Obwaldner Züchter gehören zur Spitze

SARNEN ⋅ Die Kantonale Viehschau ist für Obwaldens Bauern ein spannender Tag und ein fröhliches Fest. Eine grosse Ehre erfuhr gestern der Schwingfest-Preis-Muni Carlo.

08. Oktober 2016, 05:00

«Wir Obwaldner sind eifrige und erfolgreiche Züchter, das schlägt sich im Bild unserer Viehschau nieder», sagt Arnold Imfeld aus Lungern voll Stolz. Als Präsident des landesweit erfolgreichen Obwaldner Viehzuchtverbandes hat er allen Grund zur Freude. Dank einer hohen Qualität der Tiere stösst die Sarner Schau über die Grenzen hinaus auf reges Interesse. «Schon oft haben an solchen Schauen Kühe von uns den Besitzer gewechselt und schliesslich gar national Karriere gemacht», weiss Imfeld.

Auch am gestrigen, herbstlich grauen Oktobermorgen fuhren Obwaldner Züchter aus dem Sarneraatal vor der Sarner Reithalle gegen 900 Tiere zur Viehschau auf: Eine Kuh ist schöner als die andere und ein Stier kräftiger als sein Nachbar. «Unsere Tiere leisten viel in Sachen Milch und Fleisch, deshalb sind sie auch gefragt auf dem Markt», lobt der Präsident aus Lungern.

Am Morgen überwiegt Spannung

Auch bei OK-Präsident Walter Windlin aus Kerns herrscht pure Freude. Denn das Festzelt ist schon vor dem Mittag bis auf den letzten Platz besetzt. «Unsere Züchter erwarten eben diesen Festtag jedes Jahr voll Vorfreude», sagt er. Am Morgen würden zwar noch das Wetteifern untereinander und die grosse Spannung überwiegen, doch später – wenn man bei Bratkäse und ­Cheli an den Tischen sitze – sei es einfach nur noch gemütlich und friedlich, berichtet er.

Genau diesen Eindruck gewinnt man, wenn man ein wenig herumschaut und herumhorcht. Die Bauerntochter Janine Frunz aus Kägiswil begleitet ihren Vater. Hilft ihm beim Zählen der Kühe. Der 20-jährige Jungbauer Noldi Durrer aus Kerns schrubbt der schönen Kuh Jongleur Jasmin nochmals den Hintern. «Wenn der Kampfrichter kommt, muss sie blitzblank sauber sein», sagt er. Der Engelberger Milchkontrolleur Kari Langenstein schiebt den Stumpen von einer Mundecke in die andere und schaut mit Kennermiene auf Euter und Zitzen der schönen Tiere.

Walter und Wisi Arnold aus dem Urner Bergdorf Haldi betreiben in Obwalden Werkspionage. Kleinlaut gestehen sie: «Die Obwaldner Züchter haben einfach wunderschöne Kühe, das liegt wohl daran, dass sie auch noch viele echte Stiere haben.» Keine Zeit zum Fabulieren hat Kampfrichter Beni Schmid aus Schüpfheim. Er schaut auf Rahmen, Becken, Fundament, Euter und Zitzen. Vergibt seine Punkte an grosse lange Kühe mit Becken, die gut geneigt und breit sind. Eine wahre Wissenschaft.

Siegerstier Carlo zahm und lieb

Am frühen Nachmittag erreicht die Spannung den Höhepunkt. Kampfrichter haben ihr Urteil gefällt. Als der Lautsprecher verkündet, dass der Stier Carlo des Sachsler Züchters Paul Rohrer die Kür gewonnen hat, schlagen viele Herzen höher. Nur der gewaltige Muni selber bleibt völlig gelassen. Schliesslich hat er schon am Zuger Stierenmarkt alle hinter sich gelassen und gar als Preis für den Schwinger Andi Imhof eine grosse Arena betreten. Ja, was tut denn Carlo im Augenblick des grossen Triumphs? Er blinzelt aus treuseligen Augen, zahm wie ein Hündchen, den drei Bauernkindern Patrick, Melanie und Tamara zu. Melanie lacht und meint: «Wir haben doch keine Angst vor unserem Muni, der leckt einen immer ganz lieb ab!» Tagessiegerin beim Braunvieh ist die Kuh Jongleur Europa von Paul Reinhard aus St. Niklausen, und «Miss Obwalden» bei den Original Braunvieh-Kühen wird Meisi aus dem Stall von Thomas Schrackmann aus Sarnen. Schliesslich brilliert die Fabiola des Lungerers Hansueli Ming mit dem schönsten Euter in ganz ­Obwalden.

Politiker werden wieder Bauern

So ein Festtag der Bauern ist immer auch ein Tag, an dem sich manch ein Obwaldner Politiker an seine bäuerliche Herkunft erinnert: Nationalrat Karl Vogler beweist seinen beiden Grosskindern, dass er sich auch mit Kühen auskennt, und Regierungsrat Paul Federer erzählt, wie er als Jüngling auf dem Bauernhof seines Onkels noch alle landwirtschaftlichen Arbeiten vom Güllnen bis zum Melken beherrscht hat. Kantonsratspräsident Willi Fallegger fachsimpelt mit dem Älplerbruderschaftspräsidenten Bruno Wallimann vom Schoried. Karl Kiser (Sekretär des Braunviehzüchterverbandes) freut sich über die vielen Ehrengäste. Seine Bilanz: «Verbandsziel ist es ja, dass die Viehzucht in Obwalden breit abgestützt ist, der Erfolg unserer Züchter soll möglichst breit gestreut sein.»


Romano Cuonzredaktion@obwaldnerzeitung.ch


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Am Freitag hat in Sarnen die kantonale Viehschau stattgefunden.


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