten und stillen Raum wird dem Besucher nicht etwa ein Spektakel geboten, sondern erst einmal: gar nichts. Man wartet einfach. Anschliessend folgt eine Art Begegnung mit der Figur Niklaus von Flüe, ebenfalls in absoluter Stille.

Zum Schluss halten die Besucher ihre Gedanken auf einem Blatt Papier fest. All diese Schriftstücke landen dann nach Abschluss des Projekts in einer Zeitkapsel, die in Flüeli-Ranft vergraben wird und erst in 100 Jahren wieder ausgegraben werden soll. «Die Tour lädt ein zur Besinnung auf das Wesentliche und zur Selbstreflexion», umschreibt Irene Nanculaf das Projekt. «Das Mitmachexperiment sorgt für tiefgehende Gedanken, die unsere Ur-Ur-Enkel in 100 Jahren aufhorchen lassen werden.»

Die Tour startet am 28. Juni in Flüeli-Ranft. Der mobile Pavillon steht dann jeweils 1 bis 2 Tage in einem Kanton, in Nidwalden beispielsweise vom 30. Juni bis 1. Juli auf dem Stanser Dorfplatz und in Luzern am 6. Juli auf dem Jesuitenplatz. Die letzte Station ist am 25. September, dem offiziellen Bruder-Klausen-Tag, wieder in Sachseln.

Der mobile Ausstellungspavillon ist wie folgt in unserer Region unterwegs:

28. Juni: Flüeli-Ranft
30. Juni bis 1. Juli: Stans, Dorfplatz
6. Juli: Luzern, Jesuitenplatz
11. Juli: Zug, Kirchenplatz
12. Juli: Altdorf, Lehnplatz
15. Juli: Schwyz, Parkplatz Victorinox
23. bis 25. September: Sachseln, vor der Kirche

Mehr Infos: www.mehr-ranft.ch/unterwegs

Video: Gedenkjahr Bruder Klaus: Das Programm steht

Der Trägerverein «600 Jahre Niklaus von Flüe» stellte am Donnerstag das Programm zum Gedenkjahr vor. (Tele1, 16. März 2017)




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